Die Briten mögen sich mehrheitlich für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union entschieden haben, das hindert die Coburger Sprachenschule Asco und die britische University of Central Lancashire aber nicht an der Zusammenarbeit. Die Kooperation, die der Leiter der Asco, Matthias Schmidt-Curio, und Petra Bagley von der Universität Lancashire am Dienstag in Coburg unterzeichnet haben, ermöglicht es künftig den Asco-Absolventen, in nur einem Jahr einen Bachelor-Abschluss in England zu erwerben.
Petra Bagley, Deutsch-Dozentin und Leiterin des Bachelor-Studiengang "International Business Communication", hatte vor der Unterzeichnung der Urkunde schon einen Vortragsmarathon hinter sich gebracht: Ausführlich hatte sie den derzeitigen Schülern der Asco geschildert, worum es bei dem neuen Bildungsangebot geht. Entsprechend lädiert war ihre Stimme beim folgenden Pressegespräch, das sie dann in ihrer Muttersprache Englisch bestritt.
Der Vorteil liege für die Schüler in der deutlich verkürzten Studienzeit von nur einem Jahr, erläuterte Petra Bagley. Für Asco-Absolventen bedeutet das, je nachdem, ob sie in Coburg die zweijährige (auch mit Mittlerer Reife ist auf diesem Weg das Studium möglich) oder die auf ein Jahr verkürzte Ausbildung für Abiturienten abgeschlossen haben, dass sie ihren "Bachelor" in nur drei beziehungsweise zwei Jahren erwerben können. Man müsse sich allerdings bewusst machen, dass das eine Jahr an der englischen Universität "ein sehr lernintensives sein wird", betonte Matthias Schmidt-Curio. Er sehe bei seinen derzeitigen Schülern aber durchaus schon potenzielle Kandidaten.


Ohne Bewerbung geht es nicht

Neben dem Bachelor-Abschluss können Asco-Absolventen an der Universität Lancashire auch Kenntnisse in den Bereichen Human Resources, Marketing, Übersetzen und Dolmetschen, Public Relations, Event-Management, International Business oder Digital Business Communication vertiefen. Der Zugang zu dem neuen Angebot führt für Interessenten aus der EU, also auch für die Coburger, über eine Bewerbung beim britischen "Universities and Colleges Admission Service" (UCAS). Diese zentrale unabhängige Stelle organisiert im Vereinigten Königreich größtenteils die Vergabe der Erststudienplätze.
Die University of Central Lancashire hat ihren Hauptsitz in der nordwest-englischen Stadt Preston. Mit über 32 000 Studenten aus 30 Nationen sei sie die sechstgrößte Universtität in Großbritannien, berichtete Bagley. "Der Campus ist sehr kompakt, alles ist zu Fuß gut erreichbar." Die Küste sei 20 Minuten entfernt, der Bahnhof nur zehn Minuten, Manchester erreiche man in 30 Minuten, London in zwei Stunden. Für deutsche Studenten gebe es auf dem Campus nun sogar ein Stück Heimat, denn kürzlich hätten dort Aldi und Lidl eröffnet, wie Petra Bagley lachend erzählt. Überhaupt liege Preston in einer "erschwinglichen Gegend".
Die Uni blicke auf fast 200 Jahre Geschichte zurück. Zur Universität wurde sie allerdings erst 1992, vorher war sie unter anderem Polytechnikum. Die Zusammenarbeit mit Firmen in der Region sei eng, das Job-Angebot für Sprachstudenten sehr gut, so Bagley. "Viele bleiben in der Region, andere hängen noch den Master-Abschluss an."
Übrigens: Noch ehe die Tinte auf dem Kooperationsvertrag am Dienstag trocken war, hatte sich unter den Asco-Schülerinnen schon eine Interessentin für den Bachelor-Studiengang in England gemeldet.