Klopfen, sägen, hämmern: In der evangelischen Kindertagesstätte Klecks ging es gestern zu wie auf einer richtigen Baustelle. Nur die neugierigen oder stolzen Sprüche der Kinder erinnern daran, dass man sich hier doch "nur" in der Werkstatt der Vorschulkinder befindet: "Das Sägen ist besonders schwer, aber geschafft haben wir es trotzdem", ruft der kleine Maximilian.
Doch auch wenn die Kleinen zwar spielerisch an verschiedenste handwerkliche Berufe herangeführt werden sollen, so lernen sie dennoch schon, wie man verantwortungsvoll mit Hammer und Nagel umgeht. "Die Kinder lieben es, selbstständig zu arbeiten, Ideen umzusetzen und Verantwortung zu übernehmen", versichert Andrea Knauer, Leiterin der Kindertagesstätte.


Infos für Erwachsene und Kinder

Schon 2014 hatte man sich für das Projekt "Baumeister gesucht - Harry Hammer und Nicki Nagel auf Tour" beworben. Nun hat der Kindergarten zusammen mit einer Werkbank von Wehrfritz sowie einem hochwertigen Werkzeugkasten und mehreren Baukästen eine zweitägige fachliche Einweisung von den Baumeistern Harry Hammer und Nicki Nagel gewonnen - und ist damit wohl bestens gerüstet, den Kindern handwerkliche Fähigkeiten und Interesse dafür zu vermitteln.
Schon am Mittwoch startete die Aktion mit einer Informationsveranstaltung für die Erzieher und Erzieherinnen, denen Tipps und Tricks verraten wurden, damit die Utensilien auch nach dem Besuch der beiden Baumeister weiterhin richtig und sicher genutzt werden. Doch nun sind endlich die Kinder an der Reihe. Hoch konzentriert widmen sie sich den vier Stationen. Zur Auswahl stehen dabei Sägen, Nageln, Raspeln und Feilen sowie Mauern.


Klein-Lautertal aus Holz

Harry Hammer, der eigentlich Matthias Theowald heißt, erklärt: "Am Ende des Tages wollen wir ein Miniatur-Lautertal gebaut haben. In den Stationen sägen die Kinder beispielsweise einen Holzklotz ab, der dann zum Fundament ihres Hauses wird. In Runde Zwei bauen wir uns dann ein Dach und einen Gartenzaun dazu." Zum Abschluss erhalte jeder Teilnehmer eine Baumeisterurkunde und einen Anstecker sowie passende Handschuhe.


Großer Bewerberandrang

Matthias Theowald und sein Kollege Anton Hopf reisen gerade vier Monate durch ganz Bayern, um das Projekt in insgesamt 50 Kindergärten durchzuführen. In die Wege geleitet wurde die Initiative von den Verbänden der Bayerischen Bauwirtschaft, die damit dem Nachwuchsmangel in handwerklichen Berufen vorbeugen wollen und das Ganze auch finanziell unterstützen.
Mit Hilfe vom Institut für innovative Bildungskonzepte "i!bk" und dem gemeinnützigen Verein "Spiellandschaft Stadt", die die pädagogische Durchführung und Organisation übernahmen, begann im Juli 2014 die erste Baumeister-Tour.
"Schon im ersten Jahr erhielten wir eine sehr positive Resonanz", erinnert sich Matthias Theowald alias Harry Hammer. Noch jetzt gäbe es unberücksichtigte Bewerbungen aus dem Jahr 2014, weil der Andrang so groß gewesen sei.
Umso glücklicher ist Andrea Knauer, dass die "Kita Klecks" an der Initiative teilhaben darf. "Es macht sehr viel Spaß, den Kindern die Materialien und die Arbeit näher zu bringen. Das Projekt ist sehr gut aufgebaut, ich bin echt begeistert", sagt sie.


Zukünftige Maurermeister

Schon kommt eine neue Gruppe kleiner Baumeister zu ihr an die Mauerstation. "Wenn ihr eine Mauer bauen wollt, legt ihr immer zwei Steine unten hin und den dritten Freund oben drauf, so ist es stabiler", erklärt die Leiterin ihnen. Zuerst dürfen die Kinder aber einen kleinen Mauerstein in die Hand nehmen und fühlen. "Der fühlt sich in echt aber ganz anders an!", ruft Maximilian.
Trotzdem habe ihm das Mauerbauen am meisten Spaß gemacht, sagt er. Auf die Frage, ob er denn später auch ein "echter" Baumeister werden will, antwortet er nach kurzer Überlegung dennoch: "Lieber Polizist". Halb so wild - im Raum befinden sich ja noch 18 andere Baumeister "in spe".