Die Landwirtschaft ist sowohl als Lebensmittelproduzent als auch als Energielieferant lebensnotwendig. Das, betonte BBV-Vizepräsident Günther Felßner beim Agrarpolitischen Forum in Coburg, sei nicht nur das neue Selbstbildnis, sondern auch ein Paradigmenwechsel in der Wahrnehmung der Landwirtschaft.
BBV-Kreisobmann Gerhard Ehrlich freute sich über einen voll besetzten Saal im Gustav-Dietrich-Haus. Dem Gastredner, Vizepräsident des BBV und zugleich Bezirkspräsident in Mittelfranken Günther Felßner, gab er eingangs klare Worte mit auf den Weg.

Hohe Flächenverluste

Schutzgebietsausweisungen, Ausgleichsmaßnahmen, Grünes Band und Infrastruktur haben an der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Coburger Land gefressen und tun das weiter. Allein durch Infrastrukturmaßnahmen, so Ehrlich, hätten die Landwirte rund 800 Hektar Nutzfläche verloren. Und bei mittelmäßiger Bodenqualität, klagte er, würde das größte zusammenhängende Biotop mit 43 Hektar auf besten Böden liegen. Man sei zwar gut aufgestellt in der Landwirtschaft des Landkreises, aber man müsse auch jährlich extreme Ertragsunterschiede in Kauf nehmen und fordere vor allem, übertriebene Naturschutzgebote zu relativieren. Schließlich sei es die Landwirtschaft, die nicht nur Nahrungsmittel und Energie produziere, sondern auch weitflächig Kulturlandschaftspflege betreibe.
Günther Felßner schrieb den Bauern im Coburger Land Optimismus ins Buch. Die Landwirtschaft, betonte er, werde immer mehr zur Schlüsselbranche bei der Lösung der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Dabei sprächen die Zahlen für sich: Täglich 250 000 Menschen mehr auf der Erde, der tägliche Verlust an landwirtschaftlicher Nutzfläche in der Größenordnung Deutschlands, zwei Milliarden Menschen, die mit zunehmendem Einkommen auf die Fleisch- und Milchmärkte strömen und dazu die klimatischen Forderungen, 10 bis 15 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche für regenerative Energien zu nutzen.

Gestärktes Image

Das, so Felßner, stärke nicht nur das Image der Landwirtschaft und betonte ihre existenzielle Bedeutung, das müsse sich auch in den Preisen auswirken. Zweifellos sei Landwirtschaft eine open-Air-Veranstaltung und stehe im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Doch die Regale in den Supermärkten würden sich auch nicht automatisch füllen. Mit der gemeinsamen Agrarpolitik in Europa, forderte Felßner, müssten die Rahmenbedingungen gestellt werden, 2014 bis 2020 stehen diese Rahmenbedingungen neu zur Disposition. Das Ziel des Bayerischen Bauernverbandes liege darin, im Wettbewerb die Wertschöpfung pro Hektar Fläche zu steigern und das sowohl nachhaltig, als auch anerkannt. "Es geht um die Veredlung, und das bei der Nahrungsmittel- und bei der Energieproduktion." Beide Standbeine müssten sinnvoll verknüpft werden und ohne Neid unter den Landwirten. Solidarität sei angesagt: "Bauern, geht's fair miteinander um!"

Ende der Milchquote

Dass die Milchquote tot ist, so der gehandelte Milch-Präsident im Bauernverband, bedeute einen freieren Markt. Die Entwicklung der Milchwirtschaft gehe zu Betriebsgrößen von 500 bis 1200 Kühen. Aber: Ohne Milchqoute bei freien Märkten wird die Politik wichtig, weil es Erwartungen an die Landwirte gibt, die zu erfüllen sind. Und, so Felßner, die Bauern müssten bei niedrigen Preisen nicht unbedingt Milch produzieren. Es gebe Alternativen: Statt Milch Weizen, statt Milch Mais oder statt Milch eben Energie. Eine noch schwierige Phase räumte Felßner den Ferkelproduzenten ein. Deshalb sei auch die Reglung um die Ferkelkastration überlebenswichtig, auch für Schweinemastbetriebe. 30 Prozent der Zuchtsauenproduktion würden ihren Betrieb aufgeben müssen. Mit einer Postkartenaktion hatte der Bauernverband darauf hingewiesen und zumindest erreicht, dass ab 2018 "Ferkel unter Ausschaltung des Schmerzempfindens" kastriert werden können. Das, so Felßner, sei der richtige Weg, und damit könnten die Bauern leben.

Bayerische Musterknaben

Beim Greening, das Aufnahme in der gemeinsamen Agrarpolitik finden soll, forderte Felßner, das Gebiete, die grün sind - kleine Höfe oder Biobetriebe - von den Auflagen befreit werden müssen. "Noch grüner kann man nicht werden, und das betrifft die Bayerische Landwirtschaft überhaupt. In Bayern sind wir die Musterknaben." Darüber hinaus seien Stilllegungsforderungen "schwachsinnig", weil jede Flächenstilllegung hierzulande die Abholzung des Regenwaldes fördert". Ob die Bauern das Energieproblem der Zukunft lösen, daran zweifelt Herbert Baum, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Milchwerke Oberfranken-West.
Wenn eine Speichermöglichkeit für Strom gefunden wird, sei Biogas out. Biogas, so Felßner, sei eine Übergangstechnologie, die den Bauern jetzt ein wirtschaftliches Standbein gibt. Diskutiert wurden aber vor allem auch die Naturschutzforderungen.

Mitmach-Verband schaffen

Eines steht für Günther Felßner fest: Er will den Bauernverband zu einem Mitmach-Verband entwickeln, in dem die Mitglieder mitmachen und der selbst in der Politik mitmacht. Diese Erwartung hat er an die Basis, und darum macht er auch keinen Hehl. gb