Drei Orgelkoonzerte und eiin Chorkonzert umfasst die Reihe "Coburgs Reger Herbst" im Oktober. Außerdem erklingt Regers HHebbel-Requiem am 20. November gemeinsam mit Brahms "ein deutsches Requiem". Zum Auftakt des Reger-Herbstes gastiert am Sonntag der ORganist Gerhard Weinberger in St. Moriz.

Max Reger gilt als einer der wichtigsten deutschen Komponisten an der Wende des 19. Zum 20. Jahrhundert. Außer Opern hat Reger Kompositionen in fast allen Genres geschaffen - von der Kammermusik über Lieder und Orchesterwerke bis hin zu geistlicher Musik, die einen Schwerpunkt seines Schaffens bildete. Trotzdem stehen seine Werke nicht allzu häufig auf den Konzertprogrammen. Woran liegt das?
Peter Stenglein: Max Reger steht als Komponist gleichsam zwischen den Welten. Seine Musik ist einerseits sehr an historischen Vorbildern orientiert - man denke nur an seine tiefe Ehrung des Komponisten Johann Sebastian Bach. Kein Komponist seiner Zeit hat beispielsweise so viele Fugen geschrieben. Andererseits stößt Regers Musik an die tonalen Grenzen. Die Vollchromatik der ausgehenden Romantik konnte kaum weiterentwickelt werden. Reger bedient sich dabei einer großen Tonfülle, viele Werke ufern regelrecht aus. Gleichzeitig schreibt er so zarte und zerbrechliche Töne, die richtig unter die Haut gehen. An diesen vielen Facetten der Regerschen Musik scheiden sich von Beginn an die Geister. Igor Strawinsky äußert sich im Jahr 1957 so "Ich erinnere mich auch, Max Reger in diesen Jahren getroffen zu haben [ ... ] Ich fand ihn ebenso abstoßend wie seine Musik." Dagegen bekennt Paul Hindemith: Max Reger war der letzte Riese in der Musik. Ich bin ohne ihn gar nicht zu denken". Reger und seine Musik werden aus meiner Sicht gleichsam zerrieben zwischen verschiedenen Strömungen und Richtungen. - Zu unrecht, wie ich finde!

Was ist das Ziel Ihres Coburger Reger-Herbstes?
Das Ziel des Reger-Herbstes ist es zunächst, die Musik dieses teilweise verkannten Komponisten hörbar werden zu lassen. Dabei spielt die Orgelmusik eine besondere Rolle. Es geht aber auch darum, Regers Musik derjenigen anderer Komponisten gegenüber zu stellen. In allen viel Konzerten erklingt ja nicht nur Reger. Vielmehr möchte ich deutlich machen, welche musikalischen Spuren zu Reger hinführen - und wie die Musik nach Reger weiter geht.

Sie spielen das vierte Konzert des Coburger Reger-Herbstes an der Schuke-Orgel. Aus der Sicht des Organisten: Wie erleben Sie Regers Musik? Welche technischen Anforderungen stellt Reger an Interpreten und Instrumente?
Regers Musik stellt einige Anforderungen an das Instrument, aber auch an den Organisten und nicht zuletzt auch an den Hörer. Reger verstand die Orgel als Orchesterinstrument, das von den zartesten und leisesten Tönen bis hin zum Fortissimo die ganze Bandbreite von Farben und Lautstärke abdecken kann. Die Musik kann aufbrausen und im nächsten Moment ins Pianissimo fallen. Vieles erklingt kaleidoskopartig aneinandergereiht. Da hilft es, wenn dem Werk eine Liedmelodie zugrunde liegt. In meinem Konzert am 30. Oktober ist das die Luthermelodie "Ein feste Burg ist unser Gott". Reger vertont die vier Strophen des Liedes und hält sich dabei streng an des Text. "Und wenn die Welt voll Teufel wär" - da muss man als Organist richtig arbeiten! Ich stelle diesem Werk unter anderem ein großes Orgelwerk von Felix Mendelssohn Bartoldy gegenüber: Seine Sonate d-Moll "Vater unser im ´Himmelreich", die ja auch auf einem Lutherlied basiert. Es ist sicher interessant zu hören, wie sich die Musik dieser beiden Komponisten unterscheidet - und wo auch Parallelen liegen.

Regers Hebbel-Requiem, das am 20. November erklingt, fußt nicht auf dem tradierten lateinischen Requiem-Text, sondern auf Versen von Friedrich Hebbel. Was zeichnet Regers Musik in dieser speziellen Totenmesse aus? Inwiefern unterscheidet sich das Werk von anderen Requiem-Vertonungen?
Der größte Unterschied zu anderen Requien ist sicher, dass es sich eben nicht um eine lateinische Totenmesse handelt, sondern dass Reger seiner Komposition ein Gedicht des Dramatikers Friedrich Hebbel zugrunde legt. Es ist eine von der zeitlichen Dimension knapp bemessene Komposition, die Aufführungsdauer beträgt etwa 18 Minuten. Vom musikalischen Gehalt aber ist es ein "echter Reger" mit seinen oben beschriebenen Extremen. Reger schrieb das Werk im Jahr 1915, der erste Weltkrieg war mitten im Gange! Im Originaltitel heißt es: "Dem Andenken der im großen Kriege gefallenen Helden." Welchen Sinn hat denn der Tod, zumal der Tod von Soldaten, wenn nicht wenigstens die Erinnerung an die Toten wachgehalten wird.
Und vielleicht wollte Reger mit diesem Stück, das beginnt mit der Textzeile: "Seele, vergiss sie nicht, vergiss nicht die Toten", sich selbst bei den Lebenden in Erinnerung bringen. Nicht wenige Musikwissenschaftler sind der Meinung, dass Reger damit zumindest ein Stück weit auch sich selbst und vor allem seine Musik meint.
Welche Erinnerung haben Sie ganz persönlicch an Ihre erste Begegnung mit der Musik von Max Reger?
Meine ersten Begegnungen mit der Musik Regers waren an der Orgel: Im Leistungskurs Musik spielte ich meine ersten Regers tücke, ich erinnere mich, dass ich erst langsam einen Zugang finden konnte, dass aber dann eine richtige Sogwirkung eingesetzt hat. Je mehr Zeit ich mit dieser Musik verbracht habe, umso mehr hat sie mich in ihren Bann gezogen. Als Student im ersten oder zweiten Semester besuchte ich einen Orgelkurs - übrigens bei Professor Gerhard Weinberger, meinem späteren Lehrer, der ja den Reger-Herbst am 16. Oktober eröffnet. Das war sicher ein Schlüsselerlebnis.



Reger Herbst in Coburg: Termine und Interpreten



Sonntag, 16. Oktober Gerhard Weinberger (Orgel) - 17 Uhr

Sonntag, 23. Oktober Matthias Neumann (Orgel) - 17 Uhr
Mittwoch, 26. Oktober Lankwitzer Vokalensemble Berlin - 19.30 Uhr

Sonntag, 30. Oktober Peter Stenglein (Orgel) - 17 Uhr
Sonntag, 20. November Reger "Hebbel-Requiem", Brahms "Ein deutsches Requiem" , Coburger Bachchor, Philharmonisches Orchester, Leitung: Peter Stenglein - 16 Uhr