"Jeden zweiten Dienstag eines Monats gibt es hier bei mir in der Bücherei einen Bücherflohmarkt. Da können eifrige Leser mitunter schon ein Schnäppchen machen", freut sich Brigitte Rößler-Reuß, die Leiterin der Neustadter Stadtbücherei.

"Letztes Mal hatte ich beispielsweise rund 300 Bücher im Angebot", sagt die Bibliothekarin und fährt fort: "Aber leider konnte ich nur einen Bruchteil an die Frau beziehungsweise an den Mann bringen." Einerseits seien es vor allem ältere Bücher aus ihrem Bestand, die sie anbieten kann. "Manche liegen hier seit über zehn Jahren ohne wieder ausgeliehen zu werden.

Einige sind noch älter. Die nehmen nur unnötig Platz weg, an dem es hier sowieso etwas mangelt", verdeutlicht Rößler-Reuß ihr Problem. Manche Ausgaben seien von Anfang an, wegen hoher Beliebtheit bei der Ausleihe, doppelt und mehrfach vorhanden. Da könne man, wenn der Andrang nachlässt ruhig auch ab und zu aussortieren.

Andererseits erhält sie immer wieder Bücherspenden, oft von Personen die sich vor einem Umzug von Ballast trennen wollen, oder die sich aus verschiedenen Gründen verkleinern wollen, etwa wenn Senioren ihren zukünftigen Wohnsitz in einem Seniorenwohnheim finden. "Die wollen ihre Bücher nicht einfach im Müll entsorgen und bringen sie dann zu mir", weiß die Chefin der Bücher aus Erfahrung zu berichten. Sehr viele Romane erhielten so eine vorübergehende Unterkunft in den Räumen der Bücherei, aber es seien auch Kochbücher dabei, Fachbücher und Kinderbücher.

"Ich gebe es ungern zu, aber auch ich muss mich manchmal überwinden und ein Buch oder gar mehrere der Altpapiersammlung zuführen", verrät Rößler-Reuß und verweist erneut auf den derzeitigen Platzmangel in der im Rathaus untergebrachten Stadtbücherei.

Manchmal bleibt nur der Reißwolf

Doch die Reißwolfkandidaten könne man sowieso nicht mehr abgeben, auch nicht beim monatlichen Flohmarkt: "Die sind dann wirklich aufgebraucht, verschlissen, nicht mehr richtig gebunden, haben alle möglichen Flecken vom Fett, über Kaffee bis zur Schokolade." In dem Zusammenhang fällt der Bibliothekarin noch etwas ein: "Wir haben hier uralte Bücher, die schon über 100 Mal, sogar schon über 150 Mal ausgeliehen wurden und die sind immer noch in einem guten Zustand. Aber bei den neuen Büchern wird die Qualität immer schlechter."

Ausgeliehen werden Bücher das ganze Jahr über. Doch besonders in den Sommerferien steigt der Andrang. Da gingen aber bisher hauptsächlich Kinder- und Jugendbücher über den Tisch. Ein paar Romane seien dabei gewesen. Fachbücher? "Nein, die wollte im Urlaub niemand lesen. Was ja auch verständlich ist." Vor allem Senioren würden immer wieder mal in die Geschichte Neustadts und die der Umgebung abtauchen. Da müsse die Stadtbibliothekarin oft auf Heimatpflegerin Isolde Kalter verweisen, die sich im Archiv der Stadt bestens auskennt. Schwedenkrimis seien derzeit nicht mehr der Renner, aber noch gut bei den ausgeliehen Büchern vertreten.

"Aktuelle Hits sind Frankenkrimis, wie etwa die von Helmut Vorndran oder auch von Friedericke Schmöe", erzählt Rößler-Reuß. Kein Wunder, dass diese Autoren auch gerne in die Region kommen und hier Lesungen halten. Junge Frauen würden witzige Frauenliteratur gerne lesen und bei Kindern seien "Gregs Tagebücher" äußerst beliebt. Jugendliche stünden mehr auf Bücher aus der Reihe "Die Tribute von Panem" oder auch aus der "Biss-Serie". "Ach ja, Star Wars ist bei jungen Leuten wieder total angesagt", weiß die Bibliothekarin. Auf den nächsten Bücherflohmarkt müssen Neustadter Leseratten und Schnäppchenjäger allerdings biss, pardon, bis zum 8. Oktober warten, denn dann öffnet Brigitte Rößler-Reuß erneut ihre große Flohmarktkiste.