Ulrike Nauer befand sich eigentlich nur auf der Durchreise. Aber in Gais anhalten musste die Tageblatt-Redakteurin natürlich schon mal kurz. Beim Bummel durch die Coburger Partnergemeinde in Südtirol kam sie auch am "Ferien-Hotel Windschar" vorbei, das früher ganz einfach "Haus Windschar" hieß. Nicht nur bei Ulrike Nauer ("Wir waren dort 1984 im Skilager mit der 8. Klasse vom Alexandrinum!") wurden da sofort viele Erinnerungen wach: Als sie ein aktuelles Foto vom Hotel auf Facebook veröffentlichte, löste sie eine regelrechte Lawine aus. Zu Wort meldeten sich ehemalige Mitschülerinnen sowie - nachdem wir das Foto auch auf die Tageblatt-Facebookseite gestellt hatten - ganz allgemein sehr viele Coburger. Kein Wunder: In den 1970er und 1980er Jahren gehörte es sozusagen zum Standard der Coburger und Neustadter Gymnasien, regelmäßig Skilager in Gais zu verbringen. Deshalb konnten auch so viele Menschen plötzlich in Erinnerungen schwelgen.


Abends gab's Theater

"Im Supermarkt gegenüber vom Hotel - den es übrigens heute noch gibt - haben wir immer sämtliche Liebesromane aufgekauft", erzählt Ulrike Nauer augenzwinkernd und fügt fast schon entschuldigend an: "Wir waren ja eine reine Mädelsklasse!" Eine Mitschülerin, die damals zum Ensemble der Waldbühne Heldritt gehörte, habe dann abends die besten Stellen - "dramaturgisch aufbereitet" vorgetragen. "Herrlich!"

Im "Windschar" spielten sich aber auch echte Liebesgeschichten ab. "Mein Papa kommt aus Gais und arbeitete im Windschar als Kellner, als er meine Mama kennenlernte", schrieb uns Romi Hecher.

Andere schwärmen von der leckeren Lasagne, die es oft zum Abendessen gab. Als Snack am Nachmittag gab's belegte Brötchen, wie sich ein Leser erinnert: "Aber die Langläufer, die immer schon früher von ihrem Skitag zurückkamen als die Abfahrer, haben die uns immer weggefuttert!"

Auch Tageblatt-Redaktionsleiter Oliver Schmidt hat so seine Gais-Erinnerungen. "Ich verbinde mit dem Skilager vor allem das Lied ,Live is life' von Opus. Das haben wir immer auf den Busfahrten zum und vom Skigebiet Speikboden gehört und haben dabei lauthals mitgesungen!" Außerdem fragte Oliver Schmidt erstaunt in die Facebook-Runde: "Mussten die Schüler aber nicht gegenüber im dazugehörigen Gästehaus von Windschar schlafen? Oder wurden nur wir Ernestiner dorthin verbannt?!" Antwort: Kleinere Gruppen konnten oft im Haupthaus untergebracht werden, bei größeren wurde auch das besagte Gästehaus (heute "Haus Hermine") mitgenutzt.


Heimlich in die Disco

Es soll aber auch Schüler gegeben haben, die ihre Betten nur wenige Stunden zum Schlafen benutzt haben. Tageblatt-Sportredakteur Christoph Böger muss schmunzeln: "Wir waren zu dritt und hatten einen Einheimischen kennengelernt, der uns eines Abends - heimlich - mit in die Disco im benachbarten Bruneck genommen hat. Dummerweise ist er auf der Rückfahrt mit seinem Alfa Romeo in den Straßengraben gerutscht. Nach dem wir das Auto rausgezogen hatten, mussten wir zu Fuß bis Gais laufen und kamen t erst um 2 Uhr an. Da war bereits eine große Suchaktion nach uns im Gange." Als Konsequenz drohte den dreien ein Abbruch des Skilagers. Doch nach einigen Beratungsrunden der Lehrer und Telefonaten mit den Eltern durften sie bleiben, das "Erlebnis Gais" konnte weitergehen.

Schon in den 1990er Jahren nahm allerdings die Zahl der Ga is-Fahrten ab. Heute gibt es zwar noch immer viele Coburger, die gerne das Windschar besuchen, doch für die klassischen Skilagergruppen ist das Haus nicht mehr so optimal geeignet.


Sauna- und Beautybereich

Bereits 1996 war das Windschar zum Vier-Sterne-Hotel aufgestiegen, 1999 folgte der Bau einer neuen Badelandschaft mit Sauna- und Beautybereich. 2002 folgte noch ein Gartenpool, und heute firmiert das Windschar als schickes Ferien-& Wellnesshotel. Gruppen sind aber nach wie vor willkommen, wie es auf Tageblatt-Nachfrage heißt. Von der Familie Kronbichler, die das Haus seit mehr als hundert Jahren leitet, war leider niemand zu erreichen.

Die Partnerschaft von Coburg und Gais geht auf eine Gemeindepartnerschaft zurück, die von der damals noch selbständigen Gemeinde Lützelbuch 1971 mit Gais geschlossen wurde. Nach der Eingemeindung 1972 übernahm die Stadt Coburg die Partnerschaft.


Facebook-Kommentare zu Gais und Windschar

"Einfach nur Kult! Skilager... Und wenn die Lehrer kontrolliert haben, hat man sich auf dem Balkon versteckt!"
Heiko Wagner

"Schüleraustausch Lützelbuch - Gais: Mit Ernst Knoch als Betreuer die Gemeindepartnerschaft gelebt; erste Freundin und alles was dazu gehört. Bis heute zieht es uns immer wieder nach Gais. Die Verbindungen sind manchmal sogar bis heute geblieben."
Morti Mer

"Skilager in Gais, 7. und 8. Klasse! Und dann saß ich vier Tage im Zimmer und konnte nicht mit auf die Piste - weil ich vorher zu Weihnachten neue Schlittschuhe bekommen habe und Riesen-Blasen an den Füßen hatte."
Kerstin Johanna Loscher
"Urlaub mit der ganzen Familie! Mit des Bussen des Reisebüros Gevers."
Bina Meusl

"Haus Windschar in Gais - unvergessen die leckere Lasagne!!!"
Silke Scheler

"Da gab es leckere Schokolade - kannst Du Dich erinnern, Gerald?!"
Sabine Höll