Wer derzeit am Wüstenahorner Wolfgangsee spazieren geht, der darf staunen, sich wundern oder freuen: Aus dem Wasser am Ufer direkt beim Kinder- und Jugendzentrum geben sich ein Angler, viele Enten und sogar ein Delfin ein Stelldichein. Es gibt Schilder, auf denen Aufschriften wie "Weg zum Herzen", "Familie" oder "Liebe" zu lesen sind, Skulpturen, an denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene rund zwei Wochen in den Pfingstferien gearbeitet haben und die nun farbenfroh aus dem Gewässer ragen.

"Da ist ein Fehler auf eurem Plakat, das heißt doch nicht Kunst im See, sondern am See", hatten die Kinder und Jugendlichen zu Gerhard "Haddl" Heinzl und Ingrid Marr gesagt, als sie die Ausschreibung für das Projekt lasen. "Nein, ihr habt schon richtig gelesen. Wir wollen Skulpturen herstellen und sie im See befestigen", hatte Haddl entgegnet und gelacht.

Anregungen von "Coburg ist bunt"

Inspiriert hat ihn und seine Kollegin die Coburger Aktionswoche "Coburg ist bunt": "Da dachten wir uns, unser See auch", erzählt Ingrid Marr. Gesagt, getan: Grünflächenamt und Pächter genehmigten das Projekt, in der Werkstatt wurden Holz, Styroporplatten und Ytong-Steine parat gelegt. "Schon ein paar Wochen vorher haben wir zusammen mit Ingrid und Haddl überlegt, was wir machen wollen", erzählt Anna Pereira (11). Der Angler zum Beispiel sei so entstanden, dass sich jemand auf einen Stuhl gesetzt habe. "Wir haben die Umrisse auf eine Holzplatte gemalt und dann ausgesägt."

Ingrid Marr hebt den experimentellen Charakter des Projekts mit verschiedenen Werkstoffen hervor: "Unter anderem haben wir einen Ball mit Gipsbinden umwickelt und gelb angemalt". Während des Arbeitens fielen Kindern und Pädagogen immer neue Sachen ein, die sie in die Tat umsetzten: "Bei den Schildern haben wir überlegt, was wir empfinden und was wir brauchen, damit jemand zu seinem eigenen Herz kommt", berichtet Anna. Begriffe wie "Gefühle", "Humor" und "Lächeln" wurden sofort auf Schilder geschrieben und diese mit wasserfester Farbe bemalt.

Das war spannend, ob die Figuren im Wasser stehen bleiben

Dann stieg die Spannung: Mit geliehenen Anglerhosen bekleidet, gingen Ingrid Marr und Gerhard Heinzl in den See, um die über Baudraht gezogenen und mit Rasengittersteinen beschwerten Skulpturen zu installieren. Ganz leicht war das nicht: "Ich habe einen Rapunzel-Turm und einen Froschkönig gemacht, aber die sind noch nicht im See, weil sie zu leicht sind", sagt Anna. "Das haben wir erst beim Installieren herausgefunden, wie viel Gewicht wir anbringen müssen, damit die Figuren stehen", sagt Gerhard Heinzl und versenkt einen weiteren Rasengitter-Stein. "Es hat ganz viel Spaß gemacht", rufen Jamal, Leonie, Shaquan, Raheem und Cevat vom Ufer aus, während sie beobachten, wie ihre Häuser, Schilder und Tiere in den See gelassen werden. Sheila Lauenburger geht mit ihrem Baby Reelanah am Ufer spazieren und bestaunt die Emporkömmlinge. Sofort hat sie eine weitere Idee: "Wir könnten doch alle Märchen, die mit Wasser zu tun haben, heraussuchen und lesen", ruft sie begeistert. Und vielleicht wird diese Idee sogar umgesetzt: Die nächsten Ferien kommen bestimmt.