Eine interessante Begegnung verspricht der Coburger Bachchor bei seinem Konzert am Sonntag in der Morizkirche. "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms, eines der bedeutsamsten Chor-Orchester-Werke der Romantik, steht dabei ebenso auf dem Programm wie das "Hebbel-Requiem" von Max Reger, an dessen 100. Todestag in diesem Jahr erinnert wird.


Neben dem Bachchor singen und musizieren Nadja Merzyn (Sopran), Martin Trepl (Bariton) und das Philharmonische Orchester des Coburger Landestheaters. Die Leitung hat Coburgs Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein.
Jeder Mensch weiß, dass sein Leben endlich ist. Doch wie soll man mit diesem Wissen umgehen? Die Bibel bietet reichlich Auswahl an Texten zu Trauer und vor allem Trost. Brahms hat die Texte für seine Musik selbst ausgewählt. Er greift zu auf Passagen des Alten und des Neuen Testaments. "Selig sind die Toten", so heißt es in den "Seligpreisungen" im Matthäusevangelium.


Die Theologin Margot Käßmann schreibt dazu in der Mitteldeutschen Kirchenzeitung am 26. August 2010: "Nein, eine Vertröstung auf das Jenseits, Opium des Volkes, sind die Seligpreisungen nicht. Sie sind Hoffnung für eine veränderbare, verbesserliche Welt im Hier und Jetzt, in dieser Welt. Sie speist sich dabei aus der Hoffnung auf Gottes Zukunft, die über unsere Zeit und Welt hinausgeht."


Der Komponist Johannes Brahms setzt die kraftvollen Bibeltexte in Töne um, die unter die Haut gehen: "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" heißt es im Text. Und Brahms schreibt eine Musik, die wie ein sich gleichsam zu einem Aufschrei steigernder Trauermarsch am Hörer vorbei zieht. Mit einer Fuge beendet Brahms den dritten Satz: Der Text "Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand" entfaltet sich über einem langen Ton - Sinnbild für das Gehaltensein in Gottes Hand. Zu Tränen rührt oft das Sopran-Solo: "Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet" aus dem Johannesevanglium.


Coburger Erstaufführung

Das Programm wird ergänzt durch die Coburger Erstaufführung des "Hebbel-Requiems" von Max Reger. Im Jahr 1915 schrieb Reger diese Musik, der ein Gedicht des Dramatikers Friedrich Hebel zugrunde liegt: "Seele, vergiss sie nicht, die Toten". Unschwer zu erkennen ist, dass Reger die Musik seines großen Vorbildes Brahms gekannt haben muss. Reger nimmt zweifelsfrei den Beginn des "Deutschen Requiems" zum Vorbild für sein "Hebbel-Requiem".


Das etwa 15-minütige Werk verlangt eine große Orchesterbesetzung und thematisiert das "Erinnern" - im Unterschied zu Brahms, dessen Komposition in erster Linie trösten möchte.




Konzert-Tipp



Sonntag, 20. November Johannes Brahms "Ein deutsches Requiem", Max Reger "Hebbel-Requiem"- 16 Uhr, St. Moriz Coburg

Mitwirkende Nadja Merzyn (Sopran), Martin Trepl (Bariton), Coburger Bachchor, Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg, Leitung: Peter Stenglein

Kartenvorverkauf Tourist-Information, Herrngasse 4 (Tel. 09561/898044; Mail: info@coburg-tourist.de). Restkarten ab 16 Uhr an der Tageskasse