35 Delegierte anwesend, 28 Stimmen für Stefan Sauerteig: So lautete das Ergebnis, das Wahlleiter Thomas Nowak bekanntgab. Diskussionen über Sauerteigs Arbeit beziehungsweise die des Stadtverbandsvorstands hatte es zuvor nicht gegeben; Oberbürgermeister Norbert Tessmer hatte sich mit Sauerteigs Tätigkeitsbericht ausgesprochen zufrieden gezeigt.

Darin klang an, dass die Coburger SPD durchaus ihre Probleme mit dem Thema "Flugplatzneubau" hat. Aber sie unterstützt ausdrücklich die Politik von Norbert Tessmer, und der sieht zu einem neuen Flugplatz bei Neida keine Alternative: Mit dem Bau solle der Status quo gesichert werden beziehungsweise der Standard früherer Jahre, als von der Brandensteinsebene noch eine Charterfluggesellschaft mit kleinen Maschinen abhob. Diese Gesellschaft stellte Anfang der 90er Jahre ihren Betrieb ein; seither setzen Coburger Unternehmen eigene Flugzeuge im sogenannten Werkflugverkehr ein. Aber auch diese (Propeller-)Maschinen unterliegen Einschränkungen. Aufgrund von Sicherheitsvorschriften verfüge der Flugplatz Brandensteinsebene nur noch über eine Startbahnlänge von 650 Metern, sagte Tessmer. Mehr sei dort auch nicht möglich; um mit den Werksmaschinen einschränkungsfrei starten und landen zu können, seien 1200 Meter Startbahnlänge nötig. "Und die krieg ich da oben nicht hin, selbst wenn ich die Anflugbefeuerung in Neustadt beginnen lasse." Denn eine richtlinienkonforme Anflugbefeuerung (eine Voraussetzung für Instrumentenflugbetrieb) gibt es in Coburg auch nicht.

Thomas Nowak ging in seinem Bericht vor allem auf die Flüchtlingsthematik ein. Als Sozialreferent ist er dafür zuständig, dass derzeit rund 770 Flüchtlinge und Asylsuchende in Coburg unterkommen und betreut werden; jede Woche kommen zehn weitere Menschen dazu. Nowak lobte vor allem diejenigen, die sich freiwillig und ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmern und sogar Deutschunterricht erteilen, wenn kein staatlich finanzierter Sprachkurs vorgesehen ist. Nowak kündigte ein Dankeschönfest für die Ehrenamtlichen noch im April an. Außerdem werde die Stadt dank einer Unternehmensspende einen "Integrationslotsen" in Teilzeit beschäftigen können, der Flüchtlingen Angebote von Sport-, Musik und Kulturvereinen vermitteln solle.

Doch über der Flüchtlingsproblematik dürften die hier lebenden Menschen nicht vergessen werden, betonte Nowak. Deshalb würden Programme für Langzeitarbeitslose intensiviert, die Zahl der Kita-Plätze erhöht und bezahlbarer Wohnraum geschaffen.

Themen, die auch die Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Bettina Lesch-Lasaridis aufgriff. Sie stellte in ihrer emotionalen Rede auch die eigene Partei in Frage: "Wo isse hin, die SPD? Wo erkennt man sie noch?" Sie vermisse in ihrer Partei "Mut, Mumm, Visionen", sagte sie mit Blick auf die Landes- und Bundespartei. Sie selbst habe sich bei der Haushaltsdebatte im Stadtrat von CSU-Mann Hans Michelbach "sozialdemokratisches Gerede" vorwerfen lassen müssen. "Ich hab mich kurz verunsichern lassen, und dann war ich stolz!" Denn auf sozialdemokratische Werte und Ideen müsse sich die SPD besinnen, sei es in der Europapolitik ("Was wir in Griechenland angerichtet haben, ist eine Katastrophe") oder auf nationaler Ebene, wenn sogar schon die Bundesbank feststelle, dass Arm und Reich in Deutschland zu weit auseinanderdriften.

"Wenn es uns nicht gäbe, sähe diese Stadt anders aus", stellte Bettina Lesch-Lasaridis selbstbewusst und unter Beifall fest: Dank Tessmers Politik (er war bis 2014 zwölf Jahre lang Sozial- und Schulreferent) gebe es gleiche Bildungschancen für alle, die SPD habe zuerst den wachsenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum erkannt und die entsprechenden Anträge gestellt, und die Stadt habe unter SPD-Führung die ansässigen Unternehmen stets gut behandelt, sagte Lesch-Lasaridis mit Blick auf den Gewerbesteuerhebesatz. Nun würden die städtischen Finanzen schlecht geredet - zu Unrecht, wie die Fraktionsvorsitzende findet. "Das wird genutzt, um Stimmung gegen uns zu machen." Die hohen Rücklagen seien sinnvoll investiert worden, zum Beispiel in weiche Standortfaktoren wie Schulen, für die Coburg allenthalben gelobt werde. "Sparen führt in keinem Unternehmen zu Wachstum", sagte Lesch-Lasaridis und schloss Steuererhöhungen für die Zukunft nicht aus. Derzeit liegt der Gewerbesteuerhebesatz bei 310 Prozent und sei "nicht in Stein gemeißelt", wie Bettina Lesch-Lasaridis sagte. Denn die Stadt müsse ihre Leistungen auch finanzieren können.

Eine Leistung ist die Sanierung des Landestheaters, die 2018 beginnen soll. Dann wird eine Interimsspielstätte gebraucht. Wie diese aussehen wird, ist noch offen - der Stadtrat sucht noch nach Lösungen. Demnächst werde eine Exkursion nach Genf stattfinden, kündigte Tessmer an.