In diesem Bad gilt das Motto "Ruhe statt Rutsche". Verglichen mit modernen Spaßbädern wirkt die Freizeitanlage Autenhausen wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Das malerisch am Rande des Seßlacher Stadtteils im Bachgrund der Kreck gelegene Schwimmbad ist aber dennoch nicht klein zu kriegen. Am Wochenende wird das 40-jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert.

In Autenhausen wurde schon nach dem Zweiten Weltkrieg gern gebadet: Bewohner der damals noch selbständigen Gemeinde nutzten ein Stauwehr der Kreck, um sich im Wasser abzukühlen. Da dieser sich in unmittelbarer Nähe der Zonengrenze befand, trübten allerdings mit dem Wasser angespülte Landminen aus den DDR-Grenzbefestigungsanlagen häufig den Badespaß.

Auf der Suche nach einem ungefährlicheren Badeplatz ließ die Gemeinde einen Weiher im Erlenbachsgrund ausbaggern, der aber schnell von Algen zurückerobert wurde. So entstanden Pläne für ein Schwimmbad hinter dem Sportplatzgelände. Der Bau stellte für die kleine Gemeinde einen Kraftakt dar. Am 25. Juni 1972 wurde die neue Anlage in Betrieb genommen. Seither hat sich viel getan: die technischen und sanitären Anlagen wurden modernisiert, die Umkleidekabinen erneuert, das Dach renoviert und ein Planschbecken für die kleinsten Badegäste angelegt. Wenn Sonne und Wärme fehlen, wird das Wasser dank Heizung auf konstante 25 Grad erwärmt.
Angesichts der momentanen Witterung wagen sich nur wenige Besucher in das Freibad. Bademeister Siegfried Schmidt (besser bekannt als "der Siggi") hat trotzdem alle Hände voll zu tun: Badeaufsicht, die gesamte Anlage in Stand halten, Rasen mähen, Becken reinigen, Wasserqualität kontrollieren, putzen, aufräumen und nebenher die Gäste betreuen - insbesondere die, die zu den benachbarten Zeltplatz gebuchten Gruppen gehören.

Zum Glück ist "Siggi" geblieben


An "Siggis" Kiosk verkauft der gelernte Maurer alles, was das Kinderherz begehrt - von Pommes und Wienern bis hin zu Eis und Limo. Siegfried Schmidt ist "Bademeister aus Leidenschaft". Auch er feiert heuer Jubiläum: Bereits seit zehn Jahren ist er in Autenhausen das "Mädchen für alles". Dass seine Art, mit Kindern und Gästen umzugehen, ankommt, hat er sogar schriftlich: "Siggi, Du bist der allerbeste, coolste und liebste Bademeister der Welt" stand auf einem Plakat, mit dem die Kinder der Ferienspaßwoche ihn zum Bleiben überreden wollten. Das war, als er nach seinem ersten Jahr wegen der geringen Einnahmen aufhören wollte.

"Siggis" unkonventionelle Art und Hilfsbereitschaft hinterlassen Eindruck. So schrieb der Veranstalter eines Vater-Kind-Zeltwochenendes, ebenfalls 2003, an Bürgermeister Hendrik Dressel (Freie Wähler): "Sein Umgang mit den Kindern und Jugendlichen fordert Respekt." Zeltplatz und Schwimmbad seien unter Schmidts Führung "zum Aushängeschild für Seßlach" geworden.

Bereits zum 25-jährigen Bestehen des Bades 1997 hatte Dressel selbst das Schwimmbad eine "kommunale Einrichtung mit hoher Wertschätzung" genannt. Damals war mit Hans Kellner ebenfalls ein langjähriger Bademeister verantwortlich. 16 Jahre lang stellte sich der Rentner, unterstützt von seiner Frau Kunigunde, der vielseitigen Aufgabe. "Das war sein Leben. Er war einfach für das Schwimmbad da", erinnert sich die 83-Jährige. "Und ich auch, denn allein ist es schwer, alles im Blick zu behalten. Ein Auge muss immer dem Becken gelten." Ehrenamtlich, gegen eine geringe Aufwandsentschädigung, aber mit viel Idealismus arbeiteten die Kellners mitunter 14 Stunden am Tag im Freibad.

Vor allem direkt nach der Wende gab es viel zu tun. "Wir haben das Schwimmbad wie unser Eigentum verwaltet", sagt Hans Kellner. Seine Frau kann heute noch die täglichen Einnahmen nachschauen: "Reich sind wir durch den Job nicht geworden", berichtet sie. "Aber reich an Erfahrungen", ergänzt ihr Mann. Seit 2007 wird der Bademeister mit einer Halbtagsstelle von der Stadt Seßlach finanziert. Frührentner Kellner genoss es bis zu seinem 70. Lebensjahr, mit vielen jungen Leuten zusammen zu kommen. Ärger mit den Kindern, der seine Vorgänger nach ein oder zwei Jahren das Handtuch werfen ließ, beschäftigten Kellner eher wenig.
Heute zieht es viele Jugendliche in die größeren Spaßbäder. Als Geheimtipp gilt die Freizeitanlage Autenhausen hingegen bei Gruppen. Gerade war die Coburger Kampfsportschule "Bushido" zu Gast - zum dritten Mal. Deren Vorsitzender, Stefan Müller, findet das 10 000 Quadratmeter große Gelände abseits des Straßenverkehrs "genial".

Hier kann man Party machen


Dort könne man mit Kindern wenigstens "richtig gut Party machen". Und, was nicht unwichtig ist: Nachbarn, die man stören könnte, gibt es keine. Außer vielleicht den Dauergästen des anliegenden Campingplatzes. Die sind aber selten anwesend.