Das Tauziehen um den Neubau eines Verkehrslandeplatzes bei Neida geht in die vielleicht alles entscheidende Phase. Das Luftamt Nordbayern hatte im August eine Frist gesetzt: Bis 21. September möge die Projektgesellschaft ihren Antrag auf Flugplatz-Neubau zurückziehen - andernfalls müsse der Antrag abgelehnt werden. Denn die topographischen Voraussetzungen rund um Neida würden nicht passen.

Allen voran Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) möchte aber versuchen, dass es mit einem Neubau doch noch klappt - eventuell mit Hilfe von Ausnahmeregelungen. Herrmann hat deshalb einen "Flugplatz-Gipfel" angekündigt, bei dem er mit allen Beteiligten nach Lösungen suchen will.


Gespräch am Donnerstag

Lange wurde nach einem Termin für diesen Gipfel gesucht. Als feststand, dass es vor dem 21. September als "Stichtag" nicht mehr klappt, hat, wie zu hören ist, die Projektgesellschaft beim Luftamt um eine Fristverlängerung gebeten. Diese wurde auch gewährt. Und nach Tageblatt-Informationen steht mittlerweile auch der Gipfel-Termin fest: Freitag, 25. September.

Aber wie geht's weiter, wenn der "Gipfel" nicht den von den Befürwortern erhofften Erfolg bringt und das Projekt bei Neida tatsächlich beerdigt werden muss? Die Brandensteinsebene in ihrem jetzigen Zustand ist nicht zukunftsfähig - und an der Frage, ob sie ausgebaut werden kann oder nicht, scheiden sich nach wie vor die Geister.
Im Coburger Osten, konkret in Rögen, herrscht deshalb große Unruhe: Es gibt Pläne und Skizzen, nach denen ein Ausbau der Brandensteinsebene ihren Stadtteil regelrecht erdrücken und zusätzlich - nach Autobahn und ICE-Trasse - belasten würde. Stefan Lehnert hat deshalb einen Offenen Brief an Joachim Herrmann verfasst, der von 216 Bürgern aus Rögen unterzeichnet ist. Darin heißt es unter anderem: "Wir beobachten mit großer Sorge die Diskussionen zur Sicherung des Werksflugverkehrs für unsere Coburger Wirtschaft. Betroffene Bürger aus dem Umfeld des neuen Standorts melden sich mit immer wieder neuen Mutmaßungen öffentlich zu Wort und verunsichern nicht nur die Unternehmen bei uns vor Ort, sondern auch eine wachsende Zahl an Mitbürgern."
Weil im Zuge dessen auch immer wieder über einen vielleicht doch möglichen Ausbau der Brandensteinsebene spekuliert wird, erinnert Stefan Lehnert noch einmal daran, dass der Standort Brandensteinsebene eben "nicht ausgebaut" werden könne - mittlerweile neun Gutachten würden dies belegen.

Stefan Lehnert dankt dem Minister, dass sich dieser von Anfang an in dieser "wichtigen Zukunftsangelegenheit unserer Region" engagiere. Sollte er dieser Tage ein Schreiben von Neubau-Gegnern erhalten, so sollte er wissen, dass dies nicht die Meinung aller Einwohner der Region widerspiegele. Der Brief mündet in einen Appell: "Bitte setzen Sie sich weiter dafür ein, dass den Arbeitgebern unserer Region ein neuer, richtlinienkonformer Verkehrslandeplatz zur Verfügung stehen kann."


"Erschrocken und verärgert"

Noch deutlichere Worte wählt Stefan Lehnert in einem Begleitschreiben, das er zusammen mit dem Offenen Brief an die Medien verschickt hat. Darin heißt es: "Die Bürger im Coburger Osten sind erschrocken und verärgert darüber, dass immer noch Initiativen existieren, die sich ernsthaft mit einem monströsen Ausbau des Verkehrslandeplatzes Brandensteinsebene beschäftigen. Die Dimension der dafür notwendigen Landschaftsveränderung machen uns Bürgern Angst, da mit einem richtlinienkonformen Ausbau des bestehenden Verkehrslandeplatzes sogar die Zerstörung einzelner Wohnhäuser und die Umsiedlung von Anwohnern in Kauf genommen werden müsste."


