Vorbei sind die Zeiten von Handwagen und Klappzelt, der legendäre Coburger Gurkenschnaps von Gerald Heintze wird aus einem umgebauten Guinness-Wagen ausgeschenkt oder auf dem Tablett serviert. Denn das 15,5-prozentige Getränk ist aus der Feste- und Barszene in der Region nicht mehr wegzudenken.

Die Nachricht vom Tod des Erfinders erschreckte 2015 nicht nur Alt-Coburger, die Gerald Heintze über Jahrzehnte immer wieder begegneten, auch viele jugendliche Szenegänger nahmen Anteil. Was wird jetzt wohl aus dem Gurkenschnaps? Ihre Befürchtung, das Geheimrezept sei damit für immer verschwunden, waren jedoch unbegründet.

Birgit Heintze und ihr Sohn Christian wollen das Andenken von Gerald bewahren und ganz in seinem Sinne "heimatverbunden und extravagant" weitermachen. Das vergangene Jahr stand deshalb ganz im Zeichen von neuen Strukturen und einem modernen Design. Auf das gelbe oder manchmal auch orangefarbene Serviettenhäubchen, unter Geralds Regie per Hand zugeschnitten und mit Schmuckbändchen verziert, muss deshalb seit einigen Monaten verzichtet werden. Doch mit dem roten Longcap bleibt Geralds roter Filzhut in Erinnerung.

Abgefüllt werden die Flaschen in Crock bei Eisfeld. Der Vertrieb läuft nach wie vor über heimische Fachgeschäfte, den Großhandel und die Coburger Gastronomie. "Gurkenschnaps gibt's in fast jeder Bar in Coburg," sagt Birgit Heintze nicht ohne Stolz. Auch zum Samba-Fest gehöre er dazu, genauso wie zum Altstadtfest Seßlach. Auf der Sandkerwa in Bamberg, beim Annafest in Forchheim und heuer vielleicht wieder beim Lichtenfelser Korbmarkt wird das Kult-Getränk ebenfalls angeboten. Der fruchtige Schnaps kommt bei den jungen Leuten gut an, weiß sie. Der Gurkenschnaps sei der Favorit unter den heimischen Spirituosen. Aus Geralds Erfinderstube kommen auch noch ein Möhren- und ein Sellerieschnaps (erhältlich in der Tageblatt-Geschäftsstelle und im Shop www.heimatshop-franken.de !).


Die Sache mit der Potenz

Dazu gibt's entweder ein Möhrenstick mit einer Zucker-Zimt-Mischung oder eine Selleriescheibe mit Ketchup. "Letzteres ist gewagt und fällt unter die Rubrik ,Herausforderung angenommen'", lacht selbst Sohn Christian. "Aber die Damenwelt ist von dem cremigen Likör ganz angetan", ergänzt seine Mutter und lacht mit. Denn ihr Mann hatte bei der Herstellung eher an die Potenz des Mannes gedacht.


Als Gerald auf der Freiheitsstatue den Coburger Marsch blies

"Gurken-Gerald" Heintze (1954 - 2015) Er war Ur-Coburger und als Coburger Original nicht zuletzt aufgrund seiner Exzentrik und seiner außergewöhnlichen Ideen auch über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Er hatte wesentlichen Anteil am bunten Treiben der Coburger Gastronomie in den 1980er und 90er Jahren und war Inhaber diverser Lokalitäten im Coburger Steinweg (Brünnle, Spundloch). Zudem war er mit seinem Gurken(-Schnaps)-Verkaufsstand oder, wie er ihn liebevoll nannte, "Gurkenzirkus" auf Festen in Oberfranken und Südthüringen ein gern gesehener Gast. Immer dabei waren seine goldene Fanfare und sein roter Filzhut. Für spektakuläre Aktionen sowie verrückte Ideen und Kreationen war "Gurken" Gerald Heintze immer zu haben.

New York 1989 Bewaffnet mit seiner Fanfare und gekleidet in fränkischer Tracht samt Filzhut machte sich "Gurken-Gerald" Heintze im Januar 1989 auf nach New York, um die Freiheitsstatue zu erklimmen. Mit dem Taxi ging es von Coburg aus zum Frankfurter Flughafen und anschließend nach New York. Vor Ort angekommen bestieg er die Freiheitsstatue und blies oben den Coburger Marsch. Knapp 22 Stunden später war er zurück in Coburg.

Rekordversuch 2009 Ausgangspunkt für seinen Rekordversuch war die lang gehegte Coburger Tradition, aus einem Stück des alten Weihnachtsbaumes einen sogenannten "Klößquirl" herzustellen. Für Gerald Heintze sollte es allerdings nicht der klassische Weihnachtsbaum aus dem eigenen Wohnzimmer sein, sondern der 15 Meter hohe auf dem Coburger Weihnachtsmarkt. Die Idee war geboren und wurde unter Beobachtung der Öffentlichkeit mit Hilfe der örtlichen Feuerwehr umgesetzt. Fürs Publikum gab es "Kloß mit Soß" sowie Gurkenschnaps und Glühwein. Am Ende konnte der wahrscheinlich größte "Klößquirl" der Welt eine offizielle Länge von 9,32 Metern aufweisen, wobei Guinness leider nicht bereit war, diesen Rekord in ihr berühmtes Buch der Rekorde mit aufzunehmen.

Kreationen Zu Geralds Kreationen zählten unter anderem die "Gurke im Schlafrock", "Gurkengulasch" sowie "Gurkenbratwurst", die er 2014 zu seinem 60. Geburtstag herstellte. Darüber hinaus gehen diverse Getränke- und Spirituosenkreationen auf "Gurken" Geralds Konto. Neben den heute noch erhältlichen Spirituosen Möhrenschnaps, Sellerielikör und Tomatenschnaps erfand Heintze die heute nicht mehr im Sortiment befindlichen Kreationen "Coborcher Klößschnäpsla", "Gurkenglühwein", den hochprozentigen "Gurkengeist" sowie "Blumenkohllikör" und "Rote Beete Schnaps".