Das vierte Konzert zum Coburger Reger-Herbst am Vorabend des Reformationstages war programmatisch auf diesen Tag ausgerichtet, brachte es doch als Abschluss und Höhepunkt die gewaltige Fantasie über den Luther-Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" von Max Reger und daneben weitere Kompositionen über das ebenfalls von Luther stammende "Vater unser im Himmelreich" von Reger und Mendelssohn.


Als Schüler Urururenkel von Bach

Der im gleichen Jahr wie letzterer geborene Adolf Friedrich Hesse - als Schüler ein Ururur-Enkel von Bach - passte in das Gesamtkonzept des Abends, bei dem Frühromantiker dem Spätromantiker Reger gegenüber gestellt werden sollten.


Von dem 1809 in Breslau geborenen und dort zeitlebens als Organist, Pianist, Dirigent und Lehrer wirkenden Adolph Friedrich Hesse hörte man eingangs die Toccata As-Dur op. 85, ein wuchtig beginnendes Werk, das aber auch lyrische Abschnitte und Fugenteile enthält. Peter Stenglein spielte die auch harmonisch aparte Komposition mit überlegener Manual- und Pedaltechnik, wobei er von dem reichen Registerschatz der Schuke-Orgel regen Gebrauch machte.


Es ist bemerkenswert, dass der Katholik Reger ein Fülle von Choralvorspielen und - fantasien über evangelische Kirchenchoräle schrieb. Ein zartes aus Opus 67 - "Vater unser im Himmelreich" - hörte man quasi als Überleitung zu Felix Mendelssohns Sonate d-Moll op. 65 Nr. 6 über das gleiche Lied. Der Komponist beginnt mit dem schlicht gesetzten Choral, bringt dann sich immer mehr steigernde Variationen, eine Fuge und ein lyrisches Nachspiel. Stenglein interpretierte das häufig zu hörende Werk wie aus einem Guss mit hoher Virtuosität und differenziertem Klangsinn in der fein ausgehörten Registrierung.


Extrem schwieriges Werk

Wie ein Atemholen vor dem gewaltigen Schluss wirkten Präludium und Canon aus den "12 Stücken für die Orgel" von Max Reger, stark modulierend und vielgestaltig im ersten und ruhig fließend im zweiten. In der abschließenden Choralfantasie "Ein feste Burg ist unser Gott" hat der Organist nicht nur alle Hände voll zu tun, sondern muss auch mit den Füßen wahre Ballettkunststücke vollführen.


Beeindruckend gemeistert


Peter Stenglein meisterte das extrem schwierige Werk mit beeindruckender Überlegenheit im Technischen und wiederum sorgsamer, treffender klanglicher Realisierung.


Minutenlanger Beifall


Es gab minutenlangen Beifall und sogar stehende Ovationen, die in der Kirchenmusik nicht allzu oft vorkommen. Ein schöner Abschluss des ehrgeizigen Reger-Herbstes, der dem nicht immer einfach zu folgenden, harmonisch extravaganten Komponisten vielleicht ein paar neue Freunde gewonnen hat.



So geht's weiter


Sonntag, 20. November Reger "Hebbel-Requiem", Brahms "Ein deutsches Requiem" - Coburger Bachchor, Leitung: Peter Stenglein; 16 Uhr