Die Idee dazu hatte ein Pilger: Peter Martin aus Kleingarnstadt wanderte auf dem Fränkischen Pilgerweg bis Rom. Bei gutem Wetter absolvierte er die zehntägige Alpenetappe zusammen mit einem Bergführer.

Auch sonst läuft der Geschäftsführer der Ebersdorfer Firma Martin Metallverarbeitung die Strecke in Etappen, eine Woche im Frühling, eine im Herbst, anfangs am Wochenende, nun jeden Sonntag. "Wir sind in Coburg losgelaufen und absolvieren jeweils rund 20 Kilometer", erklärt er. Die gut 1200 Kilometer lange Strecke will er auf eigenen Füßen laufen - ohne wie Komiker Hape Kerkeling, der den Jakobsweg im Jahr 2001 erwanderte, den Bus zu nutzen. "Ich freue mich darüber, in aller Ruhe zu laufen und wunderbare Gespräche führen zu dürfen." Auch den Streckenabschnitt des Jakobuswegs Erfurt-Coburg, der von Almerswind über die Rosenau, den Bausenberg und die Veste, dann weiter durch den Hofgarten über den Schlossplatz und die Herrngasse zur Morizkirche führt, ist er bereits gelaufen. Durch Zufall traf Martin im Juni auf diesem Weg auf die Vorstände der Sankt-Jakobus-Bruderschaft in Bamberg, Markus Nägel und Albert Zurek, und legte den Rest des Weges gemeinsam mit ihnen zurück. "Immer wieder trifft man Pilger, die anderen etwas Gutes tun", erzählt Martin. Nahe Forchheim habe ein Pilger gar eine eigene Kapelle errichtet.


Etwas zurückgeben

Diese Aufgeschlossenheit imponierte ihm - und auch er überlegte, wie er der Gesellschaft etwas zurückgeben könne. "Der Jakobsweg führt direkt an der ,Loreley‘ vorbei", sagt er. Das Haus, in dem sich die Coburger Traditionsgaststätte befindet, ist in seinem Besitz.

Als Martin und die Vorstände der Bruderschaft das Lokal erreichten, hatte es noch geschlossen - doch Wirt Jakob Stadlmeyer öffnete nach einem Anruf Martins gerne seine Türen und bot seine Gastfreundschaft an.
Was lag also näher, als bei Stadlmeyer anzufragen, ob das Lokal Rasthaus für müde, hungrige und durstige Pilger werden könne? Und gleichzeitig eine Stempelstelle für den "Sello", den Stempel für den Pilgerausweis? "Stempelstellen befinden sich in der Regel im Pfarramt, den Kirchen oder den Verkehrsämtern", erläutert Albert Zurek. "Viele davon sind allerdings am Sonntag geschlossen."

In Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen - in Coburg ist es der Thüringerwald-Verein - kümmert sich die Pilgerbruderschaft, der 100 Pilgerbrüder angehören, um die Pflege, Erforschung und Dokumentation des Jakobswegs. Seit rund drei Jahren ist auch der Abschnitt nach Coburg mit dabei. "Die Strecke hat viel Natur zu bieten", findet Zweiter Bruderschaftsmeister Zurek, der gerade dabei ist, einen Flyer über den Abschnitt von Almerswind nach Nürnberg zu erstellen. Er erinnert sich an den schönen Blick von der Veste: "Der Weg ist sehr attraktiv." Und beliebt: Immer wieder treffe man hier auf Pilger.

Die Pilgerbruderschaft war sehr angetan von den Vorschlägen Martins. Peter Martin schaltete seinen Marketingchef und Experten für Öffentlichkeitsarbeit, Martin Rohm, ein. Der steuerte für das geplante Faltblatt Fotos bei, die er von Coburgs Sehenswürdigkeiten oder als Wanderer in der Umgebung aufgenommen hat.


Anerkannt und begehrt

Zudem entwarf er eine Willkommenstafel, ein Logo und den Stempel für die Pilgerurkunde. "Der Stempel ist weltweit anerkannt genau nach den Richtlinien der Pilgerschaft", erklärt Wirt Jakob Stadlmeyer, der das Willkommensangebot seit August dieses Jahres im Programm hat. "Ich empfange jeden Pilger persönlich, er bekommt ein günstiges Pilgeressen und darf sich in ein spezielles Gästebuch eintragen." Außerdem schenkt Stadlmeyer ein kostenloses Pilgerbier aus. "Das", lobt Zurek, "habe ich auf meinen Pilgerreisen in ganz Deutschland so noch nirgendwo gesehen."

Natürlich soll damit nicht nur die "Lore", sondern vor allem auch Coburg ein Stückchen weit bekannter gemacht werden. Betriebsleiter Michael Amthor von Tourismus Coburg findet es "super", wenn solche Angebote geschaffen werden, und freut sich über die "Identifikation mit der Stadt". Der Jakobusweg sei - genauso wie der Lutherweg, der ja in Teilabschnitten mit dem Jakobusweg identisch ist -, ein wichtiger Faktor für den Fremdenverkehr. "Das Thema wird bei uns sehr hoch gehalten", erklärt er, "Pilgern liegt im Trend."
Der Weg, der durch das "Wohnzimmer" Coburgs führe, sei einer der schönsten in Deutschland. "Wenn ich den Jakobsweg gehe und auch noch vom Namenspatron, Wirt Jakob (!) Stadlmeyer, einen Stempel bekomme - besser geht es doch gar nicht", findet Peter Martin, der leidenschaftliche Pilger.