Max Brückner braucht dringend eine Frischzellenkur. Das Gemälde, das den später international erfolgreichen Coburger Theatermaler im Alter von 18 Jahren zeigt, ist schwer mitgenommen und muss restauriert werden. In der Sonderausstellung "Vorhang auf!", die im Coburger Puppenmuseum an die Malerfamilie Brückner erinnert, ist deshalb nur eine Reproduktion zu sehen. "Wir würden uns sehr über Restaurierungspaten freuen", sagt Johanna Rosenzweig. Als Volontärin im Puppenmuseum hat die gebürtige Lichtenfelserin, die in Bamberg Kunstgeschichte studierte, die Schau konzipiert, die am Sonntag eröffnet wird.


Romantische Landschaften

Restaurierungsbedürftig - das gilt freilich nicht nur für das Portraitbild Brückners, das Erhardt Koenig 1854 geschaffen hat. Das gilt vielmehr für die Wahrnehmung der Theatermalerfamilie Brückner ganz grundsätzlich. Dass die Brückners mit ihrem Atelier seit den 1870er Jahren großes Ansehen erlangten und zu den bevorzugten Bühnenbildnern Richard Wagners wurden, ist Kennern natürlich bekannt.


Aber im öffentlichen Bewusstsein ihrer Heimatstadt Coburg sind Heinrich Brückner und seine Söhne Max und Gotthold nicht allzu sehr präsent. In der Ketschengasse erinnert eine Gedenktafel an den einstigen Standort des familiären Hauses. Und in den Treppenhäusern des Landestheaters zeugen großformatige Ölgemälde von der Kunst der Brückners, romantische Landschaften wirkungsvoll in Szene zu setzen. Diese idealisierenden Landschaftsdarstellungen waren einst das Markenzeichen der Theatermaler.


Diese Kunst findet sich immer wieder auch in jenen Bühnenbildern der Werkstatt Brückner, die für die Inszenierung von Richard Wagners "Ring des Nibelungen" 1876 in Bayreuth entstanden. In den Städtischen Sammlungen Coburgs schlummern viele Brückner-Gemälde ebenso im Depot wie in den Kunstsammlungen der Veste Coburg, die über einen großen Teil des Brückner-Nachlasses verfügen. "Die Ausstellung bietet endlich die Gelegenheit, ausgewählte Werke aus den Städtischen Sammlungen zu zeigen", freut sich Johanna Rosenzweig: "Ich bin schon sehr gespannt auf die Resonanz beim Publikum. Denn eine derartige Ausstellung gab es im Puppenmuseum bislang noch nie." Den äußeren Auslöser bietet die Neuinszenierung von Richard Wagners "Parsifal", die am 9. April Premiere im Landestheater feiert.


Welt im Miniaturformat

Theatermaler im Puppenmuseum? Diese Kombination klingt im ersten Moment tatsächlich ungewöhnlich. Doch bei genauer Betrachtung gibt es sehr wohl Verbindungslinien. Denn zu den Puppen und den Puppenstuben, die eine Welt im Miniaturformat zeigen, passen die Bühnenbild-Modelle und zugehörigen Entwürfe sehr wohl. Die Städtischen Sammlungen, in denen Johanna Rosenzweig ebenfalls als Volontärin arbeitet, sind in dieser Sonderausstellung mit zahlreichen Exponaten vertreten. Dazu zählen auch kleinformatige Gemälde und Entwürfe ebenso wie eine großformatige Rheingold-Szene in kräftigen Ölfarben.


Weitere Leihgeber sind die Landesbibliothek Coburg sowie die Kunstsammlungen, die einige Bühnenbild-Modelle beisteuern. Das Prunkstück der Schau stammt aus dem Richard-Wagner-Museum Bayreuth. Von dort kommt der Nachbau des Bühnenbild-Modells zur Uraufführung von "Parsifal" 1882 im Festspielhaus.


Coburg-Ansichten

Frühe Zeichnungen von Heinrich Brückner bilden den Ausgangspunkt der sorgfältig zusammengestellten Ausstellung. Den Abschluss der Studio-Präsentation markieren ausgewählte Coburg-Ansichten von Max Brückner. Sie zeigen Schloss Ehrenburg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ebenso wie beispielsweise die Arkaden am Schlossplatz.




Aus dem Leben einer Theatermaler-Familie


Heinrich Brückner, 1805 geboren, legte den Grundstein für den späteren Erfolg seiner Söhne Max und Gotthold. Heinrich Brückner wuchs in sehr armen Verhältnissen auf, wurde schon im Alter von 15 Jahren Vollwaise. Er besuchte ab 1821 die neugegründete Coburger Sonntagsschule und machte schon früh durch sein Zeichentalent auf sich aufmerksam. Mit Spendengeldern wohlhabender Coburger bürger sowie mit Unterstützung von Herzog Ernst I. besuchte er die Akademie der Bildenden Künste in München. Nach seiner Rückkehr nach Coburg und dem Tod von Hofdekorationsmaler Johannes Krüppel bemühte sich Heinrich Brückner um dessen Nachfolge. Schließlich fand er Anstellung als Chorist am damaligen Coburger Hoftheater sowie als Dekorationsmaler.

Max Brückner (Heinrich Maximilian Brückner) wurde als Sohn Heinrich Brückners 1836 geboren. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Gotthold (geboren 1844) fand er als Theatermaler mit eigenem Atelier großer Anerkennung. Im Frühjahr 1872 bezogen die Gebrüder Brückner ihr neu errichtetes Atelier für szenische Bühnenbilder .in Coburg. Aus den Werkstätten der Gebrüder Brückner stammten wichtige Dekorationen für die Bayreuther Festspiele, aber auch für Georg II. von Meiningen und sein Hoftheater. Aber auch nach Zürich, St. Petersburg oder New York lieferten die Brückners Dekorationen. Gotthold Brückner starb im gleichen Jahr wie sein Vater: 1892. Max Brückner überlebte Vater und Bruder um viele Jahre und starb 1919.

Ausstellungs-Tipp "Vorhang auf! - Theaterkulissen der Coburger Malerfamilie Brückner"

Dauer 26. März bis 25. Juni, Dienstag bis Sonntag 11 bis 16 Uhr (ab April täglich 10 bis 16 Uhr)

"Parsifal"-Matinee mit dem Produktionsteam, Sonntag, 26. März, 11 Uhr, Landestheater Coburg, anschließend im Spiegelsaal des Landestheaters Eröffnungsveranstaltung der Brückner-Ausstellung mit abschließender Besichtigung im Puppenmuseum

Lesung mit Fabian Kern "Die Coburger Theatermalerfamilie Brückner und ihre Beziehungen zu den Bayreuther Festspielen", Samstag, 24. Juni, 11 Uhr, Andromedasaal Landesbibliothek Coburg in Schloss Ehrenburg

Geplant ist außerdem eine Führung zu den Wirkungsstätten der Brückners in Coburg.

Kinderprogramm Daneben gibt es ein Kinderprogramm zur Ausstellung "Vorhang auf!"