Das Thema Schlossplatz-Tiefgarage gewinnt an Fahrt. Eine Woche nachdem der Unternehmer Michael Stoschek angekündigt hat, eine Million Euro für das Projekt zur Verfügung zu stellen, liegt nun auch ein erster offizieller Stadtratsantrag dazu vor - und zwar ausgerechnet von den Christlich-Sozialen Bürgern (CSB). Diese hatten sich einst unter anderem auch deshalb von der CSU abgespaltet, weil es sehr unterschiedliche Auffassungen zu Michael Stoschek gab. "Wir sind nicht nachtragend", sagt nun der CSB-Fraktionsvorsitzende Christian Müller. Und: "Es ist ja auch eine wirklich gute Idee!"

Konkret beantragen die CSB, dass die Stadtverwaltung beauftragt wird, die Planungen für den Bau einer Schlossplatz-Tiefgarage wieder aufzunehmen. In der Begründung wird sowohl auf den Verkehrsentwicklungsplan als auch auf das Integrierte Stadtentwicklungskonzept verwiesen, wonach ein solches Bauwerk eine "wichtige Rolle für den ruhenden Verkehr in Coburg" spiele. Das Projekt sei ja auch nur deshalb zurückgestellt worden, weil zunächst "Coburgs neuer Süden" verwirklicht werden sollte. Doch dieses Verfahren sei nunmehr eingestellt, weshalb laut Müller jetzt über eine Fortführung des Projekts Schlossplatz-Tiefgarage zu befinden sei. Zumal der Zeitpunkt, wie auch von Michael Stoschek angemerkt, sehr günstig sei, weil ein Bau parallel zur ab 2014 geplanten Generalsanierung des Landestheaters erfolgen könnte.

Der eigentliche Clou des CSB-Antrags besteht aber darin, dass die Coburger Stadtentwicklungsgesellschaft sowohl als Bauherr als auch anschließend als Betreiber auftreten sollte.

Vorteile gegenüber Privatinvestor


Für eine solche Vorgehensweise sprechen laut Müller gleich mehrere Argumente. So habe manch potenzieller privater Investor bereits als Bedingung genannt, künftig auch die drei anderen Parkhäuser in Coburg (Mauer, Post, Zinkenwehr) bewirtschaften zu dürfen. Dies hätte aber wohl zur Folge, dass dort die Parkgebühren deutlich steigen. Kalkulationen gehen, wie Christian Müller sagt, von 3,50 Euro für die erste Stunde aus. "Das wollen wir aber nicht", stellt der CSB-Fraktionsvorsitzende klar und bringt deshalb die Stadtentwicklungsgesellschaft ins Gespräch. Dieses städtische Tochterunternehmen betreibt zurzeit bereits die besagten drei Parkhäuser und könnte doch, so die CSB-Idee, künftig auch noch die Schlossplatz-Tiefgarage mit unter ihre Fittiche nehmen. Damit wäre es auch möglich, ein "akzeptables Preisniveau" zu halten, glaubt Christian Müller.

Aber auch beim eigentlichen Bau hätte es Vorteile, wenn er denn in öffentlicher Hand erfolge, wie Christian Müller zu bedenken gibt. So hätte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer doch erst am vergangenen Freitag bei seinem Coburg-Besuch durchaus angedeutet, dass es wieder Städtebaufördermittel für Coburg geben könnte. Und die könnten doch, so Mülers Idee, dann auch für eine Schlossplatz-Tiefgarage beantragt werden. "Ein privater Investor würde auf keinen Fall etwas bekommen!"

Wirtschaftlich darstellbar?


Bleibt aber noch die Frage, ob die Stadtentwicklungsgesellschaft und damit letztlich die Stadt überhaupt das Geld aufbringen kann (und aufbringen will), um die Tiefgarage selbst zu bauen. Auch hier hat Christian Müller namens der Christlich-Sozialen Bürger eine klare Meinung: "Für ein Projekt wie die Schlossplatz-Tiefgarage würden wir es auch in Kauf nehmen, in eine moderate Verschuldung zu gehen."

Willibald Fehn, Chef der städtischen Wohnbau und auch der ihr angegliederten Stadt entwicklungsgesellschaft, hielt sich am Freitag mit eigenen Kommentierungen zurück. "Das ist alles eine Entscheidung der Politik", sagte er dem Tageblatt und fügte ansonsten lediglich noch ganz grundsätzlich an, dass ein solches Projekt "wirtschaftlich darstellbar" sein müsse. Ansonsten gab er aber zu erkennen: "Wenn die Politik sagt, dass wir das tun sollen, dann können wir das sicher auch tun."