Mit vier Orgel- und Chorkonzerten gedenkt die Coburger Musikwelt bis Ende Oktober des 100. Todesjahres von Max Reger, der nach Bach am meisten und vielfältigsten für die Orgel komponiert hat, wobei Choralbearbeitungen die wichtigste Rolle spielen.


Ein berufener Interpret seiner technisch höchst anspruchsvollen Werke ist Gerhard Weinberger, der gerade die gesamten Orgelkompositionen Regers beim Label cpo einspielt. Eine besondere Beziehung zu Coburg hat Weinberger insofern, als er der Orgellehrer von Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein war. Der Besuch des Konzerts hätte allerdings etwas "reger" sein können.


Souveräner Herrscher über die Klangwogen


Gerhard Weinberger begann wuchtig mit Toccata und Fuge e-Moll aus den Monologen op.63 von Max Reger und erwies sich von Anfang an als souveräner Herrscher über die gewaltigen Klangwogen aus Läufen, Akkorden, reicher Chromatik und ausgefallenen Modulationen in der Toccata, die in strahlendem Dur endet. Die zart beginnende Fuge steigerte Weinberger organisch. Sie wird dann von Reger mit einem weiteren Thema zur Doppelfuge und schließt ebenfalls in freudigem Dur. Farbig und abwechslungsreich setzte Weinberger den Registerschatz der Schuke-Orgel ein.


Einfühlsame Registerwahl


Aus den "Zwölf Stücken" op. 65 hatte er anschließend drei ausgewählt: Consolation E-Dur mit kühnen Modulationen zu einschmeichelnder Melodie und stürmischem Mittelteil, das sprunghafte Scherzo d-Moll mit ruhigem Mittelteil sowie die meditative Canzone Es-Dur. Auch hier waren einfühlsame Registrierung und sorgsame Wiedergabe bemerkenswert.


Bach als großes Vorbild für Reger


Regers großes Vorbild Bach durfte in diesem Programm natürlich nicht fehlen. Mit Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564 erklang ein Werk, das mit den zuvor erklungenen Reger-Werken bestens harmonierte. Auch hier in der Toccata perlende Läufe und ein virtuoses Pedalsolo zur Einleitung, ein feinsinniges Adagio und eine quicklebendige, flüssig und durchsichtig vom Organisten vorgetragene Fuge.


Den Abschluss bildete eine weitere monumentale Orgelkomposition von Max Reger, die Phantasie über den Choral "Halleluja! Gott zu loben, bleibe meine Seelenfreud'" op. 52 Nr. 3.
Sie beginnt mit vollem Werk und bringt ständig neue Umspielungen des Cantus firmus, der in allen Stimmen auftaucht und immer wieder harmonisch unterschiedlich beleuchtet wird. Eine spielerisch beginnende Fuge, die sich technisch teuflisch steigert, beendet das höchst anspruchsvolle Werk, das von Gerhard Weinberger überlegen wie aus einem Guss eindrucksvoll wiedergegeben wurde.


Anhaltender Beifall dankte dem meisterlichen Organisten für diesen gelungenen Auftakt zum Coburger Reger-Herbst.



Die weiteren Termine: Reger-Herbst in Coburg




Sonntag, 23. Oktober Matthias Neumann (Orgel) - 17 Uhr

Mittwoch, 26. Oktober Lankwitzer Vokalensemble Berlin - 19.30 Uhr

Sonntag, 30. Oktober Peter Stenglein (Orgel) - 17 Uhr

Sonntag, 20. November
Reger "Hebbel-Requiem", Brahms "Ein deutsches Requiem" , Coburger Bachchor, Philharmonisches Orchester, Leitung: Peter Stenglein - 16 Uhr