Am 1. Mai und dem Vatertag haben in den ersten Maiwochen wieder viele ihre Rucksäcke gepackt und sind zu einer gemütlichen Wanderung aufgebrochen. Meistens stand dabei wohl der Spaß und die ein oder andere Flasche Bier im Vordergrund. Dass so eine Fußreise aber auch der Gesundheit dienen kann, das will der Thüringerwald-Verein Coburg zeigen. Genauer gesagt Friedhold Göhring (65), der sich als Gesundheitswanderführer ausbilden lässt.


Wozu braucht es einen Wanderführer, wird sich mancher fragen. Schließlich hat die Maiwanderung auch ohne ein Zertifikat geklappt. "Es ist schon etwas mehr, als nur durch die Natur zu laufen", sagt Göhring. Eine drei- bis vierstündige Tour mit rund 20 Teilnehmern muss ja auch gut organisiert sein.


Wie kommen die Wanderer zum Startpunkt und wieder nach Hause, wo sind geeignete Plätze für eine Rast, was gibt es auf der Route zu sehen und wo kann der Treck am Ende einkehren? Diese Fragen muss sich Göhring jede Woche aufs Neue stellen. Und bevor er seine Gruppe auf die Reise schickt, muss er die zehn bis zwölf Kilometer erstmal selbst ablaufen, um sicher zu gehen, dass seine Planung klappt. Schließlich trägt er auch die Verantwortung für seine Gruppe. Zehn Tage habe der Kurs zum Wanderführer im November 2014 gedauert, erzählt Göhring. Ernährung, Wetterkunde, Marketing, Geologie und Recht waren die Themen, um nur einige zu nennen. "Der Deutsche Wanderverband versucht einen gewissen Standard hineinzubringen. Bisher haben unsere Wanderführer nur eine lockere Ausbildung", erklärt der Vorstandsvorsitzende Dieter Schubert (69).


Erster Wanderführer im Verein

Göhring ist nun der erste im Verein, der diese offizielle Ausbildung genossen hat und im Sommer will er Gesundheitswanderführer werden. Das heißt, er muss nochmal sechs Tage pauken. "Die Gesundheitswanderungen sollen der allgemeinen Gesundheit dienen, vor allem den Muskeln und der Ausdauer", sagt Göhring.
Aber reicht es da, einfach nur zu wandern? "Es kommt darauf an, welche Ziele Sie haben. Wenn Sie nur die Natur erleben, ihr Gewicht im Zaum halten und kein Couchpotatoe sein wollen reicht das", meint der Wanderführer. Aber er versuche auch spezielle Programme einzubauen, mit Gleichgewichts-, Dehn- oder motorischen Übungen. Allerdings gehe es nicht darum, irgendwelche Leistungen zu erbringen wie im Fitnessstudio. Es gebe keine Vorgaben, betont Göhring.


Schwieriger Generationenkonflikt

"Die Leute sollen beim Wandern ihre eigenen Grenzen sehen", sagt Schubert. Er setzt dabei auf die Gruppendynamik: "Es hilft, wenn man diese Übungen mit Gleichgesinnten macht und dann merkt: Mensch, ich kriege die Arme ja doch noch höher." Für den Verein erhofft er sich, dass er dadurch neue Leute gewinnen könnte, die gesundheitliche Probleme habe und etwas für ihren Körper tun wollen. Dabei will er auch Kontakte mit den Krankenkassen knüpfen.


Wie viele andere Vereinen hat auch der Thüringerwald-Verein Probleme, genügend Nachwuchs zu finden. Die Wandertouren bringen Göhring deshalb in eine Zwickmühle: "Wir müssen immer erst schauen, welches Klientel mitläuft. Das ist eher die ältere Generation." Darauf müsse er seine Touren zuschneiden, aber auch mit dem Hintergrund, Jüngere dafür zu begeistern.


Das gestaltet sich mitunter schwierig. Deshalb hat Göhring schon eine Idee: "Ich möchte in Zukunft das Geocaching forcieren und anbieten." Die digitale Schnitzeljagd liegt nämlich gerade bei jungen Leuten im Trend.
Schubert spricht eher den geselligen Aspekt an: "Es ist schön, miteinander zu laufen, Probleme zu erkennen und sich auszutauschen. Beim Wandern laufen die verschiedenen Gesellschaftsschichten zusammen. Man spricht mit dem Arzt wie mit dem Bäckergesellen."