Damit die Anwaltschaft ihrer Rolle als "Vertrauensträger par excellence" gerecht wird, sollte sie selbst ein Qualitätsrating für anwaltliches Datenschutzmanagement umsetzen. Dies forderte Professor Hans-Peter Schwintowski von der Humboldt-Universität Berlin bei einem Kongress der HUK-Coburg-Rechtsschutzversicherung zum Thema "Aspekte des Datenschutzes in Anwaltskanzleien".

Ulrich Eberhardt, Vorstandsmitglied der HUK-Coburg-Rechtsschutzversicherung, kündigte an, Empfehlungsanwälte bei der Umsetzung der Datenschutz-Anforderungen mit einer Checkliste zu unterstützen. Diese Checkliste habe für alle Beteiligten einen besonderen Mehrwert, da sie mit dem Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht abgestimmt sei.

Die Checkliste decke relevante Themenfelder mit konkreten Einzelfragen ab, ermögliche die Identifizierung und Ableitung von Handlungsbedarfen, führe zu messbaren und objektivierbaren Mess-Ergebnissen und sei sofort einsetzbar. Derzeit laufe ein Praxistest der HUK Coburg mit ausgewählten Kanzleien. Aus deren Erfahrungsberichten werde man eine angemessene Umsetzungsfrist ermitteln. Eberhardt machte klar, dass nach Ablauf der Umsetzungsfrist nur noch "datenschutzkonforme Kanzleien" empfohlen werden.

Wolfgang Hörnlein, am Praxistest beteiligter Coburger Rechtsanwalt, schilderte die Sorglosigkeit mancher Anwaltskollegen, die er auf eine mangelnde Sensibilität für das Thema Datenschutz zurückführte. Hauptproblem bei der Umsetzung der Datenschutzanforderungen seien die Schnittstellen mit Dritten wie externen Dienstleistern. E-Mails würden, so Hörnlein weiter, in seiner Kanzlei nicht geschrieben, es gebe nur "Papierbriefe oder die Webakte". Damit habe man gute Erfahrungen gemacht.

Neue EU-Regelung nicht vor 2014

Die oberfränkische Europa-Abgeordnete Monika Hohlmeier (CSU) machte auf die erheblichen Unterschiede aufmerksam, die europaweit bei der Einschätzung der Bedeutung des Datenschutzes bestehen. Sie erschwerten die Einführung von einheitlichen europäischen Regelungen während gleichzeitig die Gefährdung durch kriminelle Aktivitäten im Internet zunähme. Insbesondere die Vorstellungen von der Notwendigkeit des Anwaltsgeheimnisses seien keineswegs einheitlich. Angesichts der sehr unterschiedlichen Auffassungen rechnet die Abgeordnete mit einer Lösung nicht vor 2014. ct