Den Einzug Gumperts begleiteten die Rossfelder Musikanten.
Sehr ausführlich referierte Gumpert über den Milchmarkt. Die Deutsche Milchwirtschaft sei die zweitgrößte Sparte in der Ernährungsindustrie und mache einen Umsatz von rund 25,4 Millionen Euro. Rund die Hälfte der in den Molkereien verarbeiteten Milch werde exportiert. Der Bauernverband begrüße das Auslaufen der Milchquote, die Relikt aus der früheren Agrarpolitik sei. Man habe seit dem Auslaufen kein veränderndes Anlieferungsverhalten feststellen können. "Die Jahre 2013 und 2014 waren für die Milchviehhalter erfolgreich. Jetzt allerdings gerät man unter Druck seit dem Beginn des Russlandembargos", informierte Gumpert. Deswegen fordere der Bauernverband von den Molkereien und vom Lebensmitteleinzelhandel positive Vertragsabschlüsse und ein Anziehen des Milchpreises.

Rundgang auf dem Bauernhof

Zuvor hatten sich die Vertreter der verschiedenen Verbände und Obmänner aus Coburg und Lichtenfels auf dem Milchviehbetrieb von Harald Reblitz getroffen und mit dem Präsidenten Helmut Gumpert, der schon seit seiner Kindheit mit der Landwirtschaft vertraut ist, im kleinen Kreis gesprochen. Vieles davon kam auch in seiner Rede in der Festhalle vor. Gumpert, der 62 Jahre alt ist und einen Unternehmensverbund in Schleitz mit 3500 Hektar Land, 800 Milchkühen und 350 Zuchtsauen sowie einer Metzgerei mit Verkauf und einer Hofbäckerei leitet, stellte ausführlich seinen Betrieb vor, zu dem auch zwei Biogasanlagen gehören. 180 Leute verdienen in diesem Unternehmensverbund ihr tägliches Brot.

Der Kreisobmann des Bauernverbandes Coburg, Gerhard Ehrlich, unterstrich, dass der Erfolg eines Betriebes nicht alleine von der Größe abhängig sei, sondern von vielen weiteren Faktoren. Ein immer brisantes Thema der Agarpolitik ist die Bürokratie. Auch hierüber tauschten sich die Landwirte aus.

Flächenfraß und Photovoltaik auf der grünen Wiese

Ein weiterer Punkt in Gumperts Rede war der große Flächenverbrauch in Deutschland. Jeden Tag verschwänden 73 Hektar Land. Innerhalb der vergangenen 20 Jahre seien 860.000 Hektar Land, eine Fläche so groß wie Thüringen, verschwunden. Der Präsident sprach sich gegen die Photovoltaikanlagen auf Wiesen und Äckern aus. Er forderte außerdem vom Deutschen Bauernverband, die Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern und den Dialog mit der Gesellschaft zu suchen.

Weitere Punkte seiner Rede waren auch die Milch- und Fleischpreise. Gumpert sagte: "Die Discounter liefern sich eine Preisschlacht bei Milch und Fleisch." Er forderte die Bundesregierung auf, für Fleisch- und Milchprodukte im Ausland Werbung zu machen, so wie man dies für Autos und andere Produkte tue. Er ging auf das Tierwohl ein und gab ein klares Bekenntnis zur gesamten Wertschöpfungskette für eine nachhaltige Fleischerzeugung. Er forderte finanzielle Anreize für mehr Tierschutz, als es das Gesetz erfordere. Diese Zusatzleistungen müsse der Verbraucher tragen.

Natürlich war auch der Coburger Schlachthof ein Thema, das die Landwirte aus dem Kreis Coburg aufgriffen. Anlässlich der aktuellen Gerichtsverhandlung forderten sie eine stärkere Qualitätskontrolle in den Schlachthöfen. Sie selbst hätten wenig Einfluss. "Wenn wir unsere Tiere abgegeben haben, dann sind sie weg", war zu hören.

Eine Fülle von Themen, die Landwirte beschäftigen

Gumpert sprach auch die Düngeverordnung an und sagte, der Deutsche Bauernverband halte diese für stark überzogen. "Eine bedarfsgerechte Düngung, die nicht von der politischen Couleur in den Ländern abhängig gemacht werden soll, muss der oberste Grundsatz für die Zukunft sein. Bisher hat man noch keinen Kompromiss gefunden", betonte Gumpert.

Es gab noch viel mehr, was die Bauern bewegt: die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln, die Erneuerbaren Energien, gentechnisch veränderte Organismen oder die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes, wobei es hohen Nachholbedarf gebe.

Kreisobmann Gerhard Ehrlich betonte, es bestehe eine gute Verbindung nach Thüringen, dort habe man seit der Wende viele Freunde in der Landwirtschaft gewonnen. Ehrlich ehrte Daniel Paschold, der den 3. Platz beim Berufswettbewerb auf Landesebene erreicht hat und Anfang Juni beim Bundeswettbewerb in Rendsburg (Schleswig-Holstein) antritt. Sebastian Porzelt wurde dafür geehrt, dass er als bester Landwirtschaftsmeister im ökologischen Landbau die Schule für ökologischen Landbau in Landshut abgeschlossen.
Der Bauerntag wurde vom Landfrauenchor, unter der Leitung von Brigitte Buron und von den Rossfelder Musikanten musikalisch umrahmt.