Als ein "bewegendes Fest der Musik und des Lebens" wurde Kay Pollaks schwedisch-dänischer Musikfilm von 2004 eingestuft. "Wie im Himmel" war 2005 gar als Bester fremdsprachiger Film für einen Oscar nominiert (den er dann doch nicht bekam). Die Geschichte von dem berühmten, in sein Heimatdorf zurückkehrenden Dirigenten Daniel Daréus, der durch die Macht der Musik die Herzen der Menschen bewegt und die gesamte lokale Gemeinschaft verändert, ist unterdessen auf die Schauspielbühnen gewandert. Im Bemühen, nach "Kohlhiesels Töchter" die Zusammenarbeit fortzuführen, stießen in Coburg Schauspielchef Matthias Straub und die Leiterin des Chores "Unerhört", Antoinetta Bafas, auf den reizvollen Stoff. Am Samstag hat nun "Wie im Himmel" als Schauspiel mit Musik nach Kay Pollacks Vorlage Premiere am Landestheater.

Wofür Straub allerdings erst Mal eine eigene Bühnenfassung fertigen musste. Und es ihm dabei durchaus schauderte. "Dieses Gutmenschen-Geplänkel von Kay Pollack muss man in den Griff kriegen", stuft Straub die Vorlage kritisch ein. "Da ist alles an Klischees drin, was man sich über das Dorfleben nur vorstellen kann." Der Engel vom Dorf, der doppelmoralisierende Pfarrer, der gewalttätige Ehemann und sein Opfer, der Quotenbehinderte, der gehänselte Übergewichtige, das schüchterne Mädel, das aufblüht... Mit einer Intrige soll der Erfolg des Dirigenten zunichte gemacht werden. "Und dann diese von Daniel Daréus emphatisch verkündete Botschaft, dass jeder den in ihm klingenden Ton finden müsse und so weiter, das ist schon mächtig esoterisch, fast ein bisschen gruselig", schüttelt Straub den Kopf.

Wenn man allerdings den Grundgedanken vom Zauber der Musik, von der Macht der Musik partout nicht ernst nehmen will, dann braucht man das Stück nicht zu inszenieren, sagte sich Matthias Straub und kritisiert damit Produktionen anderenorts, die ganz auf Sarkasmus und Ironie setzten. Tatsächlich: "Je länger wir uns mit dem Stoff beschäftigen, desto ernster nehmen wir den Gedanken", berichtet Straub.

"Wir versuchen, die Personen schauspielerisch mit Wahrhaftigkeit zu unterfüttern, sie in ihren Geschichten und Leiden ernst zu nehmen." Straub und sein Ensemble wollen ins Leben einer kleinen Gemeinschaft blicken, die sich durch den Neuankömmling und die Musik verändert. Eine Bühnenkopie des erfolgreichen Filmes soll dabei auf keinen Fall entstehen. In dem eher abstrakten Bühnenraum (Till Kuhnert) soll Natur- und Seelenlandschaft zitiert werden.

Antoinetta Bafas spielfreudiger Chor "Unerhört" wird den Chor darstellen, darin auch Solorollen markieren. Auch jeweils drei Musiker des Rödentaler Musikvereins werden singend und Instrumente spielend dabei sein.
Bafas und Straub haben als Bühnenmusik Stücke von Mussorgsky bis Enaudi ausgewählt, filmische Passagen und die beiden markanten Songs aus dem Film, wobei die Musik den Personen motivisch zugeordnet ist. Antoinetta Bafas wird am Flügel während der gesamten Spieldauer auf der Bühne präsent sein.

Die Produktion Landestheater Coburg "Wie im Himmel", Schauspiel mit Musik nach dem gleichnamigen Film von Kay Pollak. Inszenierung Matthias Straub. Bühnenbild Till Kuhnert. Kostüme Carola Volles. Choreinstudierung Antoinetta Bafas.

Darsteller: Thorsten Köhler, Anne Rieckhof, Stephan Mertl, Kerstin Hänel, Ingo Paulick, Ralf Schütte, Oliver Baesler, Silvia Willecke, Eva Marianne Berger, Benjamin Hübner, Gabriela Künzler, Thomas Straus und andere. "Chor Unerhört" Musikverein Stadt Rödental.

Premiere Freitag, 2. Oktober, 19.30 Uhr im Großen Haus.