"Rote Karte" zeigen

Dass sich der Verein "Freunde der Brandensteinsebene" fast ausschließlich aus betroffenen Anwohnern eines Flugplatz-Neubaus zusammensetze, sei ein "Affront" gegen die Bürger in Coburgs Osten und ein "leicht zu durchschauendes Vorgehen nach dem St.-Florians-Prinzip". In ihrer Not hätten sich deshalb schon weit über 200 Bürger zusammengefunden, die "den Machenschaften der ,Freunde der Brandensteinsebene‘ die Rote Karte zeigen."


Der Offene Brief im kompletten Wortlaut

Sehr geehrter Herr Staatsminister Herrmann,

wir sind Bürger in Stadt und Landkreis Coburg und beobachten mit großer Sorge die Diskussionen zur
Sicherung des Werksflugverkehrs für unsere Coburger Wirtschaft. Betroffene Bürger aus dem Umfeld
des neuen Standorts melden sich mit immer wieder neuen Mutmaßungen öffentlich zu Wort und verunsichern nicht nur die Unternehmen bei uns vor Ort, sondern auch eine wachsende Zahl an Mitbürgern. Längst haben auch kommunalpolitische Gruppierungen die Stimmung aufgenommen und verbreiten die Botschaften der Aktivisten gegen den neuen Verkehrslandeplatz.

Viele Behauptungen und Darstellungen dieser Gruppen erweisen sich im Rahmen einer objektiven Überprüfung als falsch. Wie Sie wissen werden sämtliche in Frage stehende Punkte seriös und unabhängig in den laufenden, rechtsstaatlichen Verfahren abgearbeitet. Tatsächlich haben die Kommunalgremien in Stadt und Landkreis Coburg mit großer Mehrheit entschieden, diese Verfahren in der Flugplatzfrage in Gang zu setzen.

Das Raumordnungsverfahren zu vier möglichen Standorten des Verkehrslandeplatzes ist längst abgeschlossen. Gutachten - mittlerweile 9 an der Zahl - haben in den vergangenen 10 Jahren festgestellt, dass der bisherige Standort Coburg-Brandensteinsebene nicht ausgebaut werden kann, damit er von den Unternehmern im Coburger Land zukunftssicher und richtlinienkonform genutzt werden kann. Am 31.12.2019 läuft unwiderruflich die Sondergenehmigung für den Werksverkehr auf der Brandensteinsebene aus. Sie ist bis dahin an die Bedingung geknüpft, dass unsere Region jährlich aufs Neue nachweist, die Planungen für einen neuen, richtlinienkonformen Verkehrslandeplatz voranzutreiben.

Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren für den Standort Meeder-Neida, der sich in einer gutachterlichen Untersuchung unter den drei neuen, möglichen Standorten eindeutig durchgesetzt hat. Wie bei allen Planfeststellungsverfahren üblich, werden derzeit alle noch in der Kritik stehenden Punkte des neuen Standortes abgearbeitet.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Flugsicherheit. Die Aktivisten gegen den Standort des neuen Verkehrslandeplatzes verbreiten dieser Tage einen Vermerk des Luftfahrtamtes Nordbayern zur geplanten Platzrunde der Flugzeuge, den sie im Rahmen einer Akteneinsicht ausfindig und als nicht heilbaren Untersagungsgrund ausgemacht haben.

Sicherheit ist bei der Planung und beim Betrieb jeder Verkehrsinfrastruktureinrichtung ein besonders hoch zu wertender Faktor. Der bisherige Verkehrslandeplatz Brandensteinsebene erfüllt die notwendigen Voraussetzungen unter allen Standortalternativen am wenigsten! Im am dichtest besiedelte Teil unserer Region, dem Stadtgebiet von Coburg, auf einer wind- und wetteraffinen Bergkuppe gelegen, verfügter nicht über die notwendigen Sicherheitszonen für eine Start- und Landebahn. Die notwendigen Bahnlängen lassen sich gemäß der vielen Gutachten hier ebenso wenig realisieren, wie die zwingend vorgeschriebene Anflugbefeuerung. Wenngleich es rund um die Brandensteinsebene immer wieder zu Flugunfällen gekommen ist, zuletzt vor 2 Jahren ein wetterbedingter Absturz eines Flugzeuges im vorgelagerten Waldgebiet mit drei Todesopfern, dürfen alle Verantwortlichen froh sein, dass eine noch größere Katastrophe bisher ausgeblieben ist. Es ist nachvollziehbar, dass die Übernahme dieser großen Verantwortung keinem Entscheider mehr länger als über das Jahr 2019 hinaus zuzumuten ist. Es ist folgerichtig, dass bis dahin alles unternommen werden muss, einen neuen Standort für einen sicheren, richtlinien-konformen Verkehrslandeplatz in unserer Region zu realisieren. Deshalb danken wir Ihnen, dass Sie sich von Anfang an persönlich in dieser wichtigen Zukunftsangelegenheit unserer Region engagieren. Wenn Sie dieser Tage Schreiben von betroffenen Mitbürgern erreichen, die damit "drohen", sich mit ihrer "Geschichte" an nationale Medien wie Report oder Monitor zu wenden, bedauern wir das sehr, weil das nicht die Meinung aller Einwohner der Region widerspiegelt.

Gewählte Kommunalparlamente haben sich ihre Entscheidungen nicht leicht gemacht. Es wurde viel Geld für Gutachten investiert, die allesamt zu dem gleichen Ergebnis kommen: Der Alt-Standort Brandensteinsebene stellt das größte Sicherheitsrisiko dar und ist nicht richtlinienkonform zu ertüchtigen. Die Unternehmen und die Kommunalpolitik üben sich zur Zukunftssicherung unserer Region im Schulterschluss. Für immer mehr Betriebe im ansonsten eher abgelegenen ländlichen Raum sowie deren Geschäftspartner und Kunden, ist ein geeigneter Verkehrslandeplatz für die Geschäftsfliegerei ein sehr wichtiger Standortfaktor. Dabei geht es um die Verlagerung dieser wichtigen Einrichtung von einem Standort, an der sie nicht mehr funktioniert, an einen anderen Standort in unserer Region. Nicht mehr und nicht weniger.

Es geht eben nicht, wie manche politische Strömungen der Allgemeinheit immer wieder suggerieren, um einen neuen Flughafen und es hat mit einem solchen auch nichts zu tun. Es geht schlicht und einfach um unseren Verkehrslandeplatz, der an neuer Stelle zukunftsfähig mit allen Sicherheitsstandards ausgerichtet sein muss. Von ihm machen heimische Betriebe ihre aktuellen Investitionsplanungen für ihre Unternehmenszentralen abhängig. Ergibt sich dieser Standortvorteil durch einen Neubau nicht, werden spätestens mittelfristig zentrale Unternehmensteile aus dem Coburger Land an strategisch günstigere Standorte auch außerhalb Bayerns verlegt. Auch wenn mancher die Zusammenhänge nicht begreifen kann oder will: Die Menschen in unserer Region - vor allem die nächsten Generationen - würden damit viele ihrer Zukunftschancen verlieren.

Wir möchten Ihnen versichern, sehr geehrter Herr Staatsminister, dass das Meinungsbild unserer Region nicht nur von den lautstarken, persönlich Betroffenen und eindeutig zuordenbaren politischen Strömungen geprägt ist. Wir gehören zu jenen Bevölkerungsteilen, die eine sachliche und rationale Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema wünschen. In diesem Sinne fühlen wir uns durch die Mehrheiten in den kommunalpolitischen Parlamenten sowie auch durch die Wirtschafts- und Regionalpolitik unseres Freistaates in der Frage unseres Verkehrslandeplatzes bis dato sehr gut vertreten. Bitte setzen Sie sich weiter dafür ein, dass den Arbeitgebern
unserer Region ein neuer, richtlinienkonformer Verkehrslandeplatz zur Verfügung stehen kann.