"Früher war ich bei den Pfadfindern, das war für mich der Einstieg ins Zelten. Irgendwann haben meine Kollegen vorgeschlagen, ein Tipi zu kaufen. Wir waren dann viel auf Country-Festivals unterwegs und haben uns in diesem Bereich immer weiter ausgebaut. Unsere Tipis wurden immer größer", erzählt Michael Sonnleitner, der auch als "Sonny" bekannt ist. Das Hobby des Neustadters ist das Reenactment, das Nachspielen, Inszenieren und Wiedererlebbarmachen geschichtlicher Ereignisse.

Gekleidet wie ein Ire

Im Rahmen dessen hat er sich viele Kostüme, zum Beispiel ein Iren-Kostüm, selber genäht. "Ich bin mit meiner Frau regelmäßig auf Country-Festivals in ganz Süddeutschland unterwegs. Auf solchen Festivals stelle ich dann Personen aus der Zeit im 18. Jahrhundert, in dem die Amerikanische Revolution war, dar. Teilweise sind wir eine ganze Woche unterwegs. In dieser Zeit koche ich all meine Speisen auf einem offenen Feuer", berichtet der Neustadter. Auch seine Hütte auf dem Gelände der "Country Club Mountain Lions" hat der 45-Jährige selber gebaut.

Fast alle Vereinsmitglieder haben auf dem Gelände eine Hütte oder ein Tipi. Während des Festivals werden die Hütten und Tipis natürlich auch bewohnt.

"Die Sachen, die man selbst gemacht hat, schätzt man viel mehr", meint Sonny. Um Szenen und Schlachten nachzustellen, ist das Gelände der "Country Club Mountain Lions" in Neustadt zu klein. Das Festival, das an diesem Wochenende stattgefunden hat und nächstes Wochenende auch noch besucht werden kann, gibt es dafür mittlerweile seit 13 Jahren. "Der Verein wurde 1993 gegründet, getroffen haben wir uns aber schon viel eher", schmunzelt der Zweite Vorsitzende.

"Die Leute sind immer wieder begeistert und loben uns. Das treibt uns dazu an, unser Festival jedes Jahr wieder zu veranstalten", sagt Michael Sonnleitner. Dieses Wochenende war auch für die Kleinsten viel geboten: Die Kinder konnten beim Ponyreiten mitmachen, Gold waschen, basteln und Spiele machen. "Zu den Country-Bands haben wir mittlerweile schon einen sehr guten Draht", verrät der Schreiner, "wir bekommen jährlich Anfragen von Bands, die gerne bei uns spielen wollen. Unser Festival wird auch von vielen Line-Dancern gerne besucht." Am Freitag traten unter anderem die "Silhouettes" auf. Am Samstag wurde es hingegen eher rockig. Die Country-Musik ist sehr vielseitig. "Unser Festival bringt zwar jedes Jahr viel Arbeit mit sich, aber im Laufe der Jahre haben wir uns echt gut eingespielt", denkt Sonny.

Auch Friedrich Renk ist seit fast 20 Jahren beim "Country Club Mountain Lions" dabei. Er verkleidet sich als Mountain Man. Mountain Mans sind auch als Trapper bekannt und waren im 19. Jahrhundert vor allem in den Rocky Mountains anzutreffen. Der 65-Jährige hat auch eine eigene Hütte auf dem Gelände. "Für mich ist das ganze Festival jedes Jahr ein Highlight, denn man sieht immer viele neue Bands", meint der Neustadter. Seine Lieblingsband, Country blend, ist auch alle drei bis fünf Jahre dabei. Während der zwei Festwochenenden kontrolliert der Rentner, ob etwas kaputt gegangen ist und führt dann gegebenenfalls Reparaturen durch.

Extra angereist

Heinz Schmitt ist extra aus Gerolzhofen in der Nähe von Schweinfurt angereist. Er ist seit fünf Jahren im Verein dabei. "Auf dem Festival laufe ich in Uniform herum. Meine Frau ist in einem Ballkleid anzutreffen", erzählt der 58-Jährige. Er hält sich überwiegend im aufgebauten Lager auf. Dort möchte er den Besuchern das Amerikanische näherbringen. "Den meisten Leuten ist gar nicht bewusst, wie viel Einfluss eingewanderte Deutsche in Amerika früher hatten. Beispielsweise gibt es heute noch einen Vertrag zwischen Texanern und Indianern, der von Franken geschlossen und bisher nicht gebrochen wurde", berichtet Heinz Schmitt. Der Gerolzhofener, der auf Country-Festivals im Moment einen Leutnant der vierten Texas-Artillerie darstellt, empfindet dabei jedes Mal ein Freiheitsgefühl: "Man lebt auf Country-Festivals ohne Handy und Armbanduhr - genau so, wie die Cowboys damals eben."

Jerry Tate ist 2003 von Texas nach Neustadt gezogen. "Manchmal stelle ich auf dem Fest einen Cowboy und manchmal einen Soldaten dar. Heute bin ich als Ranger verkleidet", berichtet der 69-Jährige. Er war an diesem Wochenende für das Goldwaschen mit den Kindern zuständig. "Ich finde es toll, dass zwischen allen Menschen, die unser Fest besuchen, immer eine gute Stimmung herrscht", sagt Jerry Tate. Am liebsten hört der 69-Jährige "Old Country". Als er noch in Texas gelebt hat, hat er für einige Country-Bands gearbeitet. Der "Country Club Mountain Lions" ist für den Texaner wie eine Familie.