Die Nachricht kommt nicht überraschend, schön ist sie für die lokalen Politiker aber trotzdem nicht: Das Coburger Land bleibt als Korridor für den Bau einer weiteren Höchstspannungsleitung im Gespräch. Das ist zumindest die Meinung der Netzbetreiber, die am Dienstag ihren Netzentwicklungsplan für das Jahr 2030 vorgestellt haben.
Beschlossene Sache ist der Bau einer weiteren Trasse aber damit noch nicht, erklärt Markus Lieberknecht (Pressesprecher beim Netzbetreiber Tennet) auf Nachfrage: "Wir haben berechnet, dass die Notwendigkeit besteht. Die Entscheidung, ob gebaut wird, fällt bei der Bundesnetzagentur."
Und da haben die Politiker (aber auch die Menschen) des Coburger Landes die Möglichkeit, bei der Entscheidungsfindung mitzuwirken. Seit gestern läuft das sogenannte Konsultationsverfahren, bei dem jedermann seine Bedenken und Anregungen zum Netzentwicklungsplan abgeben kann. Die Netzbetreiber versichern auf ihrer gemeinsamen Homepage: "Alle fristgerecht eingereichten Stellungnahmen werden gleichermaßen berücksichtigt und bearbeitet. Die eingegangenen Stellungnahmen werden im nächsten Schritt von den vier Übertragungsnetzbetreibern kategorisiert und geprüft." Die Stellungnahmen können per Post oder auch über ein Formular im Internet abgegeben werden.
Man muss allerdings schon ein bisschen suchen, um in den insgesamt fast 700 Seiten starken zweiteiligen Unterlagen zum Netzentwicklungsplan die für das Coburger Land relevanten Projekte zu finden. Diese heißen P 44 und P 44 mod, wobei Tennet schon im ersten Satz klarstellt, dass beide Trassenvarianten alternativ zueinander zu sehen sind. Im Klartext: Das Unternehmen braucht nur eine der beiden Trassen. Es diene der Erhöhung der Übertragungskapazität zwischen Bayern und Thüringen, heißt es im Netzentwicklungsplan.
Eine gewisse Prioritätensetzung wird aus den Unterlagen der Netzbetreiber auch schon deutlich - aber das ist nicht neu. Tennet kommunizierte schon im vergangenen Jahr, dass es aus elektrotechnischer Sicht die sinnvollste Lösung wäre, eine neue Trasse zwischen dem feststehenden Übergabepunkt bei Schalkau und dem stillgelegten Kraftwerk bei Grafenrheinfeld zu bauen. Deshalb steht diese Leitung unter dem Titel P 44 auch im Netzentwicklungsplan. Gleiches gilt zwar auch für die Variante P 44 mod. (Verstärkung/Ausbau der bestehenden Leitung von Schalkau bis nach Redwitz), aber dort fehlt der "Steckbrief" mit weiteren Informationen. Als eine Art "Abstufung" für die P 44 mod. könnte man dies schon sehen, bestätigte Markus Lieberknecht die Tageblatt-Informationen, dass diese Variante noch nicht über eine grobe Vorplanung hinaus gekommen ist.
Völlig außen vor im Netzentwicklungsplan ist der vom Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach (CSU) ins Gespräch gebrachte Vorschlag, auf sämtliche Varianten von P 44 zu verzichten und stattdessen die Leitung zwischen Remptendorf (Thüringen) und Redwitz zu verstärken und den Strom von dort aus über Würgau und das Maintal nach Grafenrheinfeld zu leiten. "Diese Möglichkeit steht nicht drin", erklärte Lieberknecht, der sie damit aber nicht gleich pauschal in den Reißwolf stecken wollte. Im derzeit laufenden Konsultationsverfahren, versicherte der Pressesprecher, könne die von Hans Michelbach angedachte Alternativlösung noch nachträglich eingebracht werden.