Passt der ganze Richard Wagner in einen einzigen Abend? Natürlich nicht. Ein großer Querschnitt durch das Schaffen des sendungsbewussten Musikdramatikers freilich schon. Bass-Monologe aus Wagners Opern-Werken hatte Michael Lion in den Eröffnungsabend seines eigenen neuen Kultur-Bistros im Rödentaler Stadtteil Rothenhof gepackt.


Klingende Werbung also gleich doppelt in eigener Sache - für den Kulturveranstalter Michael Lion und für den Wagner-Bassisten Michael Lion, der seit vielen Jahren Ensemble-Mitglied des Landestheaters ist, dem Coburger Publikum freilich vornehmlich in komischen Rollen bekannt ist.


So ist Lion in dieser Saison beispielsweise als Sir John Falstaff in Otto Nicolais "Lustigen Weiber von Windsor" und ab Anfang März als Baron Ochs auf Lerchenau im "Rosenkavalier" im Landestheater zu sehen. Ein ganzer Abend mit Bass-Monologen - das klingt wie ein Versuch, wenigstens für gut zwei Stunden die Dominanz der Tenöre zu brechen, für die auf der Opernbühne gewöhnlich der Part der Liebhaber reserviert ist.


Gelungene Premiere

Den tiefen Stimmen bleibt dann zumeist nur die Rolle des gehörnten Ehemanns oder des betrogenen Freundes. Klagende und entsagende Monologe für Bassisten gibt es gar viele in Wagners Musikdramen, dazu festliche Ansprachen wie jene des Landgrafen aus "Tannhäuser", die Lion an den Anfang des Programms gesetzt hatte.
Gurnemanz aus dem "Parsifal", König Marke aus "Tristan und Isolde", Wotan gleich mehrfach aus dem "Ring des Nibelungen" - Michael Lion präsentierte an diesem Abend beachtlich viele Facetten des Bass-Faches.
Kein Regisseur, der den Sänger vielleicht in ein Rollen-Korsett zwingen würde, kein Orchester, das den Solisten in den blechgesättigten Klangfluten ertrinken lassen würde.


Stattdessen Claudio Rizzi als jederzeit ebenso souveränes differenziert agierendes Ein-Mann-Orchester am Klavier - beste Voraussetzungen für einen spannenden Solo-Abend. Während Katrin Lion in ihrer Moderation prägnant und anschaulich jeweils den Handlungsrahmen der Opern skizzierte, ersetzte Lion mit wenigen Requisiten und seiner nuancenreichen Gestaltungskraft das fehlende Bühnenbild.


König Markes Klage über den Verrat Tristans, Wotans melancholisch angehauchter Abschied von Brünnhilde, Hans Sachs als sinnierender Schuster-Poet und seinem Flieder- und dem Wahnmonolog - Lion machte aus jedem dieser Dialoge mit bester Textverständlichkeit, mit fein differenzierter Artikulation und gestischem Nachdruck spannende Szenen.


Reichlich Beifall für einen eindringlichen Solo-Abend und die gelungene Premiere einer neuen Kleinkunstbühne.


Die Künstler des Abends


Michael Lion absolvierte eine breit gefächerte musikalische Ausbildung, bevor er sich für ein Gesangsstudium entschied. Am Nürnberger Meistersingerkonservatorium studierte er Hauptfach Klavier, Nebenfach Saxofon und Wahlfach Dirigieren. 1986 legte er seine Künstlerische Reifeprüfung im Hauptfach Dirigieren mit Zusatzfach Klavier ab. Nach dem Dirigierexamen entschloss er sich auf Anregung seiner späteren Lehrerin Monique Herreman zur Ausbildung zum Solosänger. Seit der Spielzeit 2008/09 ist er am Landestheater Coburg engagiert.

Katrin Lion hat als Schauspielerin mit Gesangsausbildung am Theater Hof und auf der Luisenburg gespielt und war beispielsweise auch mit Wolfgang Ambros auf Tournee.

Claudio Rizzi ist seit 2013 Korrepetitor am Landestheater Coburg.

Kontakt Tel. 09563/5490831 oder per Mail unter lions-kulturbistro@online.de