92 akademische Landsmannschaften und Turnerschaften bilden den Coburger Convent (CC), der sich heuer zu seinem 148. Pfingstkongress trifft. Ali-Ottmar Mahdi, Vorsitzer der Altherrenvereinigung AHCC, nutzte den Stadtempfang am Freitagabend, um den Gästen einige Einblicke ins aktuelle Verbandsleben zu gewähren.

Die Verbindungen im CC verzeichnen wieder Zulauf: 1638 Aktive sind es nun, 46 mehr als im Vorjahr. Dazu hat die Coburger Franco Borussia beigetragen, die im Vorjahr zur Bewährung aufgenommen wurde. Nachdem sie die geforderten neun Mensuren gefochten hat - alle Verbindungen im Coburger Convent sind pflichtschlagend - dürfte die endgültige Aufnahme während des Kongresses am Samstag eine reine Formsache sein, sagt Mahdi.

Es seien gerade die pflichtschlagenden Verbände, die für junge Leute attraktiv seien, mit dem Lebensbundprinzip und dem Verbandsleben auf den Häusern, wo die Mitglieder günstig wohnen können. Aber auch Angebote wie die CC-Akademie machen die Verbände für Studierende attraktiv, die zudem wegen G8 und Wegfall der Wehrpflicht jünger werden: "Wir haben Minderjährige, auf die wir abends am Tresen aufpassen müssen - aber wir machen zum Ende des Studiums auch Druck, dass es einen ordentlichen Abschluss gibt", sagte Mahdi.
Die Landsmannschaften und Turnerschaften seien weder konfessionell noch an eine politische Richtung gebunden, betonte er. "Deswegen verstehen wird die Demonstrationen gegen den CC nicht, weil wir uns in den Angriffen nicht wiederfinden: Rassistisch? Homophob? Das sollen wir sein?"

Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), der der Tradition gemäß zum Empfang geladen hatte, griff das Motto der präsidierenden Landsmannschaft Rhenania Münster auf: "Fördert Wissen - fordert Handeln - wertvoll für die Gesellschaft". Bei der Förderung von Wissen sei Coburg schon immer voraus gewesen. Was das Handeln angehe, so sei Eintreten für die Demokratie gefordert: "Die Gegner unserer verfassungsmäßigen Ordnung, die eine andere Republik haben wollen, gehen nicht nur um die Rathäuser und Landtage, nein, sie sitzen teilweise schon drin!"

Zum Stadtempfang gehört die Ehrung eines Bundesbruders der Präsidierenden, in diesem Jahr Ernst Wilhem Merg, der nicht nur seit 1966 nach Coburg zum Pfingstkongress kommt, wenn es ihm der Dienst erlaubt, sondern auch die Veranstaltungen der Rhenania mit seiner "Biermusik" begleitet.

Hans-Georg Schollmeyer, Kongressbeauftragter des CC, würdigte Herbert Lentz, Zeltverleiher aus Lautertal, der seit über 30 Jahren das Zelt für den Festkommers am Anger aufstellt, "für den besten und schönsten Kommers" eines Dachverbands. Lentz erhielt den Ehrenteller des CC. Auch der OB geht bei Schollmeyer nie leer aus. Tessmer erhielt ein paar Jesuslatschen in Größe 45, weil er - angeblich - gesagt haben soll "bin ich Jesus?". Tessmer hatte umgehend dementiert, dass er einen ratsuchenden Arzt so angeredet habe, dessen Praxis ausgebrannt war.

"Ich muss meine Bewunderung ausdrücken für die Coburger Gymnasien", sagte Tobias Kretschmer, Leiter der CC-Akademie. Er überreichte in diesem Jahr die Schecks an die vier Stipendiaten, die von den vier Gymnasien vorgeschlagen werden. "Alljährlich versorgen sie uns mit würdigen Kandidaten." In diesem Jahr waren es Michael Frank (Ernestinum), Henrick Letzer (Albertinum), Lilli Reißenweber (Alexandrinum) und Alexander Thornloe (Casimirianum). Thornloe sprach die Dankesworte im Namen der vier; Henrik Letzer begeisterte das Publikum im Rathaussaal mit seinem Akkordeonspiel, für das er schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Begeisterten Beifall erhielt aber auch die Duke Casimir Swing College Band unter der Leitung von Hans-Jürgen Hofmann.