Es waren mehr als 12.000, die sich am Wochenende im belgischen Städtchen Bornem getroffen haben, um an einem Sportereignis teilzunehmen, dessen Name alles andere als einladend klingt. "Dodentocht" heißt auf Deutsch "Todesmarsch". Moritz Brückner aus Grub am Forst ist mit zwei Freunden auf die 100 Kilometer lange Strecke gegangen. Warum? Weil er wissen wollte, wie er so eine Herausforderung meistern kann.

Seine Gründe sind wohl eher nachzuvollziehen, als die vieler anderer. Moritz Brückner ist Soldat. Der Fähnrich der Gebirgsjägertruppe der Bundeswehr studiert zurzeit an der Uni der Bundeswehr in München Medien und Management. Einen Lauf oder Marsch dieser Größenordnung hat er bisher noch nicht gemacht. Das könnte aber noch kommen, dienstlich nämlich. "Mit Blick auf spätere Verwendungen wollte ich mal sehen, wie es ist, so was in Stiefeln zu laufen", sagt er. Das mag dann der eine oder andere Laufschuh-Teilnehmer wieder für verrückt gehalten haben, sollte es ihm aufgefallen sein.


In der Region ein Volksfest

Für die Region um Bornem ist der Marsch Jahr für Jahr ein gigantisches Voksfest. "Überall an der Strecke sitzen Leute und feiern", erzählt Moritz Brückner. Die Bornemer freuen sich eben, dass sie über 12 000 Gäste haben. Die haben allerdings nicht immer Lust, sich mit den Fans am Wegesrand abzugeben - auch wenn die selbst um vier Uhr Morgens dort noch ausharren. "Nach 40 oder 50 Kilometern merkt man, dass die Füße anschwellen und extrem drücken", erzählt der 24-Jährige. "Dann heißt es halt, weiter gehen!"

Das heißt es auch, wenn irgendwann nach Mitternacht die Augenlider schwer werden. Start ist um 21 Uhr. Aber weil so viele Starter da sind, dauert es eine halbe Stunde bis die letzten Teilnehmer die Startlinie überquert haben. "Wir waren bei den letzten, die losgegangen sind", sagt Brückner, der sich mehr Vorbereitung gewünscht hätte. "Wegen einer Knieverletzung konnte ich lange nichts machen", sagt er. Die Strategie: "Ich wollte mein Tempo finden und die Strecke dann in einem Trott durch laufen, ohne lange Pausen und vor allem, ohne zu schlafen, was manche gemacht haben."

Die Möglichkeit besteht, denn der Totenkopfmarsch, wie er auch genannt wird, ist kein Wettkampf auf Zeit. Im Gegenteil, es gibt sogar eine Mindestzeit. Wer vor Ablauf von zehn Stunden vor der Ziellinie steht, muss warten, ehe er einläuft. 24 Stunden sind das Maximum.

Es zu schaffen, nennt Moritz Brückner "reine Kopfsache". Der Schweinehund, der in jedem von uns wohnt, rät mit jedem Schritt lauter, einfach aufzuhören. Für einen von Brückners Freunden ist es nach etwa 40 Kilometern so weit, dass er auf ihn hört. Ende.

Die beiden anderen machen weiter. Auch wenn der Schweinehund Hilfe von bösen Belgiern bekommt, die rufen: "Nur noch 50 Kilometer", während das Schild mit der 50 Kilometer-Marke erst eineinhalb Stunden später auftaucht. Doch solche Frusterlebnisse muss man ausblenden können, wenn man am Ende die Belohnung einheimsen will: Einen Gewürzkuchen in Folie mit Totenkopf-Aufdruck und ein Fruchtbier. Früher gab es eine Ananas und ein Bier. Damals waren es aber auch weniger Teilnehmer.

Als der Marsch 1970 zum ersten Mal ausgerichtet wurde, gingen 65 Leute an den Start. Da war der Aufwand für die Ananas noch klein. Vier Jahre später wurde die 1000er Hürde genommen. 2009 waren es schon mehr als 10 000 Teilnehmer. 2011 gab es erstmals keine Ananas mehr, sondern eine Gladiole. Seit 2012 gibt es den Gewürzkuchen zum Bier. Und natürlich gibt es ein Abzeichen mit dem berühmten Totenkopf drauf und eine Urkunde. Die Belohnung für den Finisher ist wohl nicht der Grund, warum so viele auf diese Tour gehen.

Die Erfolgsquote spricht übrigens mit Werten zwischen 40 und 60 Prozent für sich. In diesem Jahr sind von 12 014 Startern 7742 rechtzeitig über die Ziellinie gegangen. Mit rund 64 Prozent einer der besten Werte in der Geschichte des Marsches.