Doch diese Mehreinnahmen sind nicht der Grund, warum Regina Eberwein am Donnerstag im Stadtrat eine kurze Lektion in Sachen Steuerberechnung erteilte. Der Freistaat hat zum 1. Januar den sogenannten Nivellierungshebesatz von 300 auf 310 Prozent angehoben. Das heißt, bei der Berechnung von Umlagen wird dieser Hebesatz zugrundegelegt - und zwar bezogen auf die Steuereinnahmen von 2014. Denn die Umlagen werden immer auf Basis der Steuerkraft von zwei Jahren zuvor erhoben. Das, so rechnete Eberwein vor, führt dazu, dass Coburg in diesem Jahr 460 000 Euro mehr zahlen muss als nach dem alten Satz - und 2017 sind es gar 540 000 Euro mehr.

Das war letztlich das Argument, warum am Ende der gesamte Stadtrat der Steuererhöhung zustimmte. Einigen gingen die 310 Prozent freilich nicht weit genug: Die Grünen beantragten 320 Prozent (und fielen damit durch), Klaus Klumpers (ÖDP) wollte gar 350 Prozent, damit die Stadt auf Kreditaufnahmen verzichten kann.

Regina Eberwein nannte in der Sitzung einige weitere Haushalts-Eckwerte: 2016 muss die Stadt eine umfangreiche Gewerbesteuerrückzahlung leisten - 17 Millionen werden mit den Steuereinnahmen verrechnet, hinzu kommen sieben Millionen Euro Zinsen. Ein ausgeglichener Haushalt ist so trotz aller Sparanstrengungen nicht zu schaffen. Deshalb schmilzt die Stadt ihre Rücklagen weiter ab und nimmt - für die Investitionen - Kredite über sieben Millionen Euro netto auf. Eberwein erwartet am Jahresende einen Schuldenstand von 28 Millionen Euro und eine finanzielle Reserve in Höhe von 34 Millionen Euro.

Diese Zahlen nannte sie im Zusammenhang mit dem mittelfristigen Investitionsprogramm (Mip), das die Stadt jedes Jahr in Verbindung mit dem Haushalt aufstellen muss. Der Planungszeitraum erstreckt sich über die Jahre 2016 bis einschließlich 2019. In diesem Zeitraum sind Investitionen von 89 Millionen Euro vorgesehen und eine Kreditaufnahme von 30 Millionen Euro. Bis 2018 will Regina Eberwein außerdem bei den laufenden Ausgaben so viel sparen, dass unterm Strich wieder ein positives Ergebnis steht. Inwieweit sich da der neue Gewerbesteuerhebesatz auswirkt, müssen die Berechnungen aber erst noch zeigen.

Das größte Bauprojekt im Planungszeitraum bis 2019 ist die Sanierung und Erweiterung des Landestheaters, und die wird in dieser Zeit nicht mal abgeschlossen. Bis 2019 sind 12,2 Millionen Euro verplant - etwas mehr als die Hälfte der städtischen Kosten. Für die Sanierungsgebiete inklusive Soziale Stadt sind 11,3 Millionen Euro vorgesehen. Weitere große Posten sind die neue Dreifachturnhalle an der Karchestraße (7,5 Millionen Euro), Sanierung der Heiligkreuz-Schule (5,6) und Darlehen an Wohnbaugesellschaften (5,2). Das einzig wirklich neue Projekt im Mip ist eine Brücke über die Itz von der Ernst-Faber-Straße zum Güterbahnhofsgelände (3,6 Millionen Euro). 1,2 Millionen Euro sind für ein neues Studentenwohnheim in der Leopoldstraße eingeplant, Baubeginn 2016. Die Stadt muss das Geld aber nur durchreichen - finanziert wird das Haus durch eine Spende.

Zur Tradition der Mip-Diskussion gehört , dass die Grünen und einige andere Stadträte den darin enthaltenen Neubau des Verkehrslandeplatzes und die Bahnunterführung Creidlitz ablehnen. Mit den Grünen stimmte jeweils Klaus Klumpers; gegen den Verkehrslandeplatz außerdem Monika Ufken undDominik Sauerteig (SPD).