"Ich hätte nie erwartet, dass mir das mal so einen Spaß macht." Seit gut zwei Jahren bestimmen Bodenwischer, Lappen, Reinigungsmittel und Staubwedel den beruflichen Alltag von Gabriele Albrecht. "Das war doch alles Neuland für mich und ich wusste nicht so recht, was auf mich zukommt. Aber das familiäre Umfeld hier im Awo-Seniorenheim hat es mir leicht gemacht. Und wenn mich heute jemand fragt, kann ich ohne Zögern sagen: Jawohl, ich bin sehr gerne auf Arbeit."

In ihre Passion als Raumpflegerin startete Gabriele Albrecht eher zufällig. "Ich war vorher in der Produktion tätig und wurde arbeitslos. Nach einiger Zeit kam die Anfrage, ob ich in Neustadt Krankheitsvertretung machen wolle." Aus der vorübergehenden Beschäftigung auf Zeit ist relativ schnell eine Festanstellung geworden.

"Wir haben im Bereich der Raumpflege bei uns im Haus insgesamt acht Mitarbeiterinnen und eine Auszubildende, die diesen Bereich durchlaufen muss. Je nach Dienstplan sind werktags immer vier Frauen hier von acht bis 12.30 Uhr und eine von zehn bis 14.30 Uhr, am Wochenende reicht eine kleine Besatzung.

Die Frauen halten durch ihre Tätigkeit nicht nur die Räumen unserer 108 Bewohner sauber, sondern ebenso die Büros, Schwestern- und Dienstzimmer, die Wäscherei, Flure - einfach alles, was dazugehört", fasst Wibke Lindner den Aufgabenbereich ihrer Damen in Kürze zusammen.

Harmonisches Miteinander

Als hauswirtschaftliche Bereichsleiterin ist die 29-Jährige für die Raumpflegerinnen verantwortlich und bestätigt ebenso das besonders harmonische Miteinander, das in der Einrichtung in der Sonneberger Straße gepflegt wird. "Egal ob Pflegekraft, Koch, Büromitarbeiterin oder aber Putzfrau, bei uns hat jeder den gleichen Stellenwert. Wir begegnen uns alle mit Würde. Schließlich trägt jeder auf seine Weise mit seiner Arbeit zum Wohl unserer Bewohner bei", ergänzt die oberste Reinigungskraft.

Freude an der Arbeit

"Wir haben jeden Tag unseren Spaß", lacht Gabriele Albrecht auf die Frage nach dem Arbeitsalltag. "Wenn Feste oder Feiern sind, singen und tanzen wir mit den Omas und Opas. Das macht viel Spaß. Und man lernt die Bewohner besser kennen. Es entwickeln sich mitunter persönliche Sympathien. Ich spüre sehr oft Freude und Dankbarkeit, wenn ich ein offenes Ohr für die älteren Herrschaften habe oder mit einem Gefallen dienen kann. Das macht man auch gerne. Es ist zudem sehr interessant, die ein oder andere Lebensgeschichte zu hören. Das erklärt manches", berichtet Gabriele Albrecht von ihrer Mensch-zu-Mensch-Tätigkeit. Denn dieses persönliche Miteinander, der würdevolle Umgang liege allen Mitarbeitern des Seniorenheimes sehr am Herzen. "Deshalb leisten wir uns auch fest angestellte Raumpflegerinnen", erklärt Margit Welscher. Die Leiterin des Awo-Seniorenheimes in Neustadt unterstreicht damit die Wertigkeit der persönlichen Beziehungen. "Natürlich könnten wir uns günstigere Kräfte von außerhalb holen.

Ohne Externe Kräfte

Günstiger deshalb, weil unsere Mitarbeiterinnen im Gegensatz zu vielen anderen nach Tarif bezahlt werden. Aber das besondere Miteinander, die Nähe zu den Bewohnern ist uns so wichtig, dass wir dafür gerne etwas mehr zahlen." Ihren Beruf ganz gezielt ausgesucht hat sich Jennifer Eschenbacher. Die junge Frau aus Coburg ist über das Berufliche Fortbildungszentrum (bfz) auf den Bereich Hauswirtschaft aufmerksam geworden. "Ich habe dann ein Praktikum hier absolviert und konnte mich so als möglicher Azubi anbieten. Das hat geklappt. Jetzt werde ich zur staatlich geprüften Hauswirtschafterin ausgebildet, zu deren Berufsbild auch der Teilbereich der Raumpflege gehört." Das würde Gleichaltrige zwar ab und an auch zu unprofessionellen Kommentaren wie "Was, du lernst Putzfrau?" hinreißen. "Ich finde aber, dass es ein bewundernswerter Beruf ist, gerade in einem so sensiblen und persönlichen Bereich wie einem Altenheim. Das hat auch mein Weltbild etwas verändert. Ich habe jetzt viel mehr Respekt und Achtung vor dem Alter", kontert Jennifer stolz. Denn, so die Auszubildende weiter: "Auch wenn manche gar nicht sehen, was wir leisten. Es ist enorm wichtig, dass es uns gibt." Genauso sieht es Heimleiterin Margit Welscher.
"Es geht immer um die Würde des Menschen, egal ob Putzfrau, Müllmann oder Hartz IV-Empfänger im Praktikum. Diesen respektvollen Umgang miteinander müssen wir wieder lernen. Das ist in unserer Gesellschaft leider zum großen Teil verlorengegangen."
Es sei zu wünschen, dass das wieder Normalität wird. Nicht nur an besonderen Tagen wie dem 8. November, wenn die Welt an ihre Putzfrauen denkt.

Wie es dazu kam

Weltputzfrauentag Dass der 8. November der internationale Tag der Putzfrau ist, haben die Reinigungskräfte einer Krimiautorin zu verdanken. Gesine Schulz aus Essen behauptet jedenfalls von sich, sie habe diesen Tag ins Leben gerufen. In einer Reihe von Kurzkrimis, die Schulz geschrieben hat, ist die Heldin eine Putzfrau. Daher sollte nach dem Wunsch der Autorin der Branche gedacht werden, heißt es beim Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks.