"Weg mit den Mützen - Freiheit für die Köpfe", "Studentische Verbindungen auflösen." So oder so ähnlich drückten die Teilnehmer an der Demonstration auf ihren Plakaten den Widerstand gegen den Coburger Convent (CC) aus. 150 Demonstranten waren laut Joachim Mittelstädt, Einsatzleiter der Polizei, gemeldet. Die Demonstranten selbst nannten eine Zahl zwischen 150 bis 200 Personen. "Dass der Coburger Convent sich von den Burschenschaften distanziert, kann man nicht gering schätzen", sagte ein Mitglied der Vorbereitungsgruppe, die sich um die Organisation der Demonstration kümmerte. "Trotzdem genügt uns das nicht." Denn auch im CC gäbe es genügend "stramme rechte Burschen". Trotz ihrer harschen Kritik an den deutschen und völkisch-nationalen Verbindungen und auch an den beteiligten Polizeikräften betonten die Organisatoren, dass es friedvoll zugehen solle: "Wir sind nicht zum Steineschmeißen hier."

Nicht ohne Konzept


Stattdessen hätten sie gut recherchierte Redebeiträge vorbereitet: "Die Leute müssen nur zuhören, wir sind nicht ohne Konzept." Den Vorwurf an die Polizei, bereits am Pfingstsonntag zahlreiche Demonstranten in Gewahrsam genommen zu haben, entkräftete Joachim Mittelstädt: "Wir haben am Vorabend lediglich bei 30 Personen die Personalien festgestellt." Diese seien durch die Stadt gezogen und hätten die öffentliche Ordnung gestört. Festgenommen worden sei dagegen niemand.
Während sich die Demonstranten gegen 14 Uhr auf dem Albertsplatz sammelten, fanden sich zahlreiche Zuschauer ein. Ein Mann aus dem Landkreis machte seinem Unmut Luft: "Sehen Sie die vielen Polizisten hier? Die Kosten für das Polizeiaufgebot sollten die Demonstranten tragen." Er halte viel von den Landsmannschaften, bekräftigte er. "Das sind Menschen, die etwas für Deutschland tun und Arbeitsplätze schaffen." Ein Ehepaar aus Grub am Forst teilte seine Meinung.
Die Coburger Gäste und Mitglieder der Landsmannschaften, die dem Treiben auf dem Albertsplatz in einem Café zuschauten, waren liberaler: "Jeder hat ein Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit", betonte ein Mitglied von Franco-Borussia zu Coburg. Sein Kollege von der Concordia pflichtete ihm bei. "Jetzt hoffen wir, dass die Demonstration friedlich abläuft."
Nach dem Marsch vom Albertsplatz über die Lossau- und Mohrenstraße ging es Richtung Steinweg. Am Gräfsblock drängten sich an die hundert Passanten und Schaulustige, angelockt von der lautstarken Kundgebung, die anschließend über den Schlossplatz und die Rosengasse wieder zum Albertsplatz zurückkehrte.
Aufgrund des Brandes in der Innenstadt habe Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) am Sonntag Gespräche mit dem Coburger Convent und den Demonstranten geführt, erläuterte Joachim Mittelstädt. Während die Verantwortlichen des CC Verständnis gezeigt und am Montagabend unter anderem auf ihren Fackellauf verzichteten, bestanden die Demonstranten auf ihrem Recht. Sie äußerten öffentlich ihr Bedauern über das Feuer und betonten ihr Mitgefühl den Betroffenen gegenüber, bekräftigten jedoch, dass der Brand nicht ihnen in die Schuhe geschoben werden sollte. "Wir waren das nicht", sagte ein Sprecher und verteidigte sich gegen die Gerüchteküche.