Julian Traut, Pressesprecher des Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) weist gleich im ersten Satz darauf hin: Für die Zahl 30 000 wurden die Besucher an den beiden Orten der Landesausstellung zusammengenommen. 17 369 Besucher wurden auf der Veste gezählt, 12 395 in der Kirche St. Moriz. Dort läuft die Begleitausstellung, die vor allem auf die evangelisch-lutherischen Kirchentraditionen eingeht. Es ist zu vermuten, dass ein großer Teil der Gäste in der Morizkirche auch auf der Veste war.


"Betrachten jede für sich"

Aber auch die knapp 17400 Besucher sind ein Erfolg: In den vergangenen beiden Jahren kamen im Mai zwischen 7200 und 7900 Gäste auf die Veste. Klaus Weschenfelder, Direktor der Kunstsammlungen auf der Veste, hatte eine Verdoppelung der Zahlen durch die Landesausstellung erwartet. Nun sind es sogar einige mehr. Schon kurz nach dem Start hatte das HdBG erklärt, dass bis zum Ende der Ausstellung am 5. November eine sechsstellige Besucherzahl erwartet werde. Vergleichszahlen mit früheren Ausstellungen kann das HdBG allerdings nicht liefern. Dazu seien die Bedingungen zu unterschiedlich, erläutert Traut: Manche Ausstellungen spielen wie die Coburger an mehreren Orten, andere an nur einem. In Coburg ist die Veste täglich geöffnet - bei "Karl IV" war das Germanische Nationalmuseum immer montags geschlossen. "Deshalb betrachten wir jede Landesausstellung für sich."


Zustrom reguliert

Für ein hohes Interesse an der Coburger schau spricht auch, dass über Pfingsten der Zustrom schon reguliert werden musste, wie Traut berichtet. Auch Klaus Weschenfelder geht davon aus, dass die Hochsaison erst jetzt beginnt. Außerdem haben die Kunstsammlungen werden die Kunststammlungen am 14. Juli mit der "Gedeckten Batterie" das Artillerie-Museum eröffnen, das die historischen Kanonen präsentiert. Gleichzeitig beginnt in Coburg das Samba-Festival, das alljährlich Tausende Besucher anzieht.

An der Eröffnung des Artilleriemuseums wird Bayerns Finanzminister Markus Söder teilnehmen. Sein Haus verwaltet die bayerischen Schlösser und Seen sowie die Coburger Landesstiftung. Ob er auch die Landesausstellung besichtigt, ist offen. Traut hält es für vorstellbar, dass noch einige Abgeordnete und Minister kommen. Ministerpräsident Horst Seehofer hatte seine Teilnahme an der Eröffnung zwar kurzfristig abgesagt, aber bei früheren Gelegenheiten gern bekannt, Fan der Landesausstellungen zu sein. Und die Ausstellung übers bayerische Bier habe sich auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) angesehen, berichtet Traut.

Die Macher vom HdBG setzen außerdem darauf, dass die Schau im 500. Jahr der Reformation auch "Gäste von jenseits des Rennsteigs" interessiert. Zwar ist die Landesausstellung keine Lutherausstellung, aber sie befasst sich mit der Zeit vor 500 Jahren und ihren Umbrüchen auf politischem, wirtschaftlichen und gesellschaftlichem Gebiet. Dazu gehört die Reformation, die 1517 mit der Veröffentlichung von Martin Luthers Thesen gegen den Ablasshandel ihren Anfang nahm. Schon bei der Eröffnung am 8. Mai stellte Richard Loibl, der Leiter des HdBG, die Landesausstellung in Coburg selbstbewusst in eine Reihe mit den drei großen nationalen Luther-Ausstellungen in Berlin, Eisenach und Wittenberg ("3xhammer").

Traut zufolge sind Loibl und die Mitveranstalter der Landesausstellung (Stadt Coburg, Evangelisch-lutherische Landeskirche Bayern) "außerordentlich stolz darauf, dass die Verknüpfung von Ausstellung und historischen Originalschauplätzen so gut aufgeht". Martin Luther lebte 1530 fast ein halbes Jahr auf der Veste und während dieser Zeit mehrmals in der Morizkirche.

"Gerade die Verbindung von Landesausstellung, evangelisch-lutherischem Gottesdienst und Kirchenmusik ermöglicht den Besuchern ein authentisches Erlebnis in einem der architektonisch interessantesten Kirchenräume Nordbayerns", wird Loibl zitiert.

Zahlreiche Kommentare im Besucherbuch würden das bestätigten, teilt Traut mit. Von "Sehr umfassend und sehr anschaulich gemacht. Luther hätte seine Freude daran gehabt" über "Very cool and interactive" bis zu "Die beste Landesausstellung, die wir je gesehen haben - und in schönstem Ambiente!! Gratulation!!", reiche das Spektrum der Einträge.


Öffnungszeiten und Events

Landesausstellung Bis Sonntag, 5. November, täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet; Eintritt in der Veste für Erwachsene 10 Euro (Ermäßigungen möglich), in der Morizkirche Eintritt frei. Tägliche Führungen in der Veste um 11 und 15 Uhr, in der Morizkirche um 10 und 14 Uhr. Gruppen werden gebeten, Führungstermine vorab zu buchen.

Eröffnung Das Artilleriemuseum in der "Gedeckten Batterie" ist ab Samstag, 15. Juli, für die Öffentlichkeit zugänglich.

Ritterspektakel Am 9. und 10. sowie am 12. und 13. August findet jeweils ab 16.30 Uhr das Spektakel "Un Paso honroso - ein ehrenvoller Gang" statt. Gezeigt wird ein authentischer Ritterkampf zu Pferd mit ungeschwächten Lanzen.