Während der Veranstaltung hielt sie sich bedeckt und verriet Moderator Christian Klerner ihr Voting nicht: "Es gibt ein, zwei Kandidaten, die es ziemlich weit bringen können", war alles, was Klerner ihr im Vorfeld der Wahl zu Miss und Mister Franken abringen konnte. Mit der 19-jährigen Schwarzenbruckerin Julia Prottengeier und dem 24-jährigen Altdorfer Daniel Schraub standen am Ende die klaren Favoriten der amtierenden Miss Germany, Olga Hoffmann, auf dem Siegertreppchen. Veranstaltet wurde der Wettbewerb von einer Modellagentur, die früher in Neustadt und Rödental ansässig war.

Die 23-Jährige Olga Hoffmann saß mit sieben weiteren Teilnehmern in der Jury und vergab ihre Punkte flott und routiniert. Für die beiden Sieger hatte sie einige Tipps parat: "Disziplin, Pünktlichkeit und eine professionelle Einstellung sind extrem wichtig für die Titelgewinner", sagte sie. Natürlich käme eine Menge positiver Stress auf beide zu, dennoch sollten sie versuchen, sie selbst zu bleiben, sich nicht verbiegen zu lassen und ihre Träume und Ziele stets weiter zu verfolgen.

Die Münsteranerin, die im Alter von acht Jahren aus der Ukraine nach Deutschland kam und schon Bühnenerfahrung mitbrachte, wurde zweimal "nur" Zweite, bei der Wahl zur Miss Siegen und Miss Osnabrück, bis sie schlussendlich doch ganz oben auf dem Treppchen landete: Vor zwei Monaten wurde sie im Europapark Rust zur Miss Germany 2015 gekürt.

Was macht eigentlich ein Jury-Mitglied?

Welche Aufgaben kommen auf ein Jurymitglied zu? Das fragte sich das Coburger Tageblatt und wurde prompt vom Veranstalter eingeladen, sich zu beteiligen. Dabei stellte sich heraus, dass es gar nicht so einfach ist, sich klar für einen Teilnehmer zu entscheiden. Denn: Anders als das Publikum sitzen die Juroren in der ersten Reihe und damit ganz nah dran am Geschehen. Das ist ein kleines Problem: Können aus der Ferne die Größe und der Gesamteindruck eines Kandidaten gut eingeschätzt werden, ist das aus der Nähe gar nicht so leicht. Und schließlich will die Kommission fair bleiben: In die Bewertung einfließen soll schließlich nicht nur die Schönheit, sondern auch die Ausstrahlung, das Selbstbewusstsein und - in einem kurzen Interview - die Fähigkeiten der Teilnehmer, sich gut auszudrücken.

Jurymitglied Julika Gerlach plauderte aus dem Nähkästchen: Bei der Coburger Citymanagerin konnten Kandidaten vor allem mit ihrer Natürlichkeit punkten. Ihre Entscheidung habe sie konsequent auch unter dem Hinblick auf die Repräsentationspflichten der potenziellen Gewinner getroffen, informierte sie. Florian Fischer aus Meeder, Juror und verantwortlich für das Haarstyling, brachte es auf den Punkt: "Immerhin werden die Sieger Franken vertreten", sagte er, "das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe."

Etliche Teilnehmer aus dem Landkreis Coburg

In zwei Durchgängen präsentierten sich zwölf Frauen und sieben Männer dem Publikum, das ruhig etwas größer hätte sein können, in der Diskothek Musikmarkt in Meschenbach. Mit der 24-jährigen Amelie Kindler, einer zahnmedizinischen Fachangestellten, war auch eine Coburgerin mit am Start. Aus Buch am Forst stammte Jan Marr, der als Produktionshelfer in Sonnefeld arbeitet und Fußball und Kegeln zu seinen Hobbys zählt. Der Bamberger Steffen Globisch studiert im sechsten Semester Maschinenbau in Coburg. "Früh bin ich in der Uni und abends im Fitness-Studio", erzählte er. Außerdem koche er gern. Vielseitige Interessen hat auch Teilnehmer Andy Bohl, der nur verraten wollte, dass er "aus dem Landkreis Coburg" stammt: Er tanze, spiele Musik und möge Fitness, sagte der Servicetechniker. Am Ende konnten sich die vier allerdings nicht gegen die Konkurrenz, die hauptsächlich aus dem Nürnberger Raum stammte, durchsetzen.

Der Veranstalter des Wettbewerbs, die Modell- und Eventagentur Fisher's House, kommt ursprünglich aus dem Landkreis Coburg: Juniorchef Christian Fischer und seine Mutter betrieben acht Jahre lang in Neustadt und Rödental eine Modellschule. Vor drei Jahren zog das Familienunternehmen endgültig nach Nürnberg um: "Als lokaler Partner der aktuellen Miss Germany Corporation, die der größte Veranstalter für Schönheitswettbewerbe in Europa ist, übernehmen wir die Organisation für ganz Bayern", erläuterte Fischer.
Er bedauerte, dass es seit dem Jahr 2011 keine Misswahl mehr in Coburg gegeben habe. Dass sich das in naher Zukunft wieder ändern soll, hat der 32-Jährige fest im Blick, wie er dem Tageblatt verriet. Allerdings müsse so eine Wahl auch finanziert werden und brauche Sponsoren, erläuterte der Marketingexperte. Immerhin konnte er für den Abend die Coburger Citymanagerin Julika Gerlach, die mit ihrer Teilnahme in der Jury auch "eine Brücke zur Stadt Coburg" schlagen wolle, gewinnen.

Gerlach würde "sehr begrüßen", wenn sich mehr Coburger unter den Kandidaten fänden. "Der Titel Miss und Mister Franken ist in Nürnberg sehr gefragt", erzählte Fischer. Man müsse allerdings kein gebürtiger Franke sein, um bei der Wahl mitmachen zu dürfen.
Für die Sieger sei der Titel ein Sprungbrett: Damit dürfen sie an der Wahl zu Miss und Mister Bayern, die im Jahr 2016 stattfindet, teilnehmen.

Dass so ein Titelgewinn "ganz, ganz viel Stress ist, allerdings im positiven Sinne", bestätigte Olga Hoffmann. Anfangs seien vor allem die Interviews und die Kontakte zu den Medien ihre größte Sorge gewesen, berichtete sie. Das lege sich allerdings schnell: "Mit der Zeit sammelt man sehr viel Erfahrung und wird professioneller."