An seinem Leben "soll und wird sich nicht viel ändern", sagt Thomas Krämer. Doch der bisherige Chef der Blaskapelle Meeder, Spitzname "Kanter", hat alle erstaunt, als er bekannt gab, sein Amt nach 25 Jahren aufzugeben. Das hat dem Urgestein der Blasmusik in Meeder niemand so recht geglaubt.
Jetzt ist es soweit und Thomas Krämer freut sich darauf, endlich einmal "loslassen und eine Probe einfach so genießen zu können". Immerhin hat es bis zu diesem Loslassen 360 Jahre gedauert. Denn der heute 54-Jährige war im Jahr 1980 zusammen mit rund 15 anderen Musikanten Gründungsmitglied der Blaskapelle und sofort als Notenwart Mitglied des Vorstands. Mit 20 Jahren stieg er zum stellvertretenden Vorsitzenden hinter seinem Mentor Horst Krämer auf und im Jahr 1992 übernahm er schließlich den Chefposten selbst. Seitdem war er im Coburger Land, von Rödental bis Rodach, der Ansprechpartner für Meederer Blasmusik.


Akkordeon war nix

Zur Musik kam "Kanter" nach seiner Konfirmation. Der damalige Singschulleiter Hartmut Korndörfer wollte ihm Akkordeon beibringen. "Das war aber nicht mein Ding", erinnert sich der Musikant. Da kam ihm der damalige Leiter des Meederer Posaunenchors, Horst Krämer, gerade recht. Der sagte: "Du hast breite Lippen, du kannst Tenorhorn spielen!" - was der Vollblutmusikant bis heute gerne tut. Tenorhorn liege ihm schon deshalb, weil er gemeinsam mit anderen Musik machen könne. Thomas Krämer: "Ich bin kein Alleinunterhalter, ich bin ein Rudeltier."


Mehr als ein Musiktalent

Da gehe es ihm in der Musik wie bei seinen anderen Hobbys. Denn der "Kanter", spielt nicht nur Blasmusik, er singt auch leidenschaftlich gern mit anderen zusammen, etwa bei den Sitzungen der Faschingsvereinigung (und wird deswegen sogar die "goldene Stimme aus Meeder" genannt), ist leidenschaftlicher Fußballfan und spielt selbst noch aktiv Tischtennis für seinen TSV.
In seiner Jugendzeit hörte er alles, was in war, T-Rex oder Status Quo zum Beispiel, aber Platten gesammelt hatte er nie und von Blasmusik damals keine Ahnung: "Du wirst doch nicht glauben, dass ich wusste, wer Ernst Mosch ist!" Und ja, das sei schon komisch gewesen, als es mit der Blasmusik losging: "Deine Kumpels kamen als Gäste ins Bierzelt und du hast dort Musik gemacht!" Das mit der Bandbreite seines Musikgeschmacks ist bis heute so geblieben, sagt Thomas Krämer: "Ich höre gern Musik - alles. Von Rex Gildo über Deep Purple bis zu böhmischer Blasmusik."
Dass er jetzt auch mal in der 5. Reihe sitzen will, begründet er mit dem zeitlichen Aufwand für sein Amt. Immerhin sei er seit einigen Jahren selbstständig, aber "ich will nicht sagen, dass mein Job der Auslöser für alles ist".
Dennoch: "Ich werde auch nicht jünger, und bei der Blasmusik stand ich 36 Jahre in oder mit in der Verantwortung. Wenn es junge Leute gibt, die jetzt Verantwortung übernehmen wollen, dann muss man die auch lassen", sagt der frühere Kapellenchef und wünscht seiner Nachfolgerin Lisa Budewitz alles Gute in ihrem neuen Amt.


Jetzt sollen andere ran

Natürlich stehe er bei Fragen weiterhin zur Verfügung, aber auch in der Probe möchte er sich "jetzt einfach nur mal hinsetzen und es genießen, Musikant zu sein". Die Zeit aber, dass andere ihre Ideen einbringen, sei nun reif. Dann könne er sich vielleicht mehr seiner Familie widmen. Immerhin ist der "Kanter" seit einem Jahr auch Großvater.
Dass sich dennoch nicht viel ändern wird an seinem Leben und vor allem vollen Terminkalender, hat seine Frau Monika bereits bemerken können. Zwei Tage nach seinem Rückzug als Chef der Blaskapelle Meeder sprang Thomas Krämer für seine Tischtennis-Kumpels ein und übernahm einen Abenddienst hinter dem Tresen des TSV-Sportheims. Prost, Kanter!