Die Ereignisse in Köln in der Silvesternacht haben die Probleme, mit denen Frauen weltweit und auch hierzulande zu kämpfen haben, wieder in den Vordergrund gerückt. Schon seit dem Jahr 2012 macht die Initiative "One Billion Rising" der amerikanischen Künstlerin und Feministin Eve Ensler auf Gewalt gegen Frauen und fehlende Gleichberechtigung aufmerksam. Die weltweit geplante Flashmob-Aktion soll am Sonntag, 14. Februar, auch in Coburg stattfinden, organisiert von Studentinnen der Hochschule Coburg.

Franziska Fischer (20), Charlotte Hanisch (19), Linda Hampel (20) und Lisa Kühn (23) möchten ein öffentliches Zeichen setzen, um die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung zu wecken. Viele Frauen erzählen aus Scham niemandem davon, wenn sie Gewalt erfahren. Laut Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation WHO erlebt weltweit jede dritte Frau mindestens einmal im Leben Formen von physischer, psychischer oder struktureller Gewalt. Selbst in Europa seien davon mehr als ein Viertel betroffen.

Auf die Thematik sind die jungen Frauen durch das Projekt "Coburger Weg" an ihrer Hochschule gekommen, betreut von ihren Dozentinnen Christina von Obstfelder und Elke Schwinger. Das interdisziplinäre Seminar beschäftigt sich mit Gleichstellung in Beruf und Bildung. Konzentriert haben sie sich vor allem auf den Unterschied der gesellschaftlichen Stellung der Frauen in Deutschland und Indien. "Wir haben vorher viel recherchiert, Theoretisches gesammelt und uns auf die verschiedenen Gewaltformen spezialisiert. Außerdem haben wir uns die rechtliche Lage angeschaut", erläutert Franziska Fischer die Vorarbeit.

In Indien sei die Gefahr für Frauen wesentlich höher als in Deutschland; dazu herrsche dort eine etwas speziellere Lage, erklärt Linda Hampel. "Indien ist mehr oder weniger ein gespaltenes Land. In den Städten gibt es neue Entwicklungen mit Frauen in Führungspositionen - aber in den ländlichen Gebieten besitzt die Frau so gut wie keine Stellung in der Gesellschaft." Ihr ganzes Leben lang seien sie von ihren Männern, Vätern oder Brüdern abhängig. Erschreckend ist auch die gezielte Abtreibung von weiblichen Föten. Drei bis vier Millionen jährlich sollen laut einem Bericht der Bundesanstalt für politische Bildung aus dem Jahr 2014 dieser Praxis zum Opfer fallen. Schuld daran sei das dort vorherrschende Mitgiftsystem, in dem die Familie dem Bräutigam oft horrende Summen für ihre Tochter zahlen muss, um sie zu verheiraten. Zuletzt rückte das Land auch wegen zahlreicher Gruppenvergewaltigungen in den öffentlichen Fokus.


Strafen nicht hoch genug?

In Deutschland hingegen sei die Situation entspannter. Müsste sich dennoch auch hier einiges in dieser Hinsicht tun? "Bis Silvester hätte ich gesagt, dass sich nichts ändern müsste in Bezug auf Gewalt oder das Frauenbild", gibt Linda Hampel zu.

"Anscheinend sind die Strafen in Deutschland immer noch nicht hoch genug für solche Taten, damit sich jemand davon abhalten ließe", fügt Charlotte Hanisch an. Es mache ihr schon Angst, wenn sie mal nachts alleine unterwegs ist.

In Coburg hält sich das für die Vier aber in Grenzen: "Ich kenne meine Strecken, die ich laufen kann und die ich meiden sollte", sagt Franziska Fischer. Am liebsten wäre es ihnen, mit dem Flashmob auch Politiker zum Umdenken zu bewegen. Hauptsächlich will man aber die betroffenen Frauen stärken und sie ermutigen, dagegen vorzugehen, anstatt sich zu verstecken.

Um 15 Uhr beginnt am 14. Februar die Aktion am Albertsplatz. Zunächst soll ein Tanz aufgeführt werden, der auf jedem dieser Events auf der Welt gleich getanzt wird, mit einem eigens für die Kampagne komponierten Lied. Geplant ist auch ein Vortrag der Gleichstellungsbeauftragten Susanne Müller. Danach hoffen die Frauen, dass viele Leute sich ihrem Tanz anschließen und so für mehr Aufmerksamkeit sorgen.