Weil er einen Klappstuhl auf seine Lebensgefährtin geworfen und sie mehrfach gewürgt hatte, musste sich am Donnerstag ein 35 Jahre alter Mann aus Coburg vor dem Amtsgericht verantworten. Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte ihn Strafrichter Wolfram Bauer zu acht Monaten auf Bewährung. Letztendlich wirkten sich die Einsicht, die Reue und das umfassende Geständnis strafmildernd aus.


Am Rücken verletzt


Der Angeklagte und seine damalige Lebensgefährtin waren als Servicekräfte in einer Spielhalle in Sonneberg beschäftigt. Sie arbeiteten im Schichtdienst und wohnten in Coburg in einer gemeinsamen Wohnung. Nachdem beide erheblich dem Alkohol zugesprochen hatten, kam es im November 2014 gegen Mitternacht zum Streit. Im gemeinsamen Schlafzimmer warf er schließlich einen Klappstuhl auf die 24-jährige Frau, die sich leichte Verletzungen am Rücken zuzog. Am Folgetag setzten sich die Differenzen fort und eskalierten erneut im Schlafzimmer.

Die Situation geriet derart aus dem Ruder, dass der 35-Jährige seine Partnerin mehrmals am Hals würgte, bis sie keine Luft mehr bekam. Die junge Frau trug Rötungen und Hämatome davon und litt in der Folge unter Halsschmerzen.


Im Dauerdelirium


Vor Gericht räumte der Angeklagte die ihn zur Last gelegten Taten in vollem Umfang ein. Nach seiner Festnahme hatte er erklärt, sich im Dauerdelirium befunden zu haben. Den erheblichen Alkoholkonsum bestätigte ein ärztliches Gutachten, das Richter Bauer auszugsweise vorlas. Immerhin wurden demnach mehr als drei Promille Alkohol im Blut festgestellt.

Seine mittlerweile Ex-Freundin berichtete, dass der 35-Jährige gerne Bier, Wodka und Wein trank. "Ich weiß aber nicht, wie viel er getrunken hat, ich habe nur leere Wein- und Wodkaflaschen gefunden." Der Richter wollte wissen, ob der Beschuldigte in den Tatnächten mehr als üblich getrunken habe. Das konnte die Frau nicht beantworten. "Das weiß ich nicht, aber er konnte noch reden."


Seit Juli nicht mehr arbeitsfähig


Mit dem extensiven Trinken, so der Mann, habe er vor sieben Jahren begonnen. Zuletzt sei er im Mai auch im Klinikum Kutzenberg behandelt worden. Seit Juli sei er wegen großer gesundheitlicher Probleme nicht mehr arbeitsfähig. "Sie scheinen ein leichtes bis mittleres Alkoholproblem zu haben", sagte Richter Bauer. Dieses, so der Angeklagte, versuche er ja zu ändern, er trinke bereits weitaus weniger als vor dem Vorfall.

Die Staatsanwaltschaft sah in dem Wurf mit dem Klappstuhl nur eine versuchte gefährliche Körperverletzung. Das Würgen dagegen erfülle den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung in vollem Umfang. Staatsanwalt Tim Hain: "Würgen ist eine enorm gefährliche Tat, die auch gewisse psychische Folgen haben kann."
Rechtsanwalt Christian Müller plädierte wegen der gesundheitlichen Verfassung des Angeklagten für ein milderes Urteil, das er in das Ermessen des Richters stellte.


80 Arbeitsstunden


Das Gericht folgte schließlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Da der Angeklagte nicht vorbestraft ist, konnte die Strafe von acht Monaten auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Ein Jahr lang bekommt der Mann zudem einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt. Außerdem muss er 80 Stunden an gemeinnütziger Arbeit leisten. Bauer: "Damit sie ihren Tag einigermaßen strukturieren."