Das Kinopublikum ist keine kalkulierbare Menschenmasse, die man bundesweit über einen Kamm scheren kann. Das zeigt die Jahresbilanz von "Utopolis"-Chef Oskar Heublein wieder einmal deutlich. Dort steht mit "Willkommen bei den Hartmanns" auf Platz 2 der lokalen Charts - und damit deutlich besser als in der gesamtdeutschen Bilanz. Heublein überrascht das nicht: "Wenn deutsche Komödien gut gemacht sind, dann liegen sie bei uns immer über dem Durchschnitt."


Fantasy-Prügelei mit Augenzwinkern serviert

Aber es geht auch andersrum. Oskar Heublein bekommt selten ein gutes Gefühl, wenn im Laufe des Jahres "eine dieser zahllosen US-Comicverfilmungen" (O-Ton Heublein) in die Kinos kommt. Diese laufen in Deutschland generell lange nicht so gut wie in den USA - und in Coburg noch einmal eine Spur schlechter als im Rest Deutschlands. Aber: Keine Regel ohne Ausnahme, denn "Deadpool" war eine Comicverfilmung und dennoch erfolgreich. Wohl aber auch deshalb, weil die Fantasy-Prügelei sehr augenzwinkernd mit der Flut an Marvel-Superhelden umgeht.


"Ein Nummer gemütlicher als das Superjahr 2015"

In der Gesamtsicht auf das Jahr traf aber auch in Coburg das ein, was sich unter Kinobesitzern als geflügelter Spruch etabliert hat: Ein Jahr mit Fußball-WM oder Fußball-EM wird nie ein gutes Jahr. Oder, wie es Oskar Heublein formuliert: "2016 war eine Nummer gemütlicher als das Superjahr 2015." Es kann halt nicht alle Tage so grandiose Publikumserfolge wie den zweiten Teil von "Fack ju Göthe" oder die Rückkehr der echten "Star Wars"-Helden geben.


"Saphirblau" mit lokalem Bezug

Nicht in die Top-Ten hat es der einzige Film mit lokalem Bezug nach Coburg geschafft: "Saphirblau", der letzte Teil der erfolgreichen "Edelstein"-Trilogie aus der Feder von Kerstin Gier blieb am Ende ein bisschen hinter den Erwartungen zurück. Deutschlandweit auf jeden Fall, im "Utopolis" lief das Fantasy-Abenteuer für Teenager wenigstens noch "ordentlich", sagt Heublein. "Smaragdgrün" als Teil II sei allerdings eher noch "sehr gut" gelaufen.


Animationsfilme sehr erfolgreich

Zu einer Konstante haben sich im sonst eher schwer kalkulierbaren Kinogeschäft die Animationsfilme entwickelt. So viele Besucher wie "Pets" hatte 2016 kein anderer Film in Coburg, im kommenden Jahr werden die Kultfigur "Gru" ("Ich - einfach unverbesserlich") oder die in Deutschland produzierte "Häschenschule" sicher auch weit vorne landen.


Das liegt nicht zuletzt daran, dass Animationsfilme meist in 3 D in die Kinos kommen. "Das gehört inzwischen zum Standard", kennt Heublein die Vorlieben des Publikums. Bei Realfilmen habe sich die anfängliche 3 D-Hysterie hingegen ein bisschen gelegt. Weil 3 D aber auch künftig ein wichtiger (Erfolgs-)Faktor sein wird, hat das Coburger "Utopolis" inzwischen die Möglichkeit, fünf der neun Kinos mit dreidimensionalen Bildern zu bespielen.


Am Ende wartet "Star Wars VIII"

"1000 gute Filme und kein Fußballturnier" - das erwartet Oskar Heublein vom Jahr 2017. Der Blick auf die Starttermine lässt einige Blockbuster erahnen: Schon am 9. Februar startet der zweite Teil von "50 Shades of Grey", der Film dürfte angesichts der enormen medialen Aufmerksamkeit für die vermeintlichen skandalösen Romanvorlagen genau so ein Selbstläufer werden wie der fünfte Teil von "Pirates of the Caribbean" (Bundesstart: 25. Mai), bei dem weder Johnny Depp noch Geoffrey Rush fehlen dürfen. Und ganz am Ende wartet dann noch der achte Teil von "Star Wars" - ein sicherer Publikumsmagnet.


Und was macht der deutsche Film? Eine TV-Kultserie wie "Timm Thaler" zu verfilmen, ist nicht ganz risikolos. Gleiches gilt für den Versuch von Michael "Bully" Herbig, die "Bullyparade" (20. Juli) fürs Kino wiederzubeleben. Immerhin ist es Herbig dabei gelungen, seine bewährten Mitstreiter - Rick Kavanian und Christian Tramitz - mit an Bord zu holen.