Andrea Porske ist verunsichert und wütend und fühlt sich ungerecht behandelt. Dabei lief es geschäftlich bei ihr in den zurückliegenden Jahren sehr gut. "Ich habe mir im November 2009 meinen Traum erfüllt und in Bad Rodach einen Natursalzraum eröffnet", erzählt sie. Das ist ein Raum, der mit 15 Tonnen Salz ausgekleidet ist und in dem man im wahrsten Sinne des Wortes tief durchatmen und entspannen kann. "Ich war zu diesem Zeitpunkt in der Region die Einzige, die so etwas hatte."

Dazu betreibt Andrea Porske einen kleinen Laden, in dem sie verschiedene Salzprodukte, Bücher, Accessoires und mehr verkauft. "2015 schlossen sich andere Salzraumbetreiber und ich zu einem Verein zusammen, dem Bundesverband der Natursalzwelten. Wir wollen damit den Verbraucher vor sogenannten schwarzen Schafen in der Branche schützen", erläutert sie. Jedes Mitglied müsse sich nun regelmäßigen Kontrollen unterziehen.
Doch dann passiert etwas für die Geschäftsfrau Unerwartetes und Ungeheuerliches: Am 2. Februar bekommt sie von einem Verein in Berlin, dessen Namen sie aus Furcht vor neuerlichem Ärger nicht nennen will, eine Abmahnung wegen "Irreführung der Verbraucher". Worum geht es? Ihr wird vorgeworfen, dass sie in ihrem Natursalzraum für Gesundheit inmitten von naturreinem Himalayasalz (aus Pakistan) wirbt. "Ich sollte eine Unterlassungserklärung unterschreiben, die der Verein aufgesetzt hatte. Daraufhin nahm ich Kontakt zu einem Wettbewerbsanwalt auf, um mich aufklären zu lassen." Denn Andrea Porske wollte auch weiterhin mit Himalayasalz und dem ausdrücklichen Zusatz "aus Pakistan" werben.


Sonst schert sich niemand darum

Zum Hintergrund: Der Abbau des Salzes erfolgt zum größten Teil im Salzbergwerk Kherwa, das in einem Mittelgebirge in der pakistanischen Provinz Punjab 200 Kilometer südwestlich des Himalayagebirges liegt. Die Bezeichnung Himalayasalz ist dafür also per se irreführend. Doch sie findet sich auf Erzeugnissen, die in fast jedem Supermarkt, in Reformhäusern, ja sogar bei manchem Billiganbieter zu finden ist. Dort wird zwar auch auf das Herkunftsland Pakistan verwiesen, aber niemand schert sich darum. Und nun sollen die Bad Rodacher Geschäftsfrau und einige ihrer Kolleginnen und Kollegen das ausbaden? Andrea Porske entschließt sich, vor Gericht zu gehen.

Die Angelegenheit landet vor dem Landgericht Bamberg. "Ich bekam von meinem Anwalt die Unterlagen und damit auch das Schreiben der Gegenseite." Und was die Geschäftsfrau dort zu lesen bekam, haute sie um. "Ich wurde mit nicht wahrheitsgemäßen Aussagen regelrecht beleidigt." Sie sei sogar als Hochstaplerin bezeichnet worden. Nicht nur, dass sie mit Himalayasalz werbe, wurde ihr angekreidet, auch, dass sie angeblich ihren Raum als Salzgrotte bezeichnet. Das impliziere, es handle sich um eine Höhle, in der Salz abgebaut wird. Porske: "Das habe ich nie getan, sondern immer nur vom Natursalzraum gesprochen." Sie vermutet nun, dass es sich um eine Art Musterschreiben handelt, das auch für andere Abmahnungen genutzt wird.


Bis zu 250.000 Euro Ordnungsgeld oder sechs Monate Haft angedroht

Wie dem auch sei, das Landgericht Bamberg erlässt schließlich ein Urteil, das Andrea Porske nun zwar akzeptiert, aber nicht versteht. Ihr wird "im Wege der einstweiligen Verfügung unter Androhung eines Ordnungsgeldes bis zu 250.000 Euro" oder einer Ordnungsstrafe bis zu sechs Monaten Haft untersagt, im geschäftlichen Verkehr für Anwendungen im Natursalzraum mit den Worten "Gesundheit inmitten von circa 15 Tonnen unverändertem reinem Himalayasalz (aus Pakistan)" zu werben.


Viel Aufwand

Das bedeutet, es müssen neue Flyer gedruckt und alle Etiketten der für den Verkauf bestimmten Salze geändert werden. Während anderswo weiter angebliches Himalayasalz verkauft werden darf. Doch das allein beschäftigt Andrea Porske nicht. Sie ist unsicher, was sie denn nun eigentlich noch darf und was nicht. Heißt das zum Beispiel, dass es ihr auch nicht erlaubt ist, Salzschulungen anzubieten?

Thomas Pohl, stellvertretender Pressereferent am Landgericht Bamberg, relativiert: "Die einstweilige Verfügung bezieht sich lediglich auf das Verwenden der Bezeichnung Himalyasalz." Auch der Zusatz, dass es aus Pakistan stamme, ändere daran nichts. "Es gibt dazu eine obergerichtliche Rechtssprechung des Oberlandesgerichts Köln. Himalaysalz, das als solches auch bezeichnet werden darf, muss aus dem Kerngebiet des Gebirges stammen." Alles andere verwirre die Verbraucher. Thomas Pohl hat übrigens kein Problem damit, den Kläger zu benennen. "Es handelt sich dabei um den Verband sozialer Wettbewerb mit Sitz in Berlin. Seine Aufgabe besteht darin, überall dort abzumahnen, wo er unlauteren Wettbewerb vermutet."


Sie blickt nach vorne

Für Andrea Porske dürfte das ein schwacher Trost sein. Sie hat nur das getan, was viele andere auch tun, und war nicht auf Wettbewerbsverzerrung oder gar Hochstapelei aus. Ihren Natursalzraum und ihren kleinen Laden wird sie weiter betreiben. Sie hat ja auch noch andere Salze im Angebot. Und für Himalayasalz will sie sich einfach eine andere Bezeichnung einfallen lassen.