Maryna Kofiel und ihre Familie kommen aus einem Kriegsgebiet in der Ukraine. Mit ihrem Ehemann und der fünfjährigen Tochter Yeva musste die 29-jährige Frau im November des vergangenen Jahres fliehen.

An den Krieg, die Flucht, die Zeit im Auffanglager Zirndorf und dem Aufenthalt in einem Camp möchte sie gar nicht denken. "Ich möchte diese Zeit streichen und einfach vergessen." Maryna Kofiel hat in ihrer Heimat Germanistik studiert und spricht deshalb sehr gut deutsch. Sie lebt nun mit 50 weiteren Flüchtlingen, es sind Familien mit Kindern, in einem Wohnheim in der Sally-Ehrlich-Straße. Die Menschen kommen aus den Krisengebieten Syrien, Afghanistan, Aserbaidschan, aus Weißrussland oder der Ukraine.

Am Samstag haben die Stadt Coburg und die Wohnbau ein kleines Nachbarschaftsfest organisiert, um die Asylsuchenden in Coburg willkommen zu heißen. Absichtlich sollte die Veranstaltung nicht offiziell, sondern im kleinen Rahmen gehalten werden. Der Ort war die türkisch-islamische Gemeinde, die sich in der Nachbarschaft der Unterkunft befindet.

Kinder ohne Scheu

"Wir sind an diesem Platz, um zu zeigen, wie gut die türkische Gemeinde hier in Coburg integriert ist und wie gut wir zusammen arbeiten", sagt Peter Schubert, der Leiter des Coburger Sozialamtes. Nach und nach trafen auch die Familien - anfangs etwas zurück haltend - bei der Feier ein. Keine Hemmungen hatten die Kinder, die sofort beim Kinderprogramm, das das Familienzentrum Domino anbot und mitmachten und eifrig malten und bastelten.

Der 13-jährige Kahraman und seiner kleiner Bruder, der fünfjährige Ramil und die 13-jährige Mansura kommen aus Aserbaidschan, das zwischen dem Kaspischen Meer und dem Kaukasus liegt. Die Sprache Deutsch verstehen die Kinder zwar noch nicht, aber mit Händen und Füßen und viel Gestik klappte die Verständigung ganz gut. Mit bunter Farbe malten sei ein Plakat, druckten ihre Hände ab und schrieben ihre Namen dazu. Die Eltern schlossen erste Kontakte, ein Dolmetscher half bei der Übersetzung. Coburgs Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) erklärte, dass man mit dem Fest das Eis brechen möchte zwischen den Nachbarn und den Asylsuchenden. "Sie sollen sich begegnen, beschnuppern und kennenlernen."

Maryna Kofiel erzählt, dass sie gemeinsam mit ihren Mann mehrmals in der Woche einen Deutschkurs besucht, sie möchte die Sprache sehr gut zu lernen. Reinhard Pfaffelmoser ist pensionierter Volksschullehrer und engagiert sich, seitdem er in Ruhestand ist, für die Flüchtlinge. "Ich halte seit Januar Deutschkurse ab und es macht Spaß, die Menschen sind motiviert und wollen lernen", fasst er zusammen. Beim Nachbarschaftsfest hielt der gebürtige Oberbayer aber keinen Unterricht, sondern packte seine Gitarre aus, spielte und sang zur Eröffnung "Hand in Hand" .

Ilhan Birinci von der türkisch-islamischen Gemeinde begrüßte seine Gäste herzlich und führte auch durch die Räume und die Moschee, beim gemeinsamen Essen gab es türkische Spezialitäten. Eine schönes Fest sei es, sagte die 29 jährige Maryna Kofiel und blickte nachdenklich. In ihrer Heimat, sagte sie, sehe sie keine Perspektive. "Es gehen schreckliche Dinge vor sich, das kann man gar nicht in Worte fassen."