Auf den Spuren seines Ururgroßvaters wandelt David Steindl-Rast. Der 90-jährige Bendiktinermönch besuchte am Montag die Coburger Berufsschule auf dem Plattenäcker, die den Namen seines Vorfahren seit 1995 trägt - Freiherr-von-Rast-Schule. Im Flur der Berufsschule steht er vor dem originalen Ölgemälde seines Vorfahren. Für einen kurzen Moment scheint der kleine, schmächtige Mann mit dem überaus klaren Geist seiner Umgebung entrückt. David Steindl-Rast (geboren am 2. Juli 1926 in Wien) ist US-amerikanischer Benediktinermönch, Eremit, spiritueller Lehrer und weltweit tätiger Vortragsreisender.

Freiherr Ferdinand Martin von Rast (1781 bis 1863) tat sich zu Lebzeiten als Wohltäter der Arbeiter und der Lehrlinge hervor. In Coburg erinnert neben der Berufsschule die Raststraße an ihn. Auch die Rast'sche Stiftung ist ein Werk des Freiherrn, die aktuell alle zwei Jahre Berufsschüler mit Prämien unterstützt. "Aufgrund der zurzeit niedrigen Zinsen gibt es nur alle zwei Jahre Prämien", sagte Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) am Montag.


Ein Kamerateam begleitet ihn

In Begleitung eines Kamerateams des österreichischen Rundfunks ist David Steindl-Rast unterwegs. ORF-Regisseur Robert Neumüller produziert zum 90. Geburtstag des Benediktinermönchs und Vortragsreisenden ein TV-Porträt. Bei den Dreharbeiten fand das Team in Maribor die Gründungsurkunde und weiteres umfangreiches Material der Rast'schen Stiftung. Daraus entstand die Idee zur Reise an die Itz. Zum ersten Mal hat Bruder David Coburg besucht, von der Stiftung hier habe er vor zwei Jahren erstmals im Internet gelesen.
Mit der Schulleitung der Freiherr-von-Rast-Schule spricht David Steindl-Rast über die Herausforderung der Integration von Flüchtlingen. "Es freut mich, dass nach diesen vielen Jahren die Schüler immer noch von der Stiftung profitieren", sagt er. Die Raststraße, ebenfalls nach dem Coburger Ehrenbürger Ferdinand Martin von Rast benannt, besucht der Mönch und auch das markante Grabmal auf dem Coburger Friedhof.


Die Ausbildung musste bezahlt werden

Der zu großem Reichtum gekommene Kaufmann errichtete im Juni 1861 eine für Coburg bedeutungsvolle Stiftung, die Freiherr-von-Rast'sche Stiftung. Der Hauptzweck der Stiftung war, Söhne armer Eltern, die Handwerker werden wollten, bei tüchtigen Lehrherrn unterzubringen und das Lehrgeld für sie zu bezahlen. Damals erhielten Lehrlinge keinen Lohn, sie mussten für die Ausbildung bezahlen.

Ferdinand Martin von Rast heißt eigentlich Ferdinand Martin Liebermann und erblickte am 28. Januar 1781 in Berlin als der Sohn eines reichen jüdischen Handelsherrn das Licht der Welt. Als junger Mann reiste er durch Europa, lernte Länder und Leute und dabei auch viele menschliche Schicksale kennen. 1805 erwarb er in Hamburg das Bürgerrecht, zum anderen ließ er sich in Halle an der Saale evangelisch taufen. Nach der Schlacht von Jena und Auerstedt übersiedelte Ferdinand Martin Liebermann nach Prag, nahm große Vorräte an Garn und sein vieles Geld mit. Die Kontinentalsperre des Kaisers Napoleon I. von Frankreich, die gegen den Handel mit Großbritannien gerichtet war, umging er durch Einfuhren über Triest. Bald beherrschte er den Garnmarkt in Böhmen und erwarb durch Spekulationen ein beträchtliches Vermögen. 1807 verlegte er seinen Wohnsitz nach Wien. 30 Jahre später zog er nach Florenz. In beiden Städten wollte er für das Gemeinwohl tätig sein, konnte seine Ideen aber nicht durchsetzen. 1828 kaufte Ferdinand Martin Liebermann die Herrschaft und Burg Faal in der Steiermark. Ein Jahr später bereitete er seine Übersiedlung nach München vor. Dort äußerte er den Wunsch, eine Nationalbank unter seiner Leitung ins Leben zu rufen. Bald erhob König Ludwig I. ihn in den Adelsstand. Der Titel "Freiherr von Rast" bezieht sich auf das Dorf Rast in der Herrschaft Faal.

Freiherr von Rast hat mehrere Male Coburg besucht. Bei einem Aufenthalt 1832 wurde er zum herzoglichen Kammerherrn ernannt. Seinen endgültigen Wohnsitz in Coburg nahm der Freiherr 1859. Er hat zuletzt in keinem Palast wie zuvor in Wien, Florenz und München gewohnt, sondern in einer schlichten Wohnung in der Gymnasiumsgasse 6.


Geld fürs Krankenhaus

Dort starb er am 14. Dezember 1863 im Alter von 82 Jahren. Neben der Rast'schen Stiftung für die berufliche Bildung machte der Freiherr auch Zuwendungen für das 1862 errichtete Landkrankenhaus in der Allee, das spätere Landratsamt.