Kaum ein Ereignis in Coburg bringt mehr unterschiedliche Gruppen zusammen als die Eröffnung der Designtage. Hochschule trifft Wirtschaft trifft Politik trifft Studenten und den Rest der (Coburger) Welt. Gleichzeitig führt die 26. Auflage zurück zu den Wurzeln. Denn ihren Charme entfalten die Designtage erst so richtig in Brachen.
Jahrelang war es die Brache Hofbräugelände, die durch die Designtage in andere Sphären gehoben wurde. Nun ist's die Pakethalle am Güterbahnhof, ein bisschen der Schlachthof und natürlich auch das Hofbräugelände. Das aber heißt inzwischen "Designcampus open", weil da nicht mehr viel brach liegt. Gestaltet, bebaut, steht dort schon fast alles fest.

Auf dem Güterbahnhof nicht. Da können die Designer noch verwandeln: Einen langen Bürogang in einen Zeitreisetunnel, eine Rampe in ein Gartengelände mit See, eine Halle in einen Speisewagen. "Logistik live!", rief Dritter Bürgermeister Thomas Nowak, als er die Paket- und Ausstellungshalle erreichte: "Hier hab ich mal gelernt."

Nicht alle dürften derart persönliche Erinnerung an die Güterabfertigung von einst gehabt haben, weshalb der Historiker Christian Boseckert eingangs kurz aus der Geschichte des Güterbahnhofs berichten durfte. Die Stadt, die Anfang des 20. Jahrhunderts ein großes Interesse daran hatte, dass endlich ein eigener Güterbahnhof abseits des Hauptbahnhofs gebaut wurde, stellte damals unentgeltlich das Gelände zur Verfügung. 110 Jahre später kaufte sie es wieder zurück.

Damit überhaupt war möglich, die Designtage auf einem Teil des 8000-Quadratmeter-Areals stattfinden zu lassen. Geträumt haben die Macher vom Coburger Designforum Oberfranken (CDO) schon länger davon. Aber die Bahn habe stets abgelehnt, sagte Auwi Stübbe, Vorsitzender des CDO. Die Stadt als Grundstückseigentümerin ließ die Designtage zu. Michael Böhm, Koordinator fürs Stadtmarketing, heimste das Lob ein, gab es aber sofort weiter an die verschiedenen Stellen der Stadtverwaltung und des CEB, die genehmigten und erledigten, was notwendig war.

Denn "Design hat einen hohen Imagewert für Coburg", wie Böhm sagte: Innovativ, fortschrittlich, immer neue Formen - all das symbolisiert Design, und so will die Vestestadt bei aller Liebe zum Althergebrachten auch wirken. Ohne Tradition und historischen Bezug kommen auch die Designtage nicht aus: Es gibt neben Biosnacks auch Bratwurst (über Buchenholzglut gebraten), und das Gelände wurde "Royal Albert Park" getauft, als Hommage an den ersten internationalen Wirtschaftsförderer, Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Der Standortfaktor Design sei nicht zu unterschätzen, meinte IHK-Präsident Friedrich Herdan. Mit 400 Kreativfirmen und Freiberuflern liege Coburg auf Platz Drei, was das Verhältnis zur Gesamtbevölkerung angehe. "Das ist ein Inkubator für unseren Raum."

Heute fördert zwar nicht mehr das Herzogshaus, sondern die Stadt über ihre Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Die verspricht sich davon eine Umwegrentabilität, sagte Wifög-Geschäftsführer Stefan Horn: Inzwischen habe es schon einige Unternehmensgründungen im Bereich Kreativwirtschaft gegeben, die Rosenauer Straße habe sich nachgerade zum "Designviertel" entwickelt. Ähnlich sah es Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin. Denn auch der Freistaat fördert das CDO und damit die Designtage. Coburg ist freilich nicht der einzige Designstandort in Oberfranken: Die Hochschule Münchner mit Textildesign und das Porzellanikon in Hohenberg machen das Trio komplett. "München nimmt uns wahr, weil wir gemeinsam als Oberfranken auftreten", betonte Platzgummer-Martin.

Warum sich die Designtage auf zwei Standorte verteilen und einer davon "Designcampus open" heißt, wird die wenigsten Besucher interessieren. Als Bindeglied dient der (ebenfalls brachliegende) Schlachthof, den Professor Mario Tvrtkovic mit seinen Studenten gekapert hat. "Nicht mehr - noch nicht" heißt das Projektseminar, das sich mit verschiedenen Aspekten der Stadtentwicklung befasst.

Natürlich steht angesichts all dessen auch die Frage im Raum, was aus dem Güterbahnhof-Areal werden soll. Als "Band der Wissenschaft, Technik und Design" steht es im Stadtentwicklungskonzept. Behutsam" müsse das Areal entwickelt werden, sagte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD). Letztlich sei die Brache für die Stadt ein Glücksfall, verfüge sie damit doch über ein Entwicklungsgelände am Eingang zur Stadt. Auch Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU), zuständig für Bau und Stadtentwicklung, wollte sich in Sachen noch nicht festlegen. Man müsse sehen, was wiederzuverwenden sei, sagte sie mit Blick auf die doch noch ganz gut erhaltene Halle mit ihrer Dachkonstruktion.
Wolfram Hegen und Maximilian Heller (itv Coburg) moderierten die Eröffnungsshow am Donnerstagabend, die von Leonhard Reissenberger musikalisch aufgelockert wurde.