Ein nicht zu verachtendes Instrument, um Kaufkraft in Coburg zu binden, ist der Coburg-Gutschein, der vom "Zentrum-Coburg" ausgegeben wird. Nicht nur dass der Gutschein in die Jahre gekommen ist, das Geldwäschegesetz zwang die Verantwortlichen dazu, sich über das Fortbestehen Gedanken zu machen. Im Rahmen der jüngsten Mitgliederversammlung wurde daher beschlossen, den Coburg-Gutschein moderner zu gestalten. Einig war man sich, dass der Papiergutschein durch eine moderne Wertkarte im Scheckkartenformat ersetzt werden soll.

Marco Cestone, verantwortlich für die Finanzen des Vereins, zeichnete zunächst auf, dass im Jahr 2015 insgesamt 30.700 Gutscheine bei den Mitgliedsfirmen eingelöst wurden und damit ein Umsatz von 844.000 Euro generiert wurde. Das bedeutet, dass der durchschnittliche Wert eines Gutscheins bei 27,50 Euro lag.


Es gibt auch eine Kehrseite

So weit, so gut. Der Kassierer kam aber nicht umhin, auch die Kehrseite des Gutscheinsystems aufzuzeigen. So entstanden im vergangenen Jahr Kosten in Höhe von 17.620 Euro. An direkten Gebühren wurden aber nur 8500 Euro eingenommen, so dass der Verein inklusive der gesetzlichen Mehrwertsteuer 10.850 Euro zuschießen musste. Marco Cestone führte vor Augen, dass von den 16.800 Euro Mitgliedsbeiträgen dann noch knapp 500 Euro im Monat für 146 Mitglieder übrig blieben, um die satzungsgemäßen Vereinsziele zu erreichen. Hinzu komme noch, dass auf Treuhandkonten nicht unerhebliche Beträge aus nicht eingelösten Gutscheinen "schlummerten", die für den Verein unerreichbar seien. Einig waren sich die zahlreichen Mitglieder, dass man zukünftig auf diese Weise kein "Geld verbrennen" wolle. Neben einem neuen Gesicht für den Coburg-Gutschein sollte daher auch ein neues Berechnungssystem beschlossen werden, um hier kostenneutral agieren zu können.
Zur Debatte standen zwei Alternativen. Ein Festbetrag für jeden Gutschein, den Mitgliedsfirmen zur Verrechnung einreichen, oder ein prozentuales Disagio. Marco Cestone machte keinen Hehl daraus, dass die Umstellung mit nicht unerheblichen Investitionskosten verbunden sei.


Ob sich die Stadt beteiligt?

Daher will der Verein auf die Stadt zugehen, um zu klären, inwieweit sich die Kommune an den Kosten im Rahmen der Wirtschaftsförderung beteiligt. "Die Stadt müsste ein starkes Interesse an dem Coburg-Gutschein haben, da durch dieses geschlossene System sichergestellt ist, dass der Umsatz in der Vestestadt verbleibt. "Und 800.000 Euro sind nicht von der Hand zu weisen", betonte Cestone.

Die Vorsitzende von Zentrum Coburg, Steffi Cestone, zeigte noch einen nicht zu verachtenden Vorteil einer "Wertkarte" auf. "Firmen können an jeden Mitarbeiter Gutscheine im Wert von 44 Euro pro Monat ausgeben, ohne dass Lohnnebenkosten anfallen. Mit dem alten System wäre dies nicht möglich gewesen", erklärte sie der Versammlung. Über diesen Weg könnte ihrer Meinung nach dann zusätzliche Kaufkraft nach Coburg geholt werden.

Klar wurde aber schnell, dass es alle Vorteile nicht zum Nulltarif geben wird. Schnell vom Tisch war der Vorschlag, einen gewissen Aufschlag beim Verkauf des Gutscheins zu erheben.


Umsatzabhängiges Disagio

Nach einer konstruktiven und ausführlichen Diskussion kamen die Mitglieder überein, dass die Einführung umgesetzt werden soll. Auch waren sie sich einig, dass die Abrechnung über ein umsatzabhängiges Disagio erfolgen soll. "Es wird wohl am Anfang an die vier Prozent gehen", meinte Marco Cestone, der nicht ausschloss, dass dieser Wert über eventuelles Sponsoring, Werbeeinnahmen und eine höhere Stückzahl gesenkt werden könne.
Für den Vorstand, der sich schon seit Monaten mit der Thematik beschäftigte, steht jetzt viel Arbeit ins Haus, da vor allem mit den größeren Mitgliedsfirmen eine technische Umsetzung abgeklärt werden muss. Marco Cestone geht davon aus, dass der neue Coburg-Gutschein in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres ausgegeben werden kann.