Der Abgasskandal von VW-Dieselfahrzeugen scheint nun die Händler des Wolfsburger Autobauers zu erreichen. Das Landgericht Würzburg hat jetzt einen Händler aus Ochsenfurt verurteilt, den VW-Tiguan eines Kunden zurückzunehmen. Zwar hat das Gericht ausdrücklich die Verantwortung des Volkswagen-Konzerns betont, doch der Händler muss das vor zwei Jahren gekaufte Auto nach Abzug einer Nutzungsentschädigung nun zurücknehmen.

VW-Händler in der Region reagieren gelassen auf das Urteil des Landgerichts Würzburg. Ingo Geiß, Seniorchef des gleichnamigen Autohauses im Bad Rodacher Stadtteil Gauerstadt, teilte auf Anfrage mit, nur ganz wenige Kunden drohten mit einer Klage gegen den Händler. "Von 1000 bis 2000 Kunden sind das vielleicht drei oder vier Kunden, die vor Gericht ziehen wollen."

Der große Teil der Besitzer von VW-Fahrzeugen sei mit den Wagen zufrieden und "ist nur in Sorge, dass man nicht gegen ein Gesetz verstößt". Wenn der Kunde keinen Nachteil habe, gebe es auch keinerlei Probleme. Eine Nutzungsentschädigung, so Ingo Geiß, bedeute natürlich für den Endverbraucher ein beträchtliches finanzielles Plus. In einem solchen Fall wende sich der Händler an den Hersteller. "Wir Händler sind immer die Leidtragenden, wir müssen den Kopf hinhalten."

Wie Ingo Geiß weiter sagte, würden unentschlossene Neuwagenkäufer seit dem Abgasskandal eher zu einem Wagen mit Benzinmotor neigen als zu einem Fahrzeug mit Dieselaggregat. "Wer aber schon immer einen Diesel gefahren hat, für den stellt sich die Frage nicht."

Ähnliche Erfahrungen hat auch Joachim Ernst, Inhaber des gleichnamigen Coburger VW-Autohauses, gemacht. " Es sind nur ganz wenige Kunden, die mit dem Weg vor Gericht drohen." Die überwiegende Anzahl sehe mit der Nachbesserung ihres Fahrzeuges die Sache als erledigt an.


Software für 800 Pkw

"Wir hatten bislang über 800 Autos in der Werkstatt, die eine neue, vom Kraftfahrtbundesamt erlaubte Software aufgespielt bekommen haben. Damit gibt es keine Problem mehr mit der Betriebserlaubnis." Ernst weiter: "Es war ja auch kein Schaden oder Nachteil für die Kunden vorhanden."

In der Verkaufsstatistik sei die Zahl der Dieselfahrzeuge etwas zurückgegangen, "aber bei Vielfahrern liegt der Selbstzünder nach wie vor im Trend". Das bestätigt auch Norbert Sorg. Der Inhaber des Autohauses Gelder und Sorg mit zehn Standorten in Ober- und Unterfranken erklärte, der Abgasskandal habe sich nicht negativ auf das Geschäft ausgewirkt. Die Kunden überlegten intensiver, ob sie sich einen Benziner oder Diesel kaufen sollten. In der gesamten Firmengruppe habe es vier Gerichtsverfahren gegeben, "die alle zugunsten des Herstellers geendet haben". Bislang seien mehrere Hunderte Dieselfahrzeuge mit neuer Software ausgestattet worden.

Der Kläger aus Unterfranken, selbst Anwalt, will auf jeden Fall in Berufung gehen, "weil ich die Berechnung der Nutzungsentschädigung für völlig verfehlt halte". Ziel des Klägers ist eine höchstrichterliche Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH). In der Vergangenheit hatten viele Gerichte klagende VW-Käufer abgeschmettert. Seit Ende vergangenen Jahres verurteilen die Richter immer mehr VW-Händler zur Rücknahme manipulierter Autos. So im Februar das Landgericht Braunschweig, im Januar Hildesheim, Regensburg, Potsdam und im vergangenen Dezember Achim, im November vergangenen Jahres die Gerichte Regensburg, Hamburg und München. Ein Urteil vor einem Oberlandesgericht hätte Signalcharakter für verunsicherte Kunden.