Mit einem Kumpan war ein 50-Jähriger aus Neustadt bei Coburg stundenlang zocken: In der Nacht des 13. Februar 2014 begann die Tour durch insgesamt vier Spielotheken im Landkreis, darunter in Coburg, Dörfles-Esbach und Neustadt, und endete erst am Folgetag um 14 Uhr mit teilweise recht saftigen "Gewinnen".

Dass dieses Geld nicht rechtmäßig erspielt war, bestreitet der Angeklagte auch gar nicht. Mit seinem Geständnis ersparte er fünf geladenen Zeugen ihre Aussage vor Gericht. Allerdings sei er nicht von alleine auf den Dreh gekommen, mit dem er dann die Automaten austrickste.

Mit seinem Freund, der sich für die Tat ebenfalls noch strafrechtlich verantworten muss, sei er regelmäßig ins Spielcasino, um zu spielen, erläuterte er Richter Wolfgang Bauer. An besagtem Abend sei ihnen aufgefallen, dass andere anwesende Spieler hohe Gewinne abräumten. Er habe ihnen zugeschaut und Tipps erhalten, wie die Automaten manipuliert werden könnten. Früher habe er nie so viel gewonnen, gab er zu. Als er diese Summen gesehen habe, habe er gemerkt, dass das Spiel einen Fehler haben müsse.

Tour durch den Landkreis

Als die erste Spielothek aufmerksam wurde und die beiden Spieler aus dem Lokal bat, ging die Tour durch den Landkreis weiter: Rund 6200 Euro sollen sich die beiden Angeklagten beim Spiel "Roulette" so erschlichen haben.

Staatsanwalt Dr. Philipp Karr konnte auch mit dem detaillierten Know-how aufwarten, wie die Manipulation genau funktionierte. Sowohl der Kumpan des Angeklagten, der in dem Verfahren als Zeuge geladen war und sich selbst als automatensüchtig bezeichnete, als auch der Techniker einer der Spielotheken bestätigten diese Vorgehensweise. Richter Bauer ließ sich von dem Experten auch erklären, dass diese Art und Weise der Manipulation keinesfalls in der allgemeinen Spielanleitung des Geräteherstellers verzeichnet sei.

Über die Höhe des Schadens, die ein Sachbearbeiter der Polizei durch Zeugenaussagen, Statistiken und Befragung des Personals ermittelte, gab es in einem Punkt Unstimmigkeit, sodass die Schadenshöhe am Ende um 1300 Euro nach unten korrigiert wurde.

Der Angeklagte zeigt Reue

In seinem Plädoyer forderte Karr eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Monaten für den Mann, der umfassend geständig war, und die Ableistung gemeinnütziger Arbeit. Weil der 50-Jährige zurzeit arbeitslos ist und seine Frau für den Lebensunterhalt der Familie aufkommt, bat der Staatsanwalt das Gericht, von einer Geldstrafe abzusehen. Der Angeklagte nahm ebenfalls Stellung: Wenn er von Anfang an gewusst hätte, dass seine Tat strafbar sei, hätte er sie nicht begangen, sagte er. Jetzt bereue er, es getan zu haben.

Richter Bauer verurteilte den Mann zu fünf Monaten Freiheitsstrafe zur Bewährung sowie 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit. "Er hat natürlich in der ersten Spielothek gemerkt, dass, wenn man das Gerät nicht so bedient, wie man es bedienen soll, Geld heraus kommt", sagte er in seiner Urteilsbegründung.

Nachdem der 50-Jährige "aufgeflogen" sei, habe er nicht aufgehört, sondern das Spiel in drei weiteren Casinos weiter gespielt. "Es war ihm klar, dass er da etwas tut, was nicht erlaubt ist." Da der Angeklagte bereits wegen Betruges vorbestraft sei, sei nunmehr eine kurze Freiheitsstrafe unerlässlich. Beide Parteien nahmen das Urteil noch im Gerichtssaal an.