Zwei Männer des Schläger-Trios vom Steinweg wandern für zwei Jahre und sechs Monate beziehungsweise für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Ein Mitbeschuldigter erhielt eine Bewährungsstrafe verbunden mit einer Reihe von Auflagen.

"Und wieder ging es um eine Steinweg-Schlägerei, die uns leider vorgeführt hat, was passieren kann, wenn man besoffen losgeht. Und wie häufig bei Schlägereien sind die Infos, die wir bekommen, wirr", sagte der Vorsitzende Richter Christoph Gillot. Laut Gillot musste die Erste große Strafkammer am Landgericht die entscheidende Frage klären, ob es sich bei der Tat um versuchten Totschlag oder "nur" um eine fahrlässige Körperverletzung handelt.


"Sie hatten es nicht im Griff"

Gillot: "Wenn die drei nüchtern gewesen wären, hätte ich kein Problem mit dem versuchten Totschlag." Da die Beschuldigten aber tüchtig gebechert hätten und dadurch enthemmt gewesen seien, habe das Gericht keinen Tötungsversuch feststellen können. "Tatsächlich hatten es die Täter nicht im Griff, was passiert", meinte Gillot.

Es war an einem Samstagmorgen im Januar, als es im Eingangsbereich einer Pizzeria zu einem Streit zwischen dem Hauptangeklagten, einem 25-jährigen Maschinenführer, und dem Geschädigten, einem 35-jährigen Lackierer aus dem Landkreis, kam. Die Kammer ist laut Gillot überzeugt davon, dass der 35-Jährige den jüngeren Mann provozierte. "Er sagte, ich nehme deine rothaarige Frau mit nach Hause." Dies habe den stark alkoholisierten 25-Jährigen derart erzürnt, dass er auf den wesentlich größeren und stärkeren Lackierer losging.


14 Trefferspuren am Körper des Opfers

Gemeinsam mit den beiden Mitangeklagten wurde der 35-Jährige in der Folge der Auseindersetzung in eine Nische gedrängt und mit Schlägen und Tritten überall hin traktiert. Insgesamt stellte der Sachverständige 14 Trefferspuren an dem Opfer fest. Der Mann erlitt unter anderem eine stark blutende Platzwunde am Nasenrücken, ein Brillenhämatom mit Einblutung ins Auge, Hautabschürfungen, und er verlor kurzzeitig das Bewusstsein.

Der Hauptangeklagte muss nun wegen gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verbüßen. Bei guter Führung, stellte Gillot in Aussicht, könnte er nach 18 Monaten entlassen werden. Der Mann hatte sich geständig und reuig gezeigt und er ist nicht vorbestraft.


Die Urteile im Einzelnen

Der 23-jährige einschlägig vorbestrafte Maler erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Wegen seines Alkoholproblems wurde er in den geschlossenen Maßregelvollzug überführt.

Als freier Mann durfte ein 25-jähriger Maler den Gerichtssaal verlassen. Seine Strafe von zwei Jahren wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Mann war bis zum Eintreffen des Rettungswagens bei dem Opfer geblieben. Gillot: "Er war der Einzige, der sich gekümmert hat und Verantwortung für seine Tat gezeigt hat." Wegen seines Alkoholproblems muss sich der Maler einer ambulanten Suchttherapie unterziehen. Außerdem bekommt er einen Bewährungshelfer und muss 100 Stunden an gemeinnütziger Arbeit ableisten.

Oberstaatsanwalt Martin Dippold hatte wegen versuchten Totschlags Haftstrafen von drei Jahren und sechs Monaten, beziehungsweise von drei Jahren gefordert. Die Rechtsanwälte Ines Göhring, Albrecht von Imhoff und Andreas Günther plädierten für Bewährungsstrafen.
Letztlich nahmen alle Parteien die Urteile an.