Punktgewinn oder Punktverlust? Diese Frage ist völlig unabhängig wie das Frankenderby in der S.-Oliver-Arena am Mittwochabend lief, aus Sicht des HSC 2000 Coburg schnell beantwortet: Es ist ein Punktgewinn für die "Gelben". Grund: Die Vestestädter haben bei nur noch vier ausstehenden Spielen sechs Punkte mehr auf der Habenseite als die TSG Friesenheim.
Zwar kann der Verfolger noch zweimal nachlegen, aber selbst wenn der Tabellenvierte beide Spiele siegreich gestalten sollte, hat der HSC bei dann zwei Punkten Vorsprung die besseren Karten auf der Zielgerade.
Die Aufgaben werden allerdings nicht einfacher, denn bereits am Sonntagabend (Anwurf 17 Uhr) müssen die Vestestädter bei der heimstarken HSG Nordhorn-Lingen (8./37:33) antreten.

Dort hängen die Trauben sicher nicht viel tiefer als bei den "Wölfen", die sich im gestrigen Derby gegen Coburg regelrecht zerrissen und exakt das gleiche Hinspiel-Ergebnis gegen ihren Lieblingsgegner erreichten.


DJK Rimpar Wölfe gegen
HSC 2000 Coburg 22:22 (7:11)

Nur fünf Tore nach zehn Minuten belegen einen nervösen Beginn in diesem emotionalen Frankenderby. Der HSC hatte Pech, dass er nicht weniger als viermal Latte und Pfosten traf und so eine frühe Führung verpasste (5:5/16.).
Während der glücklose Romas Kirveliavicius und der ungewöhnlich schlecht werfende Florian Billek für "Matze" Gerlich und dem Ex-Kieler Lukas Wucherpfennig Platz machen mussten, erwischte Kreisläufer Markus Hagelin einen starke Phase.

Drei Treffer gelangen dem bärenstark verteidigenden Schweden bis zum 6:5 (21.) - er avancierte zum bester Coburger an diesem Abend.
Den Gastgebern war anzumerken, dass sie gleich drei ihrer wichtigsten Spieler verletzungsbedingt kurzfristig ersetzen mussten. Die Wurfquote der "Wölfe" war erschreckend schwach und lag unter 50 Prozent. Die Rand-Würzburger hatten es neben dem Wurfpech des HSC vor allem ihrem überragenden Torsteher Max Brustmann zu verdanken, dass sie nicht schon eher deutlich in Rückstand gerieten.
Doch noch besser als Brustmann agierte seine Gegenüber Jan Kuhlanek. Der Routinier im Coburger Katen hielt bis zur 26. Minute nicht weniger als sieben Bälle und zog den "Wölfen" damit den Zahn.

Diese Paraden und die ruhige Körpersprache des Tschechen taten seinen Vorderleuten spürbar gut, die jetzt endlich das Tempo anzogen und vorne auch besser zielten.
Kuhlaneks erfahrener Landsmann Jiri Vitek von der Rechtsaußenposition und gleich dreimal Matthias Gerlich, dem im Sommer ein Wechsel zum ThSV Eisenach nachgesagt wird, brachten die "Gelben" mit einem Zwischenspurt 10:5 in Front. Bis zur Pause war es immer noch eine komfortable Vier-Tore-Führung (11:7).
Klar war aber auch, dass die Gastgeber nicht mehr so harmlos weitermachen würden, wie sie in der ersten Halbzeit agierten. Mit deutlich mehr Intensität, Biss und nach Meinung vieler Beobachter auch der einen der anderen unfairen Aktion sowie vor allem vier Toren in vier Minuten kamen die "Wölfe" schnell wieder ran.
Wie schon beim Heimspiel gegen Wilhelmshaven verschlief der HSC die ersten Minuten nach der Pause. In der 39. Minute stand es plötzlich nur noch 14:13.

Jetzt war natürlich richtig Stimmung in der mit 3000 Zuschauern ausverkauften Würzburger Bude. Die rund 400 Coburger "Schlachtenbummler" mussten mit ansehen, wie die Gastgeber immer wieder Lücken am Coburger Kreis fanden und längst am Ausgleich schnupperten (16:15/43.).
Das Derby wurde von Minute zu Minute hektischer: Coßbau zog knapp am Kopf von Brustmann vorbei und erntete dafür böse Blicke vom DJK-Schlussmann. Dann langte Max Bauer in den Wurfarm und sah zu Recht die rote Karte. Im Spiel Fünf gegen Fünf gelang den "Wölfen" schließlich der viel umjubelte Ausgleich.
Doch damit nicht genug, denn nach einem weiteren Fehlversuch des in den letzten Wochen auswärts enttäuschenden Rechtsaußen Billeks, fiel sogar das 17:16 für Rimpar. Weil Coburg zu viele Chancen liegen ließen - unter anderem auch drei Siebenmeter - wuchs der Tabellenviertzehnte jetzt über sich hinaus.

Vor allem Max Brustmann steigerte sich zu einer Weltklasse-Leistung und war, wie so oft in der Vergangenheit gegen Coburg, der beste Mann auf der Platte. Der Torwart hatte maßgeblichen Anteil an der 20:18-Führung (52.).
Doch noch war Coburg nicht geschlagen und die Schlussphase wurde dramatisch. Der HSC versuchte es mit einer offensiveren Deckung - Gorr beorderte Coßbau vor die Abwehr und brachte Oliver Krechel für den in der zweiten Halbzeit stark nachlassenden Kuhlanek - der Torwartwechsel fruchtete, denn Krechel hielt drei Bälle und der Ausgleich fiel tatsächlich zwei Minuten vor dem Ende (22:22).
Der erste Derbysieg war trotzdem nicht möglich, weil Lilienfelds ein technischer Fehler unterlief und die "Wölfe" 30 Sekunden vor Schluss noch einmal in Ballbesitz kamen. Doch auch den "Wölfen" ging jetzt die Puste aus und es bleib bei der gerechten Punkteteilung nach zwei völlig verschiedenen Hälften.


Wie schon bei der Heimniederlage gegen Wilhelmshaven enttäuschten vor allem die Leistungsträger der Coburger. Der Auftritt nach der Pause war auf ganzer Linie ernüchternd. Egal ob Harmandic, Lilienfelds, Riehn oder Kirveliavicius - ihnen allen fehlte in der entscheidenden Phase der Mumm. Oder war es erneut der steigende (Aufstiegs-)Druck, der nach der Pause lähmend wirkte?

 

 

 


DJK Rimpar Wölfe gegen HSC Coburg 22:22 (7:11)

DJK Rimpar: Max Brustmann - Sebastian Kraus (6/3), Stefan Schmitt (1), Dominik Schömig (1), Julian Bötsch (2), Jan Schäffer (3), Patrick Schmidt (1/1), Steffen Kaufmann (3), Benedikt Gräsl, Lukas Siegler, Max Bauer (rote Karte), Benedikt Brielmeier (4).
Trainer: Matthias Obinger.
Beste Spieler: Max Brustmann, Sebastian Kraus

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Oliver Krechel - Markus Hagelin (4), Lukas Wucherpfennig, Dominic Kelm, Matthias Gerlich (3), Sebastian Kirchner, Jiri Vitek (1), Steffen Coßbau (5/2), Florian Billek (2), Till Riehn (1), Adnan Harmandic (1), Girts Lilienfelds (2), Romas Kirveliavicius (3).
Trainer: Jan Gorr.
Beste Spieler: Markus Hagelin,Steffen Coßbau.

SR: Sebastian Grobe (Braunschweig) / Adrian Kinzel (Bochum).

Zuschauer: 3000 in der ausverkauften S.-Oliver-Arena in Würzburg.