Die Entwicklung des Güterbahnhof-Areals, die Bebauung des Brockardt- und des Brauhof-Geländes, die beide seit Jahren brach gelegen hatten, die Ansiedlung des Media-Markts auf der Lauterer Höhe oder auch der Bau des neuen Einkaufszentrums in der Callenberger Straße (Sagasser): Birgit Weber zählte in ihrem Bericht bei der Kreismitgliederversammlung der Coburger CSU zahlreiche Themen der Stadtpolitik auf, in denen es nun endlich vorwärts gehe.

Ideen und Visionen umsetzen

Die Parteivorsitzende kam zu dem Fazit, dass sie seit nunmehr zwölf Monaten als Bau-Bürgermeisterin viele Ideen und Visionen umsetzen könne. "Wir sind eine Realisierungs- und keine Ankündigungspartei", erklärte sie unter dem Beifall der zahlreich erschienenen Mitglieder.

Dass zu dieser Versammlung überhaupt alle Mitglieder kommen konnten, die wollten, lag an einer grundsätzlichen Satzungsänderung der CSU: Demnach dürfen nur noch größere Kreisverbände Delegiertenversammlungen veranstalten - der CSU-Kreisverband Coburg-Stadt mit aktuell 308 Mitgliedern (Tendenz: sinkend) zählt zu den kleineren. Birgit Weber konnte aus der Statistik aber auch Positives herauslesen: Der Frauenanteil liege mit 25 Prozent über dem Landesdurchschnitt (20 Prozent). Sorge bereite, dass lediglich zehn Prozent der Mitglieder unter 35 Jahre alt sind, wohl aber 30 Prozent schon über 70 Jahre.

Stärkste Kraft im Stadtrat

Vor Selbstbewusstsein strotzt die Coburger CSU aber trotzdem. Das liegt zum einen an den von Weber aufgelisteten Erfolgen, zum anderen am Zusammenschluss mit den Jungen Coburgern im Stadtrat. "Dadurch sind wir jetzt die stärkste Fraktion", stellte Weber erfreut fest. Doch nicht nur das: "Wir sind ein tolles Team, und wir stehen einig - das unterscheidet uns zurzeit von anderen Gruppierungen." Das war natürlich eine Anspielung auf die SPD, die vor allem in der Frage um eine Max-Brose-Straße sehr zerstritten ist.

Apropos: Über das Thema Max Brose wurde zwar vor und nach der Versammlung eifrig an den Tischen diskutiert, in der Versammlung selbst wurde es dezent ausgeklammert. Lediglich der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach, der auch dem Stadtrat angehört, ging indirekt darauf ein. So sprach er von "Vorwürfen unter der Gürtellinie", die es derzeit aus vielen Richtungen gegen die Stadträte gebe, und betonte: "Wir handeln nur nach unserem Gewissen und folgen sonst niemandem." Das war eine Botschaft an all jene, die behaupten, der Stadtrat lasse sich letztlich vom Brose-Enkel Michael Stoschek "kaufen".

Für ein Stadtmuseum

Aber auch Birgit Weber kam zumindest noch einmal in die Nähe von Max Brose und Coburgs brauner Vergangenheit. Sie plädierte für ein Stadt- und Industriemuseum im Bereich des ehemaligen Schlachthofs. "Das würde der Stadt gut tun", sagte sie, "denn es gibt einiges, was man aufarbeiten muss."


Neuwahlen


Birgit Weber, die seit 2011 an der Spitze des CSU-Kreisverbands Coburg-Stadt steht, wurde mit 69 von 71 Stimmen als Vorsitzende bestätigt (zwei Stimmzettel waren ungültig). Bei der Wahl ihrer vier Stellvertreter erhielt René Boldt (neu) mit 68 Stimmen das beste Ergebnis. Auf Patrick Löffler (neu) entfielen 67 Stimmen, auf Mathias Zimmer 65 und auf Thomas Bittorf 58. Die bisherigen Stellvertreter Frank Völker und Roland Eibl hatten nicht mehr kandidiert.

Bei der Wahl der übrigen Vorstandsposten wurden jeweils 73 Stimmzettel abgegeben. Schatzmeister bleibt Arndt Schmidt (72 Stimmen), als Schriftführer fungieren auch weiterhin Elisabeth Weber (62) und Michael Schulz (71). Bei der Wahl der Beisitzer gab es neun Kandidaten für acht Posten. Es setzten sich durch: Roland Eibl (69), Jan Pussert (68), Kurt Knoch (62), Anna-Carina Schultheiß (57), Petra Heginger (55), Kerolain Frind (46), Klaus Wünderling (44) und André Linß (41).