Die gebürtige Berlinerin Isabell Serauky ist am Freitag mit dem erstmals verliehenen Drehbuchpreis der Stadt Coburg ausgezeichnet worden. Die Vergabe des mit 10.000 Euro dotierten Preises fand im Rahmen eines Empfangs des Filmfernsehfonds Bayern (FFF) am Rande der 49. Hofer Filmtage statt. "Theo & Max" heißt Seraukys Konzept für den Pilotfilm einer TV-Serie, die in Coburg spielen und auf heintere Art und Weise die Liebesgeschichte eines evangelischen Pfarrers und eines atheistischen Psychotherapeuten erzählen könnte.

Michael Böhm vom Stadtmarketing Coburg ist so etwas wie der "Erfinder" des Coburger Drehbuchpreises. "Wir wollten etwas in der Filmemacher-Szene platzieren, was auf unsere Stadt hinweist", sagte Böhm nach der Preisverleihung. Dies sei gelungen, zeigte sich Böhm überzeugt. Er habe bei Veranstaltungen den Eindruck gewonnen, dass sich in der Film-Branche das Engagement der Stadt Coburg für den Drehbuchpreis herumgesprochen habe. Genau dies sei auch das Ziel der Aktion gewesen, bestätigte Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) beim FFF-Empfang. "Coburg war alleine schon aufgrund seiner Lage im Grenzland lange Jahre nicht in den Köpfen", sagte Weber bei der Veranstaltung in der Hofer Hochschule.


Bloß nicht übertreiben

Davon auszugehen, dass Coburg nach dem Drehbuchpreis zur gefragten Location wird oder gar eine eigene TV-Serie bekommt, wäre allerdings ein bisschen zu euphorisch. Darauf verwies Claudia Gladziejewski, die als Vorsitzende einer fünfköpfigen Jury die Preisträger bekanntgab: "Man sollte da keine übertriebenen Hoffnungen haben." Aber immerhin liege nun ein Drehbuch-Entwurf auf dem Tisch.

Für ihre Geschichte war Isabell Serauky im Juni eine Woche nach Coburg eingeladen, um sich die potenzielle Location für ihre TV-Produktion anzuschauen. Ein Besuch, der bei der 45-jährigen Drehbuchautorin bleibende Eindrücke hinterließ. "Offene und neugierige Menschen mit Stolz auf ihre Geschichte" habe sie dort kennengelernt, berichtete Serauky, die bis zum vergangenen Jahr als Medien-Rechtsanwältin arbeitete und jetzt ein "zweites Leben" als Drehbuchautorin in Angriff genommen hat.


Es kann schon funktionieren

FFF-Geschäftsführer Klaus Schaefer freute sich, dass es - nicht zum ersten Mal - gelungen sei, unter Vermittlung des FFF die Kreativen aus dem Ballungszentrum München mit einer eher ländlichen Region in Bayern zusammen zu bringen. Klar, eine Garantie für eine verstärkte Wahrnehmung des Coburger Landes in der Branche sei auch ein Drehbuchpreis nicht. Aber, ergänzte Schaefer: "Es ist eine von vielen Maßnahmen, die funktionieren können."

Wie es nun mit ihre und dem prämierten Drehbuch weitergeht, vermochte Isabell Serauky nicht zu prognostizieren. Dass mit Claudia Gladziejewski die Leiterin der Redaktion "Kurzfilm und Debut" des Bayerischen Rundfunks mit in der Jury saß, kann sicherlich hilfreich sei. Aber Serauky darf und will ihr Drehbuch natürlich auch anderen Sendern anbieten.


Weitere Informationen rund um den Coburger Drehbuchpreis

Jury: Sie bestand aus Dr. Claudia Gladziejewski (BR/ Redaktion Kurzfilm und Debüt); Uli Putz (Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion); Matthias Kiefersauer (Regisseur); Maggie Peren (Drehbuchautorin und Regisseurin); Lisa Giehl, FFF Bayern, Drehbuch und Projektentwicklung.
Teilnehmer Insgesamt wurden 40 Drehbuch-Vorentwürfe (Treatments) eingereicht, darunter waren nach Angaben von Michael Böhm fünf aus Coburg. Die drei besten Entwürfe wurde vom Stadtmarketing im Juni für eine Woche nach Coburg eingeladen.

Preisträger: Neben Isabell Serauky (1. Preis, 10.000 Euro) wurden Susanne Finkens Samba-Komödie "Bem-Vindo a Coburg" (2. Platz, 3000 Euro) und Tilman Brauns Krimi "Bratwurst-Klaus" (3. Platz, 2000 Euro) ausgezeichnet.

Vorbilder: Drehbuchpreise, die von Kommunen ausgeschrieben werden, können durchaus in Filmprojekte münden. 2003 veranstaltete der Filmfernsehfonds Bayern gemeinsam mit Garmisch-Partenkirchen einen Drehbuchwettwerb. Aus diesem Projekt heraus entwickelte sich der Kino-Erfolg "Schwere Jungs".

Zukunft: Wenn es nach Michael Böhm gehen würde, hätten die oberfränkischen Städte Bamberg, Coburg und Hof als "Dreigestirn" durchaus das Potenzial, um einen kleinen Gegenpol zum Kino-Ballungsraum München zu bilden. Dafür brauche es aber eine koordinierende Stelle, die sich derzeit aber wohl keine der drei Städte leisten könne.