Evi Grill schaut konzentriert auf die Fräse. Millimetergenau muss sie die Löcher für das kleine Brettspiel aus Plexiglas bohren. Die 13-Jährige hat ihren Spaß dabei. "Das sieht man richtig", sagt Anna Schneiderbanger (18), die Evi zeigt, wie sie die Maschine bedienen muss. Anna ist Auszubildende für Werkzeugmechanik im zweiten Jahr bei der Firma Brose. In dieser Woche gehört sie zu dem Team, das die zwölf Mädchen betreut und anleitet, die für das Technik-Camp ausgelost wurden.

Seit 14 Jahren bietet der international agierende Automobilzulieferer Mädchen die Möglichkeit, sich eine Woche lang intensiv mit Technik zu beschäftigen. "Uns fasziniert, mit welcher Begeisterung die Jugendlichen dabei sind und mit wie viel Freude sie am Abschlusstag ihren Eltern die selbst hergestellte Produkte präsentieren", sagt Michael Stammberger, zuständig für die Aus- und Weiterbildung bei Brose. Er nennt das "Mädchen für Technik-Camp" ein Erfolgsmodell. Über 180 junge Schülerinnen konnten sich bisher bei Brose orientieren. Einige von ihnen haben über den Girl's Day und verschiedene Praktika letztendlich bei Brose eine Lehrstelle oder einen dualen Studienplatz bekommen.

In der Schule komme die praktische Vorbereitung aufs Leben oft zu kurz, kritisierte Stammberger. "Unser Beitrag soll eine Art Schnupperkurs sein, um sich überhaupt darauf einlassen zu können." Jedes Jahr bewerben sich mehr Schüler als es Plätze gibt.

Evi Grill hatte Glück. Die Traunsteinerin darf eine Woche dabei sein - tagsüber in der Brose-Arbeitswelt, abends im Jugendhaus Neukirchen, wo für alle ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm für Ferienspaß sorgt.

"Ziel ist es, die jungen Damen an Technik heranzuführen, Hemmschwellen abzubauen und sie technischer Berufe, wie Produktdesignerin, Mechatronikerin oder Werkzeugmechanikerin, erleben zu lassen", ergänzt Franz Brosch, Geschäftsführer der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber, die die Aktion finanziell unterstützen. Er nennt Brose einen der besten Arbeitgeber der Region, mit ausgezeichneten technischen und innovativen Ideen.

Mädchen nehmen bisher die Angebote in Metall- und Elektroberufen zu wenig wahr, bedauert Brosch. Gleichzeitig erreichen sie die im Schnitt besseren Schulabschlüsse. Er versicherte, die Babypause, die früher für viele Frauen zum Karrierekiller wurde, sei heutzutage kein Problem mehr.

Für Evi Grill ist das allerdings im Moment keine Frage. Sie ist mit Begeisterung am Fräsen und hat in Anna Schneiderbanger eine ebenso enthusiastische "Metallerin" gefunden.


Mädchen für Technik-Camp
Wer beim nächsten im Herbst mitmachen möchte, kann sich bis 27. September 2015 beim Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) unter tezba.de bewerben.