30 Unterschriften habe sie bei Anwohnern der Leopoldstraße und "Kennern des Ortsteils" gesammelt, sagt Ingeborg Bachmann. Sie alle wenden sich gegen einen Neubauriegel mit Tiefgarage und 34 Wohnungen auf einem Grundstück in der Leopoldstraße, das jetzt noch als Parkplatz dient. Der Neubau soll die Umgestaltung des Diakonisch-Sozialen Zentrums am Hofgarten zu Wohnungen ergänzen.

Was Ingeborg Bachmann in diesem Zusammenhang besonders empört, ist die Aussage von Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) vom April, dass sich bei ihm keine Gegner des Projekts gemeldet hätten. "Wie denn auch, wenn das ganze Bauvorhaben nicht öffentlich beschlossen wurde!", schreibt Bachmann in einem offenen Brief an den OB und die Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU). Sie habe die Baureferentin Weber vergeblich um einen Gesprächstermin gebeten, erzählt Ingeborg Bachmann. In ihren Augen verstößt der Neubau gegen den Ensembleschutz, der für einen Teil der Leopoldstraße gilt - unter anderem für das Anwesen des Ehepaars Bachmann, das seit 32 Jahren dort wohnt.

Die Baugenehmigung für das Ensemble erfolgte nichtöffentlich - wegen "vertragstechnischer Fragen", wie Birgit Weber bei der Bekanntgabe des Beschlusses am 15. April sagte. Auch die Entscheidung, das städtische Grundstück des ehemaligen Gefängnisses an die Projekt Bauart Invest zu veräußern, fiel in nichtöffentlicher Sitzung. Das ist bei Grundstücksgeschäften üblich.

Ingeborg Bachmann fürchtet durch den Gebäuderiegel eine "Entwertung unserer Häuser" sowie einen Verlust an Wohnqualität. Denn die Anwohner verlieren die Parkplätze, die sie bislang auf dem Gefängnisgrundstück hatten, und für alle anderen Flächen in der Nähe gibt es Wartelisten. Außerdem werde durch den Gebäuderiegel die Leopoldstraße von der "grünen Lunge" Hofgarten getrennt, macht sie geltend. "Mir war immer klar, dass das ehemalige Gefängnisareal wieder bebaut werden würde, aber ich hatte auf eine angepasste lockere Bauweise in diesem ensemblegeschützten Bereich gehofft", schreibt sie in ihrem offenen Brief.

Thomas Siebenhaar, Geschäftsführer der Bauart Invest, hatte argumentiert, dass die 34 Wohnungen gebaut werden müssten, damit sich die Tiefgarage für die gesamte Wohnanlage rechne. Doch von dieser Tiefgarage fürchtet Ingeborg Bachmann weitere Belastungen, wie sie sagt: "Was, wenn durch die Tiefbauarbeiten unsere Häuser beschädigt werden? Wir haben drei Jahre Baulärm. Und wenn es dort zweigeschossig in den Untergrund geht, müssen ja auch Lastwagen durch die enge Leopoldstraße fahren."

Was mit der Unterschriftenliste geschehen soll, möchte Ingeborg Bachmann noch nicht sagen. Sie habe aber schon von einer Nachbarin gehört, dass sie einen Anwalt für baurechtliche Fragen suche.