Naja - am Ende konnten die Damen und Herren der Feuerwehr den Jungs von der Meederer Landjugend gar nicht einmal böse sein. Schließlich waren sie ja - "irgendwie", wie Christoph Haas am Ende mit einem Schmunzeln im Gesicht einräumte - ja auch selbst Schuld, dass ihnen der Maibaum geklaut wurde. Immerhin brachte die Landjugend das gute Stück ja rechtzeitig und unversehrt zurück, eine größere Delegation aus Meeder feierte dann sogar am Abend mit den Wohlbachern in den Mai hinein.

Dass sie mit ihren Maibäumen nicht gerade eine Glückssträhne haben, daran haben sich die Wohlbacher bei ihrer beliebten Feier am 30. April ja schon gewöhnt. Vor drei Jahren wurde ihnen der Baum von einer Bande aus Birkach am Forst geklaut und nach erst entsprechender Auslöse wieder zurückgegeben. Das kann passieren, das darf sogar passieren.

Im vergangenen Jahr waren die Mitglieder der Feuerwehr im Ahorner Gemeindeteil dann allerdings ziemlich stinkig, weil ihnen irgendwelche Randalierer - anders kann man es nicht ausdrücken - den Maibaum ansägten und mit Graffiti beschmierten. "Und das geht halt gar nicht", ärgerte sich Christoph Haas noch zwölf Monate später. Leider verlief die Anzeige bei der Polizei im Nichts, weil es halt auch keine Spuren gab.

Harte Verhandlungen

Die selbstbewussten Meederer hinterließen bei ihrem Diebstahl in der Nacht auf Donnerstag hingegen eine deutliche Spur: Einen handgeschriebenen Zettel mit einer Handynummer, über die die Auslöse auszuhandeln sei. 45 Bratwürste, 30 Liter Bier sowie drei Flaschen Weinbrand samt Cola waren es am Ende, die am Donnerstagnachmittag den Eigentümer wechselten. Natürlich, so gehört es sich, nur unter schwerem Stöhnen von Christoph Haas angesichts dieses schweren Verlustes: "Wenn wir noch mehr gezahlt hätten, wäre ja beim Maibaumfest gar nichts mehr übrig geblieben." Da musste Benjamin Otto als Verhandlungsführer der Meederer natürlich nur herzhaft lachen, schließlich ist er von seiner ursprünglichen Forderung ganz schön abgerückt, um die armen Wohlbacher nicht zu überfordern.

In einem Punkt haben die Wohlbacher der Landjugend ehrlich Respekt gezollt: Es war eine körperlich ziemlich anstrengende Angelegenheit, den Maibaum zu entwenden. Rund 20 Mann waren in der Nacht auf Donnerstag notwendig, um den bereits schön in der Halterung fixierten Baum aus der Ortsmitte weg zu einem bereitgestellten Anhänger zu tragen. Wo dieser stand, das wusste am Tag darauf sogar Benjamin Otto nicht mehr genau. "Irgendwo dahinten", sagte er und zeigte den Hügel hinauf Richtung Witzmannsberg. Wo der Baum dann die Nacht verbrachte, dass wollten die Jungs der Landjugend dann aber nicht verraten. Man hat halt so seine Verstecke. "Weit weg war er jedenfalls nicht", gab sich Otto geheimnisvoll.

Eine Sache von 15 Minuten

Was die Wohlbacher hingegen ärgern wird: Hätte die Nachtwache im Zelt hinter dem Maibaum nur eine Viertelstunde länger ausgehalten, wären die Meederer unverrichteter Dinge wieder nach Hause gegangen. Obwohl die Landjugend den "größten Baum der kleinsten Feuerwehr" (wie die Wohlbacher von sich selbst sagen) schon länger im Auge hatte, wollte das Klau-Kommando irgendwann zwischen 2 und 3 Uhr sein Versteck räumen und nach Hause gehen. Aber dann gingen die Wohlbacher halt doch eher ins Bett. "Und da lag der Baum dann, richtig einladend", feixte Benjamin Otto, der sich nicht erinnern konnte, dass er und seine Kumpels jemals einen so großen Baum zu fassen bekamen.

Die Wohlbacher Feuerwehr hat sich für das kommende Jahr nun vorgenommen, endlich einmal ohne Ärger um den Baum in den Mai hinein zu feiern. Eines war dabei gestern nach der ersten Maß Bier klar, wie Christoph Haas berichtete: "Nächstes Jahr gibt es eine Baum-Wache im Schichtbetrieb. Rund um die Uhr."