Der Mann verschaffte sich im März des vergangenen Jahres Zugang zu einem Online-Kundenkonto einer in Coburg ansässigen Firma. Er hackte das Konto, änderte die Bankverbindung, löschte das Firmenkonto und gab stattdessen ein Postbank-Girokonto auf den Namen seiner Freundin an.


Geld umgeleitet

Eine Provisionszahlung aus Online-Werbung gelangte so nicht auf das Firmenkonto, sondern auf das Privatkonto der Partnerin. Das Amtsgericht Coburg verurteilte den Mann wegen Online-Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss der Mann 90 Stunden an gemeinnütziger Arbeit ableisten.


Der Fall nahm vor Gericht eine unerwartete Wende, denn der Kronacher saß ursprünglich lediglich wegen Beihilfe zum Betrug auf der Anklagebank. Außerdem musste er sich für eine falsche eidesstattliche Erklärung verantworten. Als Hauptbeschuldigter des Online-Betruges war der beste Kumpel des Kronachers, ein 43-jähriger Coburger Geschäftsmann, angeklagt. Dieser war in der Coburger Firma bis April 2014 als Vorstand tätig und kannte daher die Passwörter. Laut der ursprünglichen Anklage solle sich der Coburger eingeloggt und das Konto geändert haben. Der Kronacher soll Beihilfe geleistet haben, indem er das Konto auf den Namen seiner Freundin einrichtete und das Geld abhob. Zur Anklage gegen den Coburger kam es, weil der Kronacher bei der Vernehmung durch die Polizei den 43-jährigen Geschäftsmann als Drahtzieher des Online-Betruges genannt hatte.


Anschuldigungen erfunden

Bei der Verhandlung vor dem Coburger Amtsgericht stellte sich die Lage völlig anders da. Nachdem der Coburger Geschäftsmann versicherte, mit der Sache rein gar nichts zu tun zu haben, bestätigte dies der Kronacher. "Ich habe die Anschuldigung aus der Luft gegriffen. Ich habe mich eingeloggt und das Geld auf das Konto überwiesen." Mit dem Coburger Geschäftsmann verbinde ihn eine zehnjährige vertrauensvolle Freundschaft. "Er hat mir immer geholfen, finanziell und fahrtechnisch, weil ich keinen Führerschein habe. Ich habe das Vertrauen extrem verspielt", bedauerte der Kronacher. Er habe Zutritt zum Büro und zum Computer des Coburgers gehabt, dort sei das Passwort hinterlegt gewesen, mit diesem habe er sich problemlos einloggen können.


6033 Euro überwiesen

"Es war verlockend und wider Erwarten konnte ich ohne Probleme das Konto ändern." Eine anstehende Provisionszahlung aus einer Online-Werbung in Höhe von 6033 Euro gelangte so auf das neu eröffnete Postbank-Girokonto seiner Freundin. "Ich war selber überrascht, als einen Monat später Geld auf dem Konto war." Richterin Melanie Krapf wollte wissen, ob die Idee aus Zufall entstanden sei.

Der Angeklagte: "Nee, aus Langeweile." Als ihn die Polizei um neun morgens in Kronach aufgesucht habe und eine Hausdurchsuchung bei der Freundin, die im Landkreis lebt, angekündigt habe, sei er durch den Wind gewesen. "Die wollten einen Namen hören und da habe ich meinen besten Kumpel ans Messer geliefert." Mittlerweile hätten sich beide Männer ausgesöhnt, er werde demnächst zu seiner Freundin in den Landkreis ziehen und sei beruflich im Ebay-Geschäft tätig. Diese günstige Sozialprognose, die Reue und das umfassende Geständnis wirkten sich strafmildernd aus. Der Kronacher nahm seine Bewährungsstrafe an, der Coburger wurde freigesprochen